Heiße Diskussion um US-Präsidenten

- Zur Diskussion um Ex-US-Präsident George W. Bush und seinen Nachfolger Barack Obama (Berichte und Kommentare im politischen Teil): Sicherlich kann es immer Verrückte geben, die das Rad der Geschichte aufhalten wollen.

Es spricht deshalb nur für die aus gemachter, leidvoller Erfahrung genährte Umsicht, Barack Obama intensiver und umfassender zu schützen als andere Präsidenten zuvor. Mit ihm beginnt ungleich mehr als eine neue Präsidentschaft in den USA. Im Falle eines Attentats, was Gott und nicht nur er verhindern mögen, wären die Umstände im Gegensatz zu J. F. Kennedys Ermordung jedoch von neuer Qualität. Es gäbe keine Vertuschung, wie nach dem Mord am 22. November 1963 in Dallas, keine zurückgehaltenen Zeugenaussagen, und es gäbe keine Theorie einer Zauberkugel, mit diesem absurden, ballistischen Kunststück eines Kurvenflugs und kein Geheimhalten der Untersuchungsberichte, bis alle Zeugen und «Involvierten» verstorben sind. Jetzt würde ganz Amerika in blanke Wut geraten, mit «Bestürzung zeigen» wäre es nicht mehr getan - zu Recht. Welche Wahnsinnigen auch immer sich mit Attentatsgedanken tragen: Dieser «Schuss» ginge buchstäblich nach hinten los. Denn heute steht, neben der längst überfälligen Erkenntnis, dass allen Menschen, welcher Hautfarbe auch immer, kein Amt verwehrt sein darf, mehr auf dem Spiel: Eine Neuordnung bisher gültiger, inzwischen überholter Systeme, politisch wie wirtschaftlich, ist zu meistern, und eine solche Neuordnung muss und kann nur von einer Großmacht wie den Vereinigten Staaten von Amerika ausgehen, von wo sie ihren Ausgang nahm.

Hans Finke

Ampfing

Die Bilanz von George Bush kann sich sehen lassen: Nach dem Einbruch durch den 11. September seit 2002 stetiger Anstieg des Inlandsbruttosozialprodukts bis zur Finanzkrise; zwischen 2000 und 2006 kräftige Reallohnzuwächse um neun Prozent (Deutschland 1,1 Prozent); Inflationsdurchschnitt 2,8 Prozent, durchschnittliche Arbeitslosigkeit 5,2 Prozent bis zur Krise (Deutschland acht Prozent in 2008). Die lange voraussehbare Finanzkrise zerstörte diese recht gute Entwicklung. Zur Außenpolitik: Bush marschierte mit seinen Verbündeten in den Irak ein - genauso wie Clinton ohne UN-Mandat im innerstaatlichen Kosovo-Konflikt - und eliminierte den von der Achse Frankreich-Deutschland-Russland indirekt gestützten Diktator Saddam Hussein. Der durch Waffen der Achse hochgerüstete gefährliche Diktator ist in seiner Expansionspolitik, siehe Iran und Kuweit, gestoppt. Seine Massenvernichtungs-Giftgasangriffe gegen den Iran und die Kurden im eigenen Land, seine allgemeinen Drohungen, diese einzusetzen, und die Position von «Chemie-Ali» in seinem Kabinett sowie das extrem grausame Staatssicherheitssystem sind damit Vergangenheit. Befreit, wählt das irakische Volk mit 70 Prozent Wahlbeteiligung unter Todesgefahr eine demokratische Regierung. Durch Aufstockung der US-Truppen und gewaltige Anstrengungen der Iraker selbst werden die Attacken der AlQaida und Religionsspannungen weitgehendst reduziert. Zum Ungemach vieler Pessimisten entwickelt sich der Irak zu einem freien demokratischen Land. Das Ziel ist erreicht, und Obama weiß sehr wohl, warum er Bushs erfolgreichen Verteidigungsminister im Amt behält. Außenpolitik Israel/Palästina: Keinem US-Präsidenten, weder Clinton oder Bush noch der EU, ist es gelungen, Frieden zu etablieren. Bushs Fehler: Zu zögernder Einsatz in der Zahl der Truppen am Anfang der Irak-Befreiung. Zu wenig politisches Showbusiness, zu wenig aufklärende Reaktion auf die stetigen Angriffe der fast durchwegs links gerichteten demokratischen Presse. Betreiben der Regierungsgeschäfte nach Wirtschaftsgesichtspunkten anstelle von politischen.

Walter Wieland

Prien

Es war schon ein beeindruckendes Schauspiel, die Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten. Deutsche Politiker und Massenmedien überschlugen sich geradezu vor Begeisterung über Obama. Für sie ist er wohl die Inkarnation des großen Manitu, der Hoffnungsträger der ganzen Welt, der Weltmeister aller Klassen, ein Medienstar, wie er im Buche steht. Andächtig schauten wir Deutschen zu, wie die Amerikaner ihren Präsidenten und ihr Land feierten. Niemand kann ihnen das verübeln - im Gegenteil, wir Deutschen können von der amerikanischen Nation lernen. Bei uns sind Begriffe wie Nationalstolz, Vaterlandsliebe oder Heimattreue Schimpfwörter, wer hier sein Transparent mit Sprüchen wie «Deutschland verrecke», «Deutschland halt's Maul» oder «Bomber Harris do it again» hochhält, der ist ein Held. Wenn der Bürgermeister einer ostdeutschen Kleinstadt jedoch sagt «Ich bin stolz, Deutscher zu sein», fordern grüne Spitzenpolitiker vehement: «Der Mann muss von seinem Amt zurücktreten.» Wenn die Medienvertreter Washington verlassen haben, dürfen auch unsere Politiker vor dem amerikanischen Freund oder gar Bruder im Geiste ihre Bücklinge machen und ihre Kriechspuren ziehen. Selbstverständlich werden sie dabei ihre Treueschwüre wiederholen: Amerika, geh du voran, wir folgen dir durch alle Kriege und Finanzkrisen, die du auslöst.

Hermann Belting

Hamm

Kommentare