Hirntot ist nicht tot

Zum Interview „Hirntod gilt alssichere Diagnose“ (Blickpunkt-Seite):

Der Bundestag hat gegen die doppelte Widerspruchslösung von Minister Spahn gestimmt. Ich danke Frau Baerbock und den 379 Abgeordneten für ihre weise und mutige Entscheidung. Kein Staat hat das Recht, über Leben und Organe eines Menschen zu bestimmen. Der Kardiologe Dr. Bavastro behauptet: Der Begriff „ein hirntoter Mensch“ ist – juristisch formuliert – eine arglistige Täuschung: Ein Mensch mit Hirnversagen ist ein Mensch, dessen Gehirn einen erheblichen Schaden hat, es ist ein Schwerstkranker, aber noch kein Toter! Befürworter der Transplantationsmedizin, wie der Direktor des Harvard Center for Bioethics, Professor Robert Truog, sowie Bioethiker Franklin Miller, sagen offen: Die Hirntoddefinition sei biologisch nicht mehr aufrechtzuerhalten, auch wenn sie derzeit die rechtliche Voraussetzung für die Organgewinnung bildet. „Der Hirntod“ ist kein wissenschaftlicher Fakt, sondern es ist eine soziale Übereinkunft darüber, wann wir jemanden als tot betrachten“, so Truog. Bei Recherchen habe ich acht Personen gefunden, die nach der Diagnose Hirntod wieder aus ihrem Koma erwacht sind. Darunter der Fall Rosemarie Körner, deren Mann als „Hirntoter“ im Leichenkühlfach landete und dann wieder aufwachte. Haben „Hirntote“ Schmerzen? Laut Dr. Förderreuter nicht, deshalb seien bei der   Organentnahme keine Schmerzmittel nötig. Beim Aufschneiden des Körpers kommt es jedoch in rund 75 Prozent der Fälle zu körperlichen Reaktionen. Dass Organentnahmen ohne zusätzliche Schmerzmittel und Vollnarkose durchgeführt werden darf, finde ich angesichts des geringen Preises von etwa Fentanyl unerträglich und menschenverachtend. Welche Chance haben als hirntot eingestuften Patienten? Sie wären eigentlich Schutzbefohlene des medizinischen und pflegenden Personals.

Alfred Hinterwimmer

Waldkraiburg

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