Hängt das Wohl von Rindern davon ab, ob sie Hörner haben?

Zu „Respektvoller Umgang mit Tieren“ und „Das Wohl der Tiere“ (Bericht im Regionalteil und Leserbriefe der vergangenen Wochen):

Die Existenzangst, die Landwirte und Leserbriefschreiber belastet, ist nachvollziehbar. Viele kleine und mittlere Betriebe kämpfen ums Überleben, weil die Erzeugerpreise zu niedrig sind. Der Grund dafür sind die deutschen Handelsketten, Discounter und Supermärkte, die den Markt beherrschen. Mit den diktierten Niedrigpreisen locken sie die Konsumenten in ihre Geschäfte, die nicht nur Agrarprodukte kaufen. Die Folge, die Erzeuger müssen ihre Erträge über die Menge generieren, es kommt zur Massentierhaltung. Hühner in Käfighaltung haben ein DIN-A4-Blatt Platz, männliche Küken sind wertlos und werden geschreddert, Ferkel werden ohne Betäubung kastriert, ein Schwein muss nach sechs Monaten schlachtreif sein, was man nur mit Wachstumshormonen und Antibiotika erreicht, die Kuh von heute ist hornlos und so hochgezüchtet, dass sie die zehnfache Menge an Milch liefert im Vergleich zum Jahr 1960, die Kälber bekommen nicht die Milch vom Muttertier, sondern kostengünstigeres Futter. Die große Menge an Gülle verunreinigt das Grundwasser. Man spricht heute von der Agrarindustrie, in der die Tiere zu einer Industrieware heruntergekommen sind. Eine Achtung vor der Kreatur gibt es nicht mehr. So stellt sich die heutige Landwirtschaft dar, Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei den vielen negativen Berichten in den Medien über die Nutztierhaltung der Landwirtschaft war der Artikel über den Landwirt Ackermann, dessen Kühe noch Hörner haben dürfen, eine Wohltat.

Dagmar Breue

Heldenstein

Eine Leserbriefschreiberin, die sich gut mit Tieren auskennt, sagt, dass das Tierwohl nur dann zu 100 Prozent erfüllt ist, wenn die Rinder noch ihre Hörner tragen. Wenn die Tiere angebunden sind, sei das nicht so schlimm wie in einem Laufstall. Haben Sie schon einmal gesehen, wenn sich eine Kuh am Horn verletzt hat? Die haben Monate lang fürchterliche Schmerzen. Und manchmal muss man das Horn auch absägen, weil es nicht mehr heilt. Glauben Sie, das ist besser? Ich glaube auch nicht, dass Sie wissen, dass Rinder Rangtiere sind. Da ist nur ein Tier an erster Stelle, das sich diese Position erkämpfen muss. Die anderen stehen hinter ihm. In dem Moment ist es dem Tier egal, ob es sich verletzt oder nicht. Der Verbraucher will es doch so, dass wir die Tiere nicht mehr anbinden dürfen. Das macht es aber gefährlicher mit Hörnern. Deshalb ist das zum Schutz für Tier und Mensch.

Rosmarie Vorportner

Engelsberg

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