Großer Unmut über Gerichtsurteil

Unmengen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Weil ein Rentner in Neumarkt-St. Veit nach Essen in einem Müllcontainer eines Lebensmittelmarktes gesucht hatte, verurteilte ihn ein Gericht zu einer Geldstrafe. dpa
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Unmengen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Weil ein Rentner in Neumarkt-St. Veit nach Essen in einem Müllcontainer eines Lebensmittelmarktes gesucht hatte, verurteilte ihn ein Gericht zu einer Geldstrafe. dpa

Zum Artikel „Im Müllcontainer nach Essen gesucht“ im Regionalteil:

Als ich diesen Bericht gelesen habe, konnte ich es erst gar nicht glauben. Ein Rentner, 78 Jahre, dem nur 300 Euro zum Leben bleiben, wird zu 200 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er in der Mülltonne eines Lebensmittelmarktes in Neumarkt-St. Veit genießbare Lebensmittel gesucht hat! Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es bei uns im reichen Deutschland so etwas gibt. Es ist eine Schande für dieses (reiche?) Land, dass sich Rentner vor lauter Hunger ihr Essen in Mülltonnen suchen müssen. Und dann wird er vom Amtsgericht Mühldorf auch noch zu 200 Euro Geldstrafe wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls verurteilt. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, auch wenn sie nur den Pass weggeworfen haben, wird pro Monat der Betrag von 5000 bis 6000 Euro in Deutschland ausgegeben. Aber für einen armen Rentner, dem nur 300 Euro zum Leben bleiben, ist anscheinend kein Geld vorhanden. Obwohl sich der Staat hier sicher sein könnte, dass dieser Rentner keinen Terroranschlag in Deutschland verübt. Wo ist hier der Aufschrei der „Gutmenschen“, die auf dem Münchner Hauptbahnhof mit „Welcome-Schildern“ standen? Dieser Rentner sollte vielleicht mit unserer „Bundes-Mutti“ Merkel ein Selfie machen – aber mangels Smartphone könnte er es ja nicht ins Internet stellen, sodass es um die ganze Welt geht. Viele Leser werden der Meinung sein, dass es hier dem Staatsanwalt und dem Richter etwas an Menschlichkeit und Fingerspitzengefühl gefehlt hat. Denn Hunger kennt keine Grenzen, vor allem, wenn die Grenze nur ein paar Büsche darstellen. Aber der Rentner kann ja glücklich sein, dass er seine schwere Straftat nicht in Afghanistan begangen hat. Dann wäre ihm vermutlich nach der Scharia die Hand abgehackt worden. Da hat doch der Rentner mit einer Geldstrafe von 200 Euro noch so richtig Glück gehabt, oder?

Johann Knidlberger Oberbergkirchen

Es ist wirklich ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Schon schlimm genug, dass so viele Lebensmittel bei uns im Müll landen und nicht verwertet werden. Aber dann noch jemanden bestrafen, der sich vielleicht aus Not etwas zu essen besorgen muss, ist eine große Schande. Was sind das bloß für Leute, die so etwas veranlassen? Es gibt wahrlich Schlimmeres als Mülldiebstahl. Lieber wird etwas weggeschmissen, als es jemandem (kostenlos) zu überlassen. Und das ist in vielen Bereichen so. Warum vergönnt man einem anderen nichts mehr, auch wenn es für einen selbst keinen Nutzen mehr hat? Geht es nur noch um Profit und Gewinn? Vielen Rentnern in unserer schönen Gesellschaft geht es schlechter als irgendeinem Asylbewerber, der zu uns kommt, dem alles bezahlt wird. Die brauchen sich ihr Essen nicht im Abfall suchen. Da sollte sich mal etwas ändern. Ich sage nur: armes reiches Deutschland.

Hans LichteneckerMühldorf

Bei dieser Gerichtsentscheidung drängen sich mir drei Fragen auf: Warum eine Anzeige seitens der Geschäftsführung? Will eine Gesellschaft so ihr Recht? Lieber bestrafen als helfen? Peanuts sind eben keine Peanuts, wenn die Relationen für diesen Begriff verwaschen werden. Business as usual.

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