Gelten Vorschriften nur für „normale“ Leute?

Bei der Pressekonferenz vor dem viel kritisierten „Arbeitsessen“: die scheidende Vizepräsidentin Eva Schichl, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Schichls Nachfolger Frank Hellwig (von links).
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Bei der Pressekonferenz vor dem viel kritisierten „Arbeitsessen“: die scheidende Vizepräsidentin Eva Schichl, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Schichls Nachfolger Frank Hellwig (von links).

Zu den Berichten „Besprechung oder Schlupfloch“ und „Mehr als unglücklich“ (Regionalteil):

Ich bin 64 Jahre alt und seit Dezember im Ruhestand. Als ich mich im Oktober verabschiedete, wurde aufgrund der Pandemie auf eine Feier verzichtet. Ich dachte immer, es kann nicht schlimmer werden, aber man wurde eines Besseren belehrt. Natürlich ist feiern schön und wir alle würden es gerne tun. Tja, wir sind ja auch keine Obrigkeiten und müssen deshalb darauf verzichten. Wie kann es denn sein, dass sich sogenannte „Führungskräfte“ über Anordnungen hinwegsetzen? Innenminister Joachim Herrmann und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März fanden ein Drei-Gänge-Menü mit Bedienung normal und titulierten es als „Arbeitsessen“. Ich werde jetzt meine drei Kinder und sieben Enkelkinder einladen zu einem „Arbeitsessen“ bezüglich der Gartengestaltung im Frühjahr! Geht’s eigentlich noch? Wir sollen uns an die Lockdown-Bestimmungen halten. Gelten Regeln nur für Normalos? Schämen sollten sich die Herrschaften, und sich bei den Toten – ach ja, ich vergaß, es kommen ja noch Tausende dazu, weil wir die Bestellung des Impfstoffes verschlafen haben – nachträglich entschuldigen.

Anton Mock

Rohrdorf

Wir alle haben derzeit eine schwierige Zeit zu überstehen. Was aber unsere Politiker daraus machen, ist schamlos. „Anders Denkende“ werden denunziert. Wer nicht spurt, dem wird die Polizei geschickt – siehe einige Geschäfte. Der Gipfel dann unser bayerischer Innenminister ...mehr sog i ned. Haben unsere Politiker gar kein Schamgefühl mehr? Die haben alle auf die Verfassung geschworen. Vielleicht sollte man alle Politiker mal auf ein Ethikseminar schicken, aber wo kein Schamgefühl da ist, kann man auch nichts erwecken.

Andreas Neureither

Beyharting

Es ist wirklich erstaunlich, dass in so einer ernsthaften Lage immer noch solche Treffen stattfinden. An Ignoranz ist dies nicht zu übertreffen. Man möchte meinen, die Regeln gelten für bestimmte Personenkreise gar nicht und man kommt sich als regelkonformer Bürger wirklich veräppelt vor. Die Betroffenen möchten eine Gaudi haben, ein gemütliches Zusammensein, eine simple, absolut unnötige Verabschiedung feiern. Dies finde ich – und sicher viele andere – gar nicht lustig und nicht angebracht. Ganz zu schweigen vom Drei-Gänge-Menü, das macht dann aber auch nichts mehr aus. Bitte nutzen Sie die erstklassigen Videosysteme, die es von vielen Anbietern gibt und ausgefeilt und gesichert sind und sogar vor Hackern geschützt sind. Ausreden gibt es schon lange nicht mehr! Es ist einfach nur ein unsäglich stümperhaftes Verhalten. Mein Respekt schwindet.

Margit Obermaier

Bernau

Ist in der Zeitung nicht gestanden „Mit Maske und Abstand“, also coronakonform? Warum liest man nichts über die Demonstranten, die sich zu Hunderten ohne Masken und Abstand versammeln? Glauben diese Träumer, dass sich diese Menschen im privaten Umfeld anders verhalten? Da rum ist der Virus nicht zu stoppen. In bestimmten Kreisen gehört es mittlerweile zum guten Ton, Polizisten anzugreifen und in der linken Presse zu verunglimpfen. Die Politiker setzen dem nichts entgegen. Die Feier mit Essen zur Verabschiedung der Vizepräsidentin hat meine volle Unterstützung.

Nikolaus Maier

Halfing

Meine Frau und ich dürfen unsere Enkelin und Urenkelin nur noch getrennt besuchen. Auch wenn es uns sehr schwer fällt, halten wir uns konsequent an die Vorgaben. Ich bin erschüttert, wenn ich dann in unserer Heimatzeitung lese, dass sich zehn Personen ein Menü schmecken lassen. Hat keiner dieser zehn leitenden Mitarbeiter aus Verwaltung und Politik ein Gespür dafür, zu sagen, das geht in der jetzigen Zeit nicht, und bleibt, wenn es nicht anders geht, dem Essen fern? Da fragt man sich schon: Sind die Herren ihrer Aufgabe gewachsen? Wen wundert da, wenn Querdenker sagen: Vorschriften und Gesetze sind nur für den Normalbürger gemacht. Die „Oberen“ machen, was sie wollen.

Jochen Bruch

Eiselfing

So einfach ist es also. Man deklariert ein geselliges Mittagessen als Besprechung und ein Drei-Gänge-Menü als Verpflegung und schon ist alles coronakonform. Auf weitere Nachfrage wird dann noch erklärt, dass ja die Mindestabstände eingehalten wurden. Dieses Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht der Normalbürger und Gastronomie. Jeder Bürger hat nicht einmal die theoretische Möglichkeit für ein solches Treffen, wenn er sich entsprechend den Corona-Vorgaben verhält. Unser oberster Seuchenbeauftragter, Ministerpräsident, fordert, man solle Schlupflöcher im Corona-Verhalten vermeiden und verhindern. Diese Forderung gilt anscheinend nicht für Politiker und andere ranghöhere Personen. Das Verhalten von Innenminister Herrmann ist eine bodenlose Frechheit, und wenn er nur etwas Rückgrat besitzen würde, müsste er zurücktreten. In Hinsicht auf zukünftige Wahlen stellt sich immer mehr die Frage, wo man sein Kreuzchen machen soll. Auch die Politiker auf Bundesebene sind nicht besser. Die angekündigten finan ziellen schnellen Soforthilfen für November und Dezember für die Firmen werden nicht ausgezahlt und die flächendeckenden Impfungen sind ein Desaster, aber alle zuständigen Minister sind sich keiner Schuld bewusst und haben auf Nachfrage alles richtig gemacht.

Gerhard Förster

Kolbermoor

Es gibt sicher Wichtigeres, über das man sich ärgern kann als diesen Vorfall, aber dennoch finde ich es bezeichnend für die großen Unterschiede, die es ganz offensichtlich gibt, wenn es um Verbote geht, welche wir einhalten müssen. Viele Menschen verzichten seit Monaten auf Hochzeitsfeiern und Geburtstagsfeste oder verschieben diese auf unbestimmte Zeit. Nicht so anscheinend Personen aus dem öffentlichen Raum, da wird dennoch „verabschiedet“ oder wie immer man diese Veranstaltung dann nennt. Mit ein wenig Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung hätte man diese Feierlichkeit auf alle Fälle unterlassen sollen oder zumindest verschieben, auch wenn es dafür eine rechtliche Hintertür gab, diese abhalten zu dürfen. Jeder Gas tronom, der sein Lokal nicht öffnen darf, wird sich da ziemlich auf den Arm genommen fühlen. Es zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie weit Politiker, egal ob auf Bundes-, Landes- oder regionaler Ebene, von der Realität entfernt sind. Aber da ist es doch gut zu wissen, dass alle Politiker völlig sorgenfrei, im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen unter uns, auf ihre monatlichen Gehälter bauen dürfen. Egal, was und ob sie überhaupt etwas dafür „leisten“. Das Wichtigste ist doch, dass wir, die Bevölkerung, sich mehrheitlich unter Androhung von allen möglichen Strafen, an alle Regeln hält. Schön, dann in der Ausgabe vom 20. Januar auf der Titelseite zu lesen: in Betrieben zehn Quadratmeter Fläche pro Person einhalten und gemeinsame Mahlzeiten sind untersagt.

Amalie Englhart

Bad Aiblin g

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