Grotesker Vergleich

Zum Leserbrief von Karl-Georg Fritz: „Arco wollte Schlimmeres verhindern“:

Herr Fritz behauptet, dass Graf Arco von Valley mit der Ermordung Eisners Schlimmeres verhindern und die sozialistische Räterepublik beenden wollte, deren Vorbild, die russischen Kommunisten, wenige Monate zuvor die Zarenfamilie ermordet hatten. Das ist ein sehr erstaunlicher Befund, da Kurt Eisner, der erste Ministerpräsident des Freistaates Bayern, am 21. Februar 1919 ermordet wurde, die sozialistische Räterepublik aber erst am 7. April 1919 ausgerufen wurde. Eisner selbst war kein Verfechter einer dauerhaften Macht der Räte, was folgende Äußerung von ihm belegt: „Die Revolution ist nicht die Demokratie. Sie schafft erst die Demokratie.“ Der Vergleich mit den russischen Kommunisten ist also absolut grotesk, ebenso der Verweis auf die Ermordung der Zarenfamilie: Der ehemalige bayerische König Ludwig III. war weder mit seiner Familie inhaftiert noch drohte seine Ermordung. Einen antiroyalistischen Racheakt befürchtete Ludwig bezeichnenderweise erst wegen der Ermordung Eisners! Am 12. Januar 1919 ließ Eisner übrigens Landtagswahlen in Bayern durchführen (freie Wahlen und russische Kommunisten passen auch nicht besonders zueinander), bei denen Eisners USPD eine krachende Niederlage erlitt. Eisner war auf dem Weg in den Landtag, um seinen Rücktritt(!) zu erklären, als er heimtückisch von hinten niedergeschossen wurde. Ich verstehe auch nicht, inwiefern eine Charakterisierung Alois Lindners, des selbst ernannten Rächers Eisners, dem Glanz Eisners abträglich sein sollte. Ist Eisner noch nach seiner Ermordung für die Taten anderer verantwortlich? Eine letzte Frage hätte ich noch: Wie kann sich Herr Fritz ernsthaft da rüber beschweren, dass nur noch einseitige Meinungsbildung opportun sei, wenn er doch seine konträre Sicht der Dinge in zwei Leserbriefen darlegen konnte?

Bernward Schmidt

Prutting

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