Gendersternchen und die Frage der Gewöhnung

Zum Artikel „Mannomann“ auf der Seite „Kultur & TV“:

Der Duden soll traditionell den jeweiligen Ist-Zustand der deutschen Sprache darstellen. Wenn er Sprachentwicklungen wiedergibt, die noch nicht einmal abgeschlossen zu sein scheinen, verfehlt er seine bisherige Zielsetzung. Und vermeintliche Entwicklungen gar zu forcieren ist vollkommen unangebracht. Begriffe wie „Gästin“ oder „ Bösewichtin“ gehören nicht zum normalen Sprachgebrauch und wirken einfach nur lächerlich.

Dr. Klaus Carsten

Bernau

„Jahrhunderte lang war klar, ein Mieter ist ein Mensch der etwas gemietet hat.“, heißt es in dem Beitrag. Vor 100 Jahren war es Frauen nicht erlaubt, etwas zu mieten und mit „Mieter“ sehr wohl nur ein Mann gemeint. Sie zitieren Ursula Bredel: „Wenn ich eine Autorin, eine der wichtigsten Schriftstellerinnen nenne, ist das ein viel kleineres Lob als zu sagen: Sie ist einer der wichtigsten Schriftsteller.“ Ein noch größeres Lob wäre für diese Autorin, eine der wichtigsten Schriftsteller:innen, oder eine der wichtigsten Schriftstellenden zu sein. Der folgende Satz ist ebenso problematisch: „Denn im zweiten Fall wird die Autorin mit allen Schreibenden verglichen.“ Unserer Meinung und der des Dudens nach, wird diese Autorin in diesem Satz zu einem Mann. Auch für die Beispiele von Angelika Wöllstein haben wir Lösungsvorschläge: Statt „Ist ein Arzt an Bord?“ könnte man nach einem Arzt oder einer Ärztin fragen. Statt „Bürgernah“ könnte man „Volksnah“, oder den Begriff gendern und „Bürger:innen“ verwenden. „Mieterschutz“ könnte man „Mieter:innenschutz“ schreiben. Auch hat nicht der Duden hat die gendergerechte Sprache erfunden, sondern hat sich, nachdem viele ernsthafte Debatten darüber geführt worden sind, dem Wunsch nach einer gerechteren Sprache angeschlossen. Wir finden, dass die „abenteuerlichen Kreationen“ wie „Gästin“ gerne Einzug in unseren Sprachgebrauch finden sollten. „Bösewichtin“ ist auch unserer Meinung nach nicht sonderlich abenteuerlustig, jedoch könnte man auch andere Begriffe verwenden. Auch gendern ist Gewöhnungssache. Hat man sich einmal dran gewöhnt, kommen einem jetzt noch so „abenteuerliche Kreationen“ nicht mehr so abenteuerlich vor und als Schaffner*in ruft man ganz ohne darüber nachzudenken nach einem Arzt oder einer Ärztin.

Josephine Jägerund Milena Hoffmann

Prien

Kommentare