Güterverkehr bleibt auf Bestandsstrecke

Die neue Brennerstrecke soll Verkehr von der überlasteten A8 auf die Schiene bringen. dpa
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Die neue Brennerstrecke soll Verkehr von der überlasteten A8 auf die Schiene bringen. dpa

Zum Artikel „Das ist keine Bestandsstrecke – das ist eine Neubaustrecke“ (Regionalteil):

So wie die Kirche im Dorf bleiben soll, so muss auch der Bahnhof dort bleiben, wo die Menschen wohnen oder hingelangen wollen. Bei den aktuellen Diskussionen um den Bau von Neubaustrecken oder den Ausbau der Bestandsstrecke wird diese Anforderung der Menschen in der Region gerne vergessen oder ignoriert. Die Pläne der Bahn sehen vor, die Bestandsstrecke bei Ostermünchen oder Brannenburg mitsamt Bahnhof zu verlegen. Ebenso finden sich solche Vorschläge in der neuen Vieregg-Rössler- Studie, die einen Ausbau der Bestandsstrecke zum Teil mit Umgehungen vorschlägt, aber dabei auch eine Verlegung von Bahnhöfen anregt, auch den von Großkarolinenfeld. Wenn die Region Rosenheim schon Opfer für den Durchgangsverkehr bringen soll, so darf sie nicht noch zusätzlich dadurch Schaden nehmen, dass die heutige Erschließung unserer Ortschaften mit Schienen-Personennahverkehr-Anschlüssen verloren geht. Die Regionalzüge müssen auch weiterhin als Stadtbahn durch die Ortschaften fahren können und dort halten, und nicht mehrere Kilometer außerhalb an der „Umgehungs-Trasse“. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, eine Umgehungsstraße zu bauen, und dann die bestehende Straße eliminieren. Zurückbauen ja, oder auch verkehrsberuhigen, aber nicht zuschütten. Diese Anforderung muss von allen Kommunalpolitikern immer wieder zu Gehör der Planer gebracht werden, ansonsten geht das einfach unter. In Baden-Württemberg werden für eine Erschließung mit Stadtbahnen zusätzliche Gleise in die Siedlungsgebiete gelegt, um für eine bessere SPNV-Anbindung zu sorgen. In unserer Region passiert gerade das Gegenteil, wenn wir nicht aufpassen. Das wäre wahrhaft ein Schildbürgerstreich.

Dr. Willi Messing

Bad Aibling

Die Berichte über die Vorwürfe diverser CSU-Politiker aus der Stadt Rosenheim und anderen Orten sowie von Politikern wie dem Bürgermeister von Großkarolinenfeld an der Vieregg-Rösler-Studie, dem Brennerdialog und Landratskandidat Rainer Auer zeigen für mich, wie schwach die CSU inhaltlich aufgestellt ist. Anstatt sich kritisch und kons truktiv mit dem Bedarf für ein drittes und viertes Gleis zu beschäftigen, fällt der CSU so kurz vor der Kommunalwahl nichts besseres ein als Kritik zu üben. Kritik an denjenigen, die nicht wie viele der CSU-Politiker obrigkeitsgläubig sind und sich nicht trauen, eine eigene kritische Meinung zu entwickeln. Es sieht so aus, als ob die allgemeine Flaute der Ex-Volkspartei zur Panik innerhalb der CSU führt. Der wachsende Zuspruch für diejenigen, die sich kritisch und mit Alternativvorschlägen gegen die brachiale Zerstörung unserer Heimat einsetzen und verhindern wollen, dass Steuergelder in Milliarden-Höhe verschwendet werden, ist ein Indiz dafür, dass die CSU sich mit ihrer Verblendungsstrategie („macht Euch keine Sorgen, es wird alles untertunnelt“) in die Sackgasse manövriert hat. Die Tatsache, dass sich viele dieser kritischen Bürger bei den Parteifreien engagieren, schmeckt der CSU gar nicht. Wenn man keine klaren Positionen bezieht, ausweicht und sich in Politikerfloskeln verliert, kann man auch nicht damit rechnen, dass man dafür mit dem Wählervotum belohnt wird. Es hätte einer Partei wie der CSU sicher besser zu Gesicht gestanden, sich klarer für die Heimat und gegen ein drittes und viertes Gleis zu positionieren.

Torsten Schüssler

Stephanskirchen

Noch rechtzeitig vor der Kommunalwahl lassen die Trassengegner die Katze aus dem Sack. So lange andere Kommunen betroffen sind, ist alles nicht so schlimm. Dass bei der sogenannten Rössler-Studie auch zwei Drittel neu gebaut werden müssen, wird tunlichst verschwiegen. Findet ja auch auf der westlichen Seite des Inns statt. Tangiert uns nicht.

Karl Mehltretter

Raubling

Vor langer Zeit hat die CDU/CSU mehrheitlich die Deutsche Bahn (DB) beauftragt, den Brenner-Zulauf durch das bayerische Inntal zu planen. Seit Auftragserteilung beobachten die Betroffenen die Entwicklung, mit teils kuriosen Fakten: Joghurt kommt aus Italien und macht den Betrieb von Danone entbehrlich. Güterzugweise Holztransporte nach Süden sind für Bayern verlorene Arbeitsplätze. Mit neuen Pkws beladene Güterzüge, der eine aus dem Süden, der andere aus dem Norden, begegnen sich in Österreich. Durch zunehmenden Einsatz von erneuerbaren Energien fallen zukünftig immer mehr Kesselwagentransporte weg. Wenn sich die Politik irgendwann besinnt, der heimischen Landwirtschaft zu auskömmlichen Standortbedingungen zu verhelfen, können auch die Billigimporte aus dem Süden weitgehend entfallen. Unabhängig davon: Eine entscheidungsrelevante Güter-Transport-Analyse wurde bisher nicht bekannt. Die Entscheidungsgrundlage fehlt, möglicherweise ist sie auch bereits längst entfallen. Alle Beteiligten, besonders diejenigen, deren Existenz gefährdet ist, werden begrüßen, wenn dieses unsägliche, umweltzerstörende, betriebswirtschaftlich schädliche Projekt beendet wird. Wenn eine Autobahn und eine zweigleisige Bahnstrecke mit erheblichem Verbesserungspotenzial und Kapazitätsreserven bei gleichzeitigem Aufgabenverzicht immer noch nicht reicht, steht auch noch der Rhein-Main-Donau-Kanal (RMK) von Aschaffenburg bis Passau zur Verfügung, der nicht eilbedürftige (Massen-)Güter problemlos und kurzfristig transportieren kann. Neben allen Vorteilen würde der Steuerzahler viele Milliarden Euro sparen. Ob nicht allein dieser Fakt ausreichen sollte? Es wäre Sofortaufgabe der Politik (in Berlin), die Deutsche Bahn (DB) wegen Wegfall der Geschäftsgrundlage von ihrem Planungsauftrag wieder zu entbinden.

Dr. Max-Georg Schütte

Oberaudorf

Zu jammern, dass neu gebaut werden soll, statt neu zu bauen, ist erst einmal schon sehr komisch. Wenn man aber dann noch Ponys und den heiligen Leonhard zur Hilfe holt, aber verschweigt, dass nach einem Neubau einer Hochgeschwindigkeits-Trasse praktisch der gesamte Güterverkehr auf dem alten Gleis bleiben und durch den Ort fahren wird, da hat der Spaß ein Loch! Die geplante neue Trasse mit Gleis drei und vier ist eine reine Personenverkehr-Trasse – der Güterverkehr bleibt auf der alten Strecke! Schaut’s doch einfach nach Tirol oder in den Thüringer Wald! Bernhard Eckert

Stephanskirchen

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