Grundrechte sind eingeschränkt, aber nicht aufgehoben

Zum Beitrag „Unmoralische Anfragen an Friseure“ (Bayernteil):

Am 20. Januar berichtete das OVB, dass sich ein Vertreter des Innungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks über „unmoralische Anfragen“ von Verbrauchern – nicht Kunden – entrüstet, die sich nach der Möglichkeit eines Haarschnitts erkundigen. Eine Anfrage kann per se nicht unmoralisch sein. „Unmoralisch“ (besser: rechtswidrig) wird es erst dann, wenn der Friseur das Angebot annimmt und in Schwarzarbeit tätig wird. Schwarzarbeit liegt nur dann vor, wenn er ohne Rechnung arbeitet und die fälligen Sozialarbeiten (Beiträge?) nicht abführt. Er könnte doch aber, um alle Besorgnisse des genannten Verbandsvertreters zu zerstreuen, seine so erzielten Einnahmen ohne weiteres über sein Ladengeschäft abrechnen. Will man ihm von vornherein unterstellen, dass er das nicht korrekt tut? Übrigens: Wie schafft es Herr Söder (oder Frau Merkel) stets mit geschnittenen und gefärbten Haaren aufzutreten? Wo doch das Haarschneiden auch im häuslichen Bereich verboten sein soll. Das liefe in der Tat auf ein Berufsverbot hinaus.

Unser Grundgesetz kennt zwar Einschränkungen von Grundrechten, wie wir sie zur Zeit erleben, nicht aber deren Aufhebung. Auch Artikel 12 des Grundgesetzen gehört zu diesen unveräußerlichen Grundrechten. Es ist bedauerlich, wenn eine offenbar inkompetente Verbandsvertretung ihre Mitglieder in solch einer absurden Weise vertritt. Sie hat auch übersehen, dass in den Jahren nach dem Krieg die Friseure – mangels anderer Möglichkeiten – in die Häuser zu den Familien kamen. Schwarzarbeit damals schon? Aber das ist ja so lange her! Könnten wir doch immer wieder einmal aus unserer Vergangenheit lernen. Das würde zu mehr Gelassenheit führen und uns medialen Unsinn ersparen.

Götz Busse

Zangberg

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