Das Geschäft mit den Tieren

Zum Bericht „Proteste gegen Massentierhaltung bei Tönnies“ und zum Bericht „Klöckner stellt die Systemfrage“ (Politikteil):

Die Bundeslandwirtschaftsministerin kann einem schon ein wenig Leid tun. Ministerinnen und Minister vor ihr haben es in den letzten vier Jahrzehnten nicht geschafft, in Sachen Werkverträge und Tierwohl, das auf die Beine zu stellen, was den jetzigen Zustand des organisierten Systems hätte verhindern können. Ein Fleischgipfel soll es jetzt richten. Das Fleisch soll nun teurer werden, weil in Deutschland sowieso zu viel Fleisch gegessen wird. Nur, sehr geehrte Ministerin, das sind untaugliche Argumente für die Problemlösung. Was auf dieser Erde in Sachen Fleisch und Preise geschieht, entzieht sich Ihrem Einfluss. Das entscheiden nämlich internationale Fleischbörsen. Machtlos indes ist die Ministerin nicht. Nur der Lösungsweg wäre ein anderer. Als Fleischkonsument mit zwei Fleischgerichten die Woche und fast täglich Wurstbroten bemerke ich beim Fleisch schon Unterschiede. Sowohl beim Geschmack wie auch im Ergebnis nach der Zubereitung. Damit meine ich die Qualität des Fleisches. Und ich glaube, für den Unterschied sind die Umstände der Tierhaltung und der Tierernährung maßgeblich. Ich hoffe, dass dieser Unterschied auch in Laboranalysen nachweisbar ist. Und wenn dem so ist, müssen Mindeststandards für Fleisch her. Das sogenannte Billigfleisch, also Qualitäten unterhalb dieser Standards, darf in Deutschland nicht produziert oder als Importware in den Handel gebracht werden.

Klaus Bleyl

Bad Feilnbach

Durch die Corona-Krise und den Infektionsausbruch in den Schlachthäusern ist auch das Thema Billigfleisch wieder aktuell. Jetzt wird an den Werkverträgen der Arbeiter rumgebastelt, um Handlungsbereitschaft zu zeigen, doch dazu hätte es schon früher Anlass gegeben. Und es wird eine „Tierwohlabgabe“ diskutiert. Es wird viel geredet, aber wenig geschehen. Das Problem sind nicht die Arbeiter, die kennen ihre Arbeitsbedingungen und können selbst entscheiden. Das Problem ist das System Kapitalismus, das zu Ausbeutung und Quälerei von Tieren und einhergehend zur Zerstörung der Natur führt. Bei Massentierhaltung kann es keine artgerechte Haltung und somit auch kein Tierwohl geben. Der Fleischindustrie und den Politikern geht es um Umsatz und Profit, da hat Mitleid und Erbarmen keinen Platz. Es geht hier aber nicht um eine Ware, sondern um Tiere mit Gefühlen, Sinnen und Seele. Doch das scheint den verantwortlichen Politikern gleichgültig zu sein. Aber sie können es sich erlauben, denn sie werden wieder gewählt.

Bernhard Entner

Bad Aibling

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