Heftiger Streit um Boris Palmers Sprüche

Nicht zum ersten Malhat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) mit einer Wortmeldung seine eigene Partei gegen sich aufgebracht. dpa
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Nicht zum ersten Malhat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) mit einer Wortmeldung seine eigene Partei gegen sich aufgebracht. dpa

Zum Bericht „Grüne strafen Tübingens OB Palmer ab“, zum Kommentar „Boris Palmer droht Parteiausschluss: Die grünen Sensibelchen“ und zu anderen Berichten zum Thema (Politikteil):

Just zur Gedenkveranstaltung an die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29. April 1945 durch Soldaten der 7. US-Armee ließ der Grünen-Politiker Boris Palmer mit Senizid-, oder Gerontozidgedanken (Altentötung) aufhorchen, indem er äußerte: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.“ Über Jahrtausende gab es in verschiedenen Kulturen bis hin zum „Dritten Reich“ (Euthanasie) die Praxis, Menschen dann, wenn sie nicht mehr produktiv, krank oder behindert waren und eine Belastung für die Gesellschaft darstellten, zu töten oder einer Situation auszusetzen, wo sie einsam starben. Ein ungeheurer Gedanke und dies im Corona-Jahr 2020. Herr Palmer vergisst dabei: Jene Altersgruppe (Senioren), die er damit meinte, hat dieses total zerstörte Land nach einem verheerenden Weltkrieg aufgebaut, in dem ein Herr Palmer ohne Verfolgung und Zwangsrekrutierung für Kriegsdienste sicher leben kann. In einem Land, in dem die freiheitliche demokratische Grundordnung gilt, in dem jeder gut leben und sich frei entfalten kann. Politiker, welche mit solchen ungeheuren Aussagen Junge gegen Alte aufbringen, gehören nicht in die Politik. Aber hier müssten noch einige Politiker ihren Hut nehmen.

Adelbert Schömer

Rosenheim

Der Verfasser eines digitalen Wortbeitrages titelte: „Er hat es wieder getan!“. Gemeint war eine Meinungsäußerung Boris Palmers, Tübingens Oberbürgermeister. Nun war es beileibe ja nicht das erste Mal, dass sich Palmer in Ton und Wortwahl vergriffen hat. Diesmal fühlte er sich zu folgender Bemerkung veranlasst: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr (aufgrund ihres Alters) sowieso tot wären …“. Diese Äußerung ist nicht nur geschmacklos, sondern in höchstem Maße respektlos und herabwürdigend. Was wird wohl sein grüner Parteikollege und Ministerpräsident Kretsch mann, mit 72 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, zu dieser Bekundung sagen? Palmers Auslassung wird auch in keiner Weise durch die Tatsache einsichtig, dass deutschlandweit etwa 63 Prozent der durch Covid-19 gestorbenen Menschen mindestens 80 Jahre alt waren. Ich als Mitbürger, der ich auch in dieser Alterskategorie anzusiedeln bin, fühle mich von dieser Aussage zutiefst diskriminiert und entwürdigt. Wie viel Charakterlosigkeit muss in einem Menschen schlummern, um eine derartige Äußerung von sich zu geben? Herrn Palmers Geisteshaltung als die eines Misanthropen zu charakterisieren wäre zu bequem, ich finde sie schlicht weg flegelhaft. Fazit: Es folgen die üblichen Politikerfloskeln, die da lauten: „Ich wurde falsch zitiert“, „ich wurde falsch verstanden“ und „es waren missverständliche Äußerungen“. Ich halte es in dem Zusammenhang mit Gretchen im Faust: „Boris [Heinrich], mir graut’s vor dir“.

Manfred D. Fischer

Mühldorf

Sie haben in Ihrem Kommentar „unterschlagen“, dass die Grünen Boris Palmer vorwerfen, es gehe ihm nur um persönliche Profilierung. Gerade dieser Punkt schmerzt die Parteiführung so besonders, da ja Grünen-Politikern persönliche Profilierung so fernliegt. Man denke nur an Joschka Fischer und seine bescheidenen Auftritte, die von der Presse mühsam aufgemotzt werden mussten, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Oder Claudia Roth, die sich mit großem Aufwand und viel Herzblut zum unauffälligen grauen Mäuschen reduzierte und natürlich Robert Habeck, der jeder Fernsehkamera konsequent aus dem Weg geht und der sich nur widerwillig und unter Zwang in Talk-Shows schleppen lässt. Um dem Vorwurf persönlicher Profilierung zu entgehen, spricht Habeck dann Sätze ins Mikrofon, die solche Vorwürfe glänzend widerlegen. Ministerpräsident Kretsch mann lauert eingeschüchtert auf Signale, dass die Säuberungsaktion der Grünen-Parteiführung auch ihn vernichten will.

Martin Theurer

Schleching

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