Gesellschaft wird immer mimosenhafter

Zum Artikel „Unbekannter wirft Stinkbombe in Neu-Ulmer Disko“ (Bayernteil):

Es ist zwar nur ein kleiner Artikel, aber, dass wegen des Werfens einer Stinkbombe in einer Neu-Ulmer Diskothek jetzt Ermittlungen wegen „versuchter gefährlicher Körperverletzung“ eingeleitet wurden, ist unglaublich. Um Gottes willen! Wegen einer Stinkbombe? Zu meinen Jugendzeiten in Stuttgart haben meine Kumpels und ich sowas Ähnliches als „Dummejungenstreich“ immer mal wieder gemacht und uns dann halb „scheps“ gelacht.

Wenn man erwischt wurde, hat man einen deftigen „Anschiss“ von den Erwachsenen bekommen, was natürlich gerechtfertigt war. Aber es wäre niemand auf die Idee gekommen, die Polizei zu rufen, geschweige denn, so etwas als Offizialdelikt zu verfolgen.

Die Gesellschaft wird immer mimosenhafter. Das zeigt sich auch bei der Sprache. Heute kann keiner mehr ein paar heftigere Worte vertragen. Wenn man heute das „Götz-Zitat“ verwendet, bekommt man eine Beleidigungsklage an den Hals. Oder wenn ein Rainer Brüderle in weinseliger Stimmung einer Frau sagt, dass sie ein Dirndl ausfüllen kann, durchläuft er ein Spießrutenlaufen wegen sexueller Belästigung. Früher hätte so manche Frau das vielleicht sogar als Kompliment genommen. Nicht falsch verstehen: Echter sexueller Missbrauch steht nicht zur Debatte und ist strengstens zu bestrafen, aber dass jeder dumme Spruch heute zur Diskriminierung hochstilisiert wird, ist für mich Hysterie pur.

Manfred Altmann

Rosenheim

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