Großer Wirbel um kleines Stück Haut

Zur Diskussion um die Beschneidung (Politikteil, Leserbriefe):

Konrad Breitrainer hat in seinem Leserbrief klar gestellt, dass die Beschneidung ein Verstoß gegen das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit und damit ein grobes Unrecht ist. Weder Religionsfreiheit, noch religiöses Brauchtum, noch Elternrecht und auch kein Gesetz können dieses Unrecht zu einem Recht machen. Christliche Politiker, die ihr vielbeschworenes christliches Menschenbild nicht als nur bloßes Lippenbekenntnis behandeln, dürf(t)en ein solches Gesetz auf keinen Fall beschließen. Religionsfreiheit beschützt die Rechte der einzelnen Person und einer religiösen Gemeinschaft, berechtigt aber niemand, in die religiöse Freiheit einer anderen Person, zum Beispiel durch die Beschneidung, einzugreifen. Meines Erachtens ließe sich dieses Problem ganz einfach lösen: Das Verfassungsgericht hat zum abscheulichen Verbrechen (Vatikanum II) der Abtreibung gesagt, dies sei "Unrecht, aber straffrei". Wenn das so einfach geht, müsste das doch bei der relativ harmlosen Beschneidung erst recht möglich sein. Damit würde auch eine Bestimmung des Grundgesetzes eingehalten, in der es heißt: "In keinem Fall darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden." (Artikel 19,2)

Thaddäus Weindl

Raubling

Es hat es tatsächlich einmal einen bayerischen Minister gegeben, der öffentlich verkündete, dass er nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen könne. Goldene Zeiten. Der kannte wenigstens noch das Grundgesetz. Was unser Ethikrat zur Beschneidung von muslimischen und jüdischen Jungen in Deutschland veröffentlicht, grenzt dagegen schon an verfassungsfeindliche Äußerungen. Gilt das Grundgesetz oder gilt es nicht? Oder nur unter Auflagen? Werden die Menschenrechte von uns nur am Hindukusch verteidigt? Artikel 1 und Artikel 2 des Grundgesetzes stellen die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit auf einen ganz hohen Verfassungsrang. Da gibt es keinen "rechtspolitischen Notstand", da gibt es keine "Pflicht zur besonderen Sensibilität" für jüdische Traditionen. Da gibt es nur ein Menschenrecht und die Priorität des Kindeswohls, egal, was in anderen Staaten geschehen mag. Warum muss die Beschneidung so früh stattfinden? Weil die Kinder sich nicht wehren können? Sollten Sie nicht später selbst entscheiden dürfen, welche Rituale sie zulassen wollen? Grundrechte gelten auch für Kinder. Dass Muslime und Juden auf ihre Traditionen bestehen wollen, ist verständlich. Aber verfassungskonform ist das nicht.

Fried Schmidt

Mühldorf

Wie kann man sich über dieses religiöse Ritual der Juden und Moslems so aufregen, indem man es als Akt der Körperverletzung beziehungsweise als Verstümmelung an Minderjährigen bezeichnet? Man übertreibt mit der Behauptung, die Minderjährigen würden fürchterliche Qualen dabei ausstehen. In Wirklichkeit ist es ein nützlicher und harmloser chirurgischer Eingriff. Die Beschneidung verfolgt einen gesundheitlichen und religiösen Inhalt und hat mit körperlicher Verstümmelung nichts zu tun. Man entfernt am Penis an der Eichel ein Stückchen Vorhaut, damit die Eichel frei ist. Sonst sammelt sich unter der Vorhaut Sekret, was zur Folge bei Unsauberkeit Entzündungen hervorruft. Nicht selten kommen Buben mit Vorhautverengung zur Welt, dann ist eine Beschneidung obligatorisch. In unserem Land herrscht Religionsfreiheit. Warum soll dieses nützliche und für die Juden und Moslems unverzichtbare Religionsritual verboten werden?

Egon Zachert

Prien

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