Heiße Diskussionen um Hotelpläne

Der Happinger See bei Pfraundorf, zwischen Inn und B 15 gelegen. Das Südufer, im Bild oben rechts, ist geprägt von der Halbinsel, auf der man sich bei schönem Wetter zum Grillen, Sonnenbaden und Schwimmen trifft. Am Nordufer befindet sich das Gasthaus Hubertus mit seinem Badestrand (links im Bild), an dem sich im Sommer ebenfalls zahlreiche Badegäste tummeln. Hier plant Prof. Dr. Anton Kathrein ein Hotel. Die Gemeindegrenze zwischen Rosenheim und Raubling durchschneidet den See in Ost-West-Richtung. Foto Schellmoser
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Der Happinger See bei Pfraundorf, zwischen Inn und B 15 gelegen. Das Südufer, im Bild oben rechts, ist geprägt von der Halbinsel, auf der man sich bei schönem Wetter zum Grillen, Sonnenbaden und Schwimmen trifft. Am Nordufer befindet sich das Gasthaus Hubertus mit seinem Badestrand (links im Bild), an dem sich im Sommer ebenfalls zahlreiche Badegäste tummeln. Hier plant Prof. Dr. Anton Kathrein ein Hotel. Die Gemeindegrenze zwischen Rosenheim und Raubling durchschneidet den See in Ost-West-Richtung. Foto Schellmoser

Zum Streit um das Hotelprojekt am Happinger See (Berichte im Regionalteil):

Dass Herr Kathrein auf die Entscheidung des Rosenheimer Stadtrates mit Sicherheit nicht mit Jubelschreien reagiert hat, ist vollkommen nachvollziehbar. Selbstredend hat man auch Verständnis dafür, dass er nicht gerne auf nun augenscheinlich nicht mehr refinanzierbaren Kosten sitzen bleibt. Herr Kathrein ist aber nicht nur ein "ehrbarer Kaufmann" sondern gleichzeitig Unternehmer und Dritter Bürgermeister der Stadt. Da dürften ihm die demokratischen Entscheidungsprozesse und Regularien einer Stadtverwaltung nicht fremd sein. Als gewählter Vertreter der Stadt und deren Bürger droht er öffentlich mit Abwanderung. Umgehend wurde ein Investitions- und Einstellungsstopp für die Werke in Rosenheim verhängt. Somit fügt ein gewählter Vertreter der Stadt vorsätzlich der eigenen Kommune einen finanziellen Nachteil in nicht unerheblicher Höhe zu. Ohne despektierlich erscheinen zu wollen, hier hätte selbst Franz Josef Strauß die Ohren angelegt. Völlig unverfroren zeigt Herr Kathrein mit solchen Drohungen seine wahre Gesinnung als gewählter Volksvertreter auf. "Wer bezahlt, schafft an" ist wohl die Devise. Irgendwie scheint ihm das demokratische Grundprinzip entgangen zu sein, und weil er nun mal nicht alleine anschaffen kann, dreht er halt den Geldhahn ab. Es bleibt abzuwarten, ob er nach der Verlagerung der Verwaltung nach Thansau Alleinherrscher im Gemeinderat Rohrdorf wird. Herr Kathrein hat sich mit seinen Äußerungen und Androhungen als Dritter Bürgermeister disqualifiziert. Als Politiker kann und muss es für ihn eine einzige Konsequenz geben: Rücktritt.

Birgit Jackson

Raubling

Es ist ein Gesetz des Lebens, dass wir Menschen unterschiedliche Interessen haben. Dadurch kommt es naturgegeben immer wieder zu Konflikten. Bei dem unseligen Projekt "Stuttgart 21" haben wir deutlich gesehen, wie derartige Konflikte eskalieren können und zum Nachteil aller Beteiligten führen. Allerdings zeigt das Projekt auch, wie mit Hilfe eines Mediators eine neue Perspektive eröffnet und deeskaliert werden kann. Warum lernen wir nicht aus den Fehlern anderer? Warum wird in "empfindlichen Situationen" nicht rechtzeitig ein Mediator eingeschaltet? Nämlich bevor das sprichwörtliche Kind in den Brunnen fällt? In einem Mediationsverfahren hätten im Vorfeld sämtliche divergierenden Wünsche und Bedürfnisse angesprochen werden können. Die Fronten hätten sich nicht verhärten müssen, und es hätten Lösungen erarbeitet werden können, die sowohl für die Rosenheimer Bürger als auch für Herrn Prof. Dr. Kathrein annehmbar gewesen wären. Ach ja, wenn das kleine Wörtchen "wenn" nicht wäre... . Schade, dass es jetzt zu diesem Zerwürfnis gekommen ist. Noch ist es nicht zu spät! Bleibt zu hoffen, dass sich die Beteiligten noch einmal an einen Tisch setzen, bevor wirklich alle Seiten verlieren.

Ilfat Braun

Verband für Konfliktlösung

und Mediation e.V.

Tuntenhausen

Nun zeigt unser allseits geliebter Toni (Prof. Dr. Anton Kathrein) sein wahres Gesicht. Ich meine damit nicht nur seinen Gesichtsausdruck (mit dem Hotelmodell in der Hand), der einem bockigen Buben ähnelt, dem man sein Lieblingsspielzeug gerade weg genommen hat. Viel zu lange schon beobachte ich das Spiel des edlen Gönners Kathrein mit den Verantwortlichen der Stadt Rosenheim und der Kommunen des Landkreises. Der Stadtrat hat in seiner gut begründeten Entscheidung das Wohl und die Interessen seiner Bürger zunächst vor die Eigenbedürfnisse ihres Dritten Bürgermeisters und Großinvestors gestellt. Respekt! Die Reaktion via Zeitungsinterview ist scheinbar unüberlegt und mehr als fragwürdig. Die angedrohten Konsequenzen wie "In Rosenheim tun wir nichts mehr" oder der angedachte Abzug der Verwaltung bestätigen mich in der Vermutung, dass Herr Kathrein bei seinem Demokratieverständnis die Bodenhaftung verloren hat und solche Drohgebärden eines Dritten Bürgermeisters unwürdig sind. Die Planung eines 100-Betten-Hotels als "Dreieinhalb-Sterne-Anlage" ist grundsätzlich sowohl von der Größe als auch von der Klassifizierung her begrüßenswert, nur vielleicht nicht an diesem schönen Platz am öffentlichen Badesee. Bei uns in der Gemeinde Aschau mit Sachrang wartet man längst sehnsüchtig auf einen Investor für ein Hotelprojekt, allerdings laut Bürgermeister und Tourismusverband im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich mit mindestens 100 Zimmern. Schade, das passt auch nicht.

Sebastian Pertl

Aschau

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates, können Sie noch ruhig schlafen? Mit dieser Unternehmerfeindlichkeit haben Ihre Wähler sicher nicht gerechnet. Zuerst schaffen Sie es, die Firma FUG aus Rosenheim zu vertreiben, und jetzt ist wohl Kathrein an der Reihe. Die Reaktion von Herrn Prof. Dr. Kathrein kann ich nur zu gut verstehen. Ohne Vorwarnung wird ein Stadtratskollege öffentlich abgewatscht. Nur um einem Unternehmer den Kampf anzusagen, plündern Sie nicht nur die städtische Kriegskasse, nein, Sie greifen auch noch den Steuerzahlern Ihrer Stadt in die Tasche und verschulden Rosenheim noch mehr. Parallel dazu haben Sie es geschafft, dass bei Kathrein am Standort Rosenheim kein Personal mehr aufgebaut wird. Herr Kathrein hat über Jahrzehnte Ausbildungsplätze in Rosenheim weit über Bedarf zur Verfügung gestellt. Er hat sogar zugesagt, die Zahl der Ausbildungsplätze für 2012 nochmals deutlich zu erhöhen. Diese Aktion, so vermute ich, wird natürlich gestorben sein. Ich hoffe, die Damen und Herren Stadträte nehmen dann die jungen Menschen an die Hand und gehen mit diesen auf Lehrstellensuche. Eines, liebe Räte, sollten Sie jedoch nicht vergessen: Sie sind nicht durch Gottes Gnaden an Ihre Ämter gekommen. 2014 tritt auch der Rosenheimer Wähler wieder an die Urne und wird Sie für Ihr Handeln, so hoffe ich, ordentlich abstrafen.

Alfred Thunig

Kolbermoor

Hat er dies im Ernst gemeint, unser Professor Dr. Kathrein, dass er die Verwaltung seiner Firma von Rosenheim weg verlagern und keine Neueinstellungen in Rosenheim vornehmen will, nachdem der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung entschieden hat, kein Hotel am Happinger See zuzulassen? Wie vereinbart Herr Kathrein so eine Aussage mit seinem Bürgermeisteramt und mit seinem Unternehmertum? Das sind offensichtlich zwei ganz unterschiedliche Welten. Der Stadtrat von Rosenheim beschließt in einer demokratisch durchgeführten Debatte mit dem Mittel des Vorkaufsrechts, einen Hotelbau am Happinger See zu verhindern. Einerseits steht das Demokratieverständnis unseres Dritten Bürgermeisters auf dem Prüfstand, zum anderen die Unternehmerentscheidung des Firmenchefs, die doch wohl nicht von einem Projekt abhängen sollte, das mit der Firma nicht das Geringste zu tun hat. Bei der berechtigten Empörung über die Reaktion des Dritten Bürgermeister Rosenheims Herrn Professor Dr. Anton Kathrein ist etwas unterbelichtet geblieben - das beachtliche Abstimmungsergebnis des Rosenheimer Stadtrates, den Happinger See als Erholungs- und Rückzugsgebiet für den Rosenheimer Bürger zu erhalten. Als altes Schulmeisterlein füge ich abschließend hinzu: "Aus Fehlern kann man lernen, auch im vorgerückten Alter, Herr Prof. Dr. Anton Kathrein."

Peter Stichaner

Rosenheim

Es ist immer wieder faszinierend, mit ansehen zu müssen, wie sich Geld dreist über demokratisch getroffene Entscheidungen und Belange der Allgemeinheit hinwegsetzt. Jüngstes - und grausiges - Beispiel: Anton Kathrein, pardon, Professor Dr. Dr. Anton Kathrein, Antennenbauer, Herr und Gott über zahlreiche Angestellte. Und Bürgermeister, Dritter, aber immerhin und hinreichend, um über demokratische Gepflogenheiten eigentlich halbwegs informiert zu sein. Aber nein, er will sein fettes Hotel partout dort haben, wo sich die arbeitende Bevölkerung erholt, in einem wunderschönen naturgeschützten Gebiet, das dann nur noch den Reichen und Schönen vorbehalten bliebe. Und so wie Arbeitgeber gemeinhin droht auch er, nun beleidigt, bei Widerstand mit dem probaten Erpressungsmittel von Arbeitsplatzverlusten. Lasst ihn ziehen - woanders benimmt er sich auch nicht besser...

Hans Ottomann

Stephanskirchen

Herrn Prof. Kathrein kenne ich schon seit vielen Jahren und damit auch sein unternehmerisches und soziales Wirken nicht nur im Stadt- und Landkreis Rosenheim. Dafür wurde er mit vielen Ehrungen und Orden belohnt. Dies ist unter anderem auch ein Grund, warum ich seine Reaktion auf die Entscheidung des Stadtrats von Rosenheim nicht verstehen kann. Schon gar nicht kann man seine Reaktion verstehen, wenn man weiß, dass er vom Vorkaufsrecht der Stadt Rosenheim für dieses idyllisch gelegene Stück Land wusste und es trotzdem erwarb, vermutlich, weil er schon damals den Bau dieser Hotelanlage im Hinterkopf hatte. Darum, Herr Prof. Dr. Kathrein, seien Sie ein Demokrat, der Sie immer waren und akzeptieren Sie staatsmännisch diese Entscheidung. Bleiben Sie der, den ich, und nicht nur ich, sondern viele, viele Menschen hier und anderswo kennen gelernt habe und wirken Sie so weiter wie bisher.

Josef Triebenbacher

Rosenheim

Das Rosenheimer Forum begrüßt die Entscheidung des Stadtrats, am Happinger See von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen! Die kommerziellen Interessen des Investors würden für die vielen Nutzer des Sees einen Verlust an Lebensqualität bedeuten. Hier wurde das öffentliche Interesse am Erhalt der Freizeitmöglichkeiten und des Zugangs zu einem schönen Flecken Natur für die Allgemeinheit verteidigt. Allerdings ist der Konflikt noch nicht beendet. Der Investor Prof. Kathrein, zugleich Dritter Bürgermeister der Stadt, akzeptiert den Vorrang des öffentlichen Interesses und den einstimmigen Beschluss des Stadtrats nicht und droht mit wirtschaftlicher und monetärer Vergeltung. Das Rosenheimer Forum hofft, dass der Stadtrat sich nicht erpressen lässt und bestärkt ihn und die Frau Oberbürgermeisterin in ihrer Haltung.

Dr. Hermann Biehler

Forum für Städtebau und Umweltfragen

Rosenheim

Dass Herr Kathrein über sein gescheitertes Hotelprojekt am Happinger See verärgert ist, kann man nachvollziehen, dass er aber mit dem Verlust von Arbeitsplätzen droht, erweist ihn als schlechten Verlierer und schlechten Bürgermeister. Dem Stadtrat jedoch gebührt ein dickes Lob für seine bürgerfreundliche Entscheidung, die die Eigenständigkeit dieses Gremiums gegenüber einer starken Wirtschaftsmacht beweist, was sicher nicht auf alle Gemeinden zutrifft. Gewinner dieser Entscheidung sind nicht nur Normalbürger, die sich kein Hotel dieser Kategorie leisten können, sondern auch die Natur, der ein solch überdimensioniertes Bauwerk in einem kleinräumigen Biotop erspart bleibt.

Helfried Wachter

Brannenburg

Mit großer Freude habe ich erfahren, dass der Stadtrat Rosenheim den Bau eines Hotels am Happinger See, wie es sich Herr Kathrein vorstellt, einstimmig abgelehnt hat. Bekannten, Freunden, Kollegen und den Badegästen geht es genauso. Sicher ist es wichtig, Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen, aber es gibt sicher andere Standorte dafür. Doch die Naherholung der Bürger unserer Region in unserer schönen Umgebung mit den öffentlich kostenfrei zugänglichen Seen ist mindestens genauso wichtig. Wer sieht, wie viele Bürger diesen See zur Erholung nutzen (Radler, Wanderer, Sportgruppen, Schwimmer, Kanuten, Angler, Rentner, Familien), freut sich, dass es so bleibt. Vielen Dank dem Stadtrat und weiter so!

Simone Römer

Rosenheim

Es sollte jedem klar sein, dass Herr Professor Dr. Kathrein eine herausragende Lebensleistung erbracht hat. Ein solcher Erfolg, gepaart mit einem Leben in der Öffentlichkeit, ist eine Herausforderung, aber auch eine Verpflichtung. Gesetze zu respektieren und demokratische Grundsätze zu achten, diese Verpflichtung hat Professor Dr. Kathrein wohl etwas aus dem Auge verloren. Gekränkt wie ein kleines Kind, versucht er zu drohen und zu erpressen, damit er sein Hotel doch noch bekommt. Mit der Drohung "Einstellungsstopp und Verlagerungen" bestraft er letztendlich nur die Menschen, denen er den Erfolg seiner Lebensleistung verdankt, seinen Arbeitern und Angestellten.

Ulrich Lapöck

Rosenheim

Vor etwa drei Jahren las ich in dieser Zeitung (bebildert mit Doppelstockzug und Gabriele Bauer) sinngemäß: "Wir sind (gemeint war der Doppelstockzug) in der Zukunft angekommen." Da habe ich laut gegrinst über ihre Bildungslücke, denn in der DDR fuhren diese schon vor Jahrzehnten. Ihre waren nur ein bissel moderner. Erschüttert war ich, als das Gerangel um Mercedes-Zentrum oder Kathrein ging. Rosenheim verlor an Raubling und an Niederndorf wertvolles Gewerbe. Macht weiter so. Ich glaube zwar, dass sich Herr Kathrein schon was zutraut, auch mal eine Hobby-Investition. Aber allein sein gesamtgesellschaftliches Engagement hätte in diesem Falle einen Kompromiss ermöglicht.

Dieter Winkler

Grassau

Hut ab vor den Rosenheimer Stadträten und ihrer Oberbürgermeisterin. Sie sind der beste Beweis dafür, dass die Demokratie in der Kommunalpolitik noch funktioniert und sich ein "Antennen-Anton" nicht alles und jeden kaufen kann. Ich bin übrigens nicht verwandt mit Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer - aber voller Bewunderung.

Uli Bauer

Prien

Anmerkung der Redaktion: Zum Streit um das Hotelprojekt am Happinger See erreichten uns auch Zuschriften ohne oder ohne vollständige Absenderangabe. Diese Beiträge können leider nicht erscheinen, da das OVB grundsätzlich keine anonymen Leserbriefe veröffentlicht.

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