Genau hinschauen

Zum Interview„Zieht die Samthandschuhe aus“ mit Daniela Ludwig (Politikteil):

Kein Zweifel: Gegen den Import von Heroin und Kokain muss Europa noch aktiver vorgehen. Genauso gefährlich, suchterzeugend und zerstörerisch sind aber auch synthetische Drogen wie Crystal Meth. Sie werden mitten in Europa hergestellt, etwa in unserem Nachbarland Tschechien. Die Drogenbeauftragte könnte also sofort mit ihrer Arbeit „ohne Samthandschuhe“ gleich vor unserer Türe beginnen!

Wer den Kampf gegen die Drogen gewinnen will, muss die Armut in den Herkunftsländern bekämpfen. In Mexiko und Kolumbien treibt die Armut den kriminellen Drogenbanden die Mitglieder zu. Täglich sterben Menschen im Kampf zwischen Polizei und Drogenbanden. In Afghanistan haben die von den Drogenbeauftragten gescholtenen afghanischen Polizisten und Soldaten in den Jahren, in denen ich mich mit diesem Land beschäftigen durfte, jeden Tag unter Einsatz ihres Lebens Mohnfelder niedergebrannt. Der Vorwurf, hier würde nichts passieren, läuft also völlig ins Leere. Tatsache ist aber auch, dass der Mohnanbau oft die einzige Möglichkeit für arme afghanische Bauern ist, ihre Familie zu ernähren. Terroristen wie die Taliban oder kriminelle Clans nutzen diese Abhängigkeit. Liefert der Bauer keinen Mohnsaft, werden junge Männer aus der Familie zwangsrekrutiert.

Der Krieg in diesem geschundenen Land dauert nun schon über 40 Jahre. Ich persönlich habe meinen Optimismus bezüglich des Einsatzes dort verloren. Zu den Fehlern gehört auch, dass es zu wenig wirkliche Alternativen für den Mohnanbau gibt. Für Safran und Rosenwasser fehlt der Markt. Drogenpolitik darf nicht eine Unterabteilung der Innenpolitik sein. Man muss schon etwas genauer hinsehen. Mir fehlte eine Strategie für die Opfer. Oder zur Droge Alkohol. Enttäuschend!

Angelika Graf

Rosenheim

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