Gedanken der Leser zur Corona-Krise

Papst Franziskusauf dem wegen der Corona-Pandemie menschenleeren Petersplatz. Der Pontifex spendete der Welt den Segen„Urbi et orbi“. Dpa
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Papst Franziskusauf dem wegen der Corona-Pandemie menschenleeren Petersplatz. Der Pontifex spendete der Welt den Segen„Urbi et orbi“. Dpa

Zur Berichterstattung über den Coronavirus (Titelseite, Politik- und Bayernteil):

Eine Gruppe von Besitzenden sollte unbedingt zur Abfederung dieser Krise herangezogen werden, weil ihre Forderungen für viele Pandemie-Betroffene der finanzielle Todesstoß sein könnte: Die Immobilieneigentümer. Nicht die, die nur ein oder zwei Wohnungen besitzen und die Mieten für die Bezahlung ihrer Finanzierungskredite brauchen.

Die vielen anderen jedoch, die seit Jahrzehnten von den Erwerbstätigen ständig steigende, inzwischen horrende Mieten kassieren, sollten in dieser Situation auch einen außergewöhnlichen Beitrag leisten. Die ständig steigenden Zuflüsse dieser Personengruppe beruhen nicht auf Leistung, sondern nur darauf, dass es zu wenig Wohnungen und Ladengeschäfte gibt, Grund und Boden nicht vermehrbar – ein Dach über dem Kopf jedoch, sei es privat oder geschäftlich – eine Notwendigkeit ist.

Zwei Monate ganz auf die Miete von Corona-Betroffenen zu verzichten und danach auf 50 Prozent, bis alles wieder normal läuft, wäre ein angemessener Solidaritätsbeitrag, der von diesen Leuten ohne Weiteres zu leisten wäre – und viele Existenzen finanziell retten könnte, hoffentlich.

Der Münchner Oberbürgermeister appellierte gleichzeitig an die Vermieter, bei Miet-Rückständen nicht von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch zu machen. Appellieren reicht hier nicht, dazu ist die Gier zu groß. Der Beitrag der Immobilieneigentümer braucht, wie bei den Jobs, ein gesetzliches Fundament. Diesen Anspruch der Gemeinschaft juristisch zu begründen, könnte eine Sternstunde für fähige Verfassungs- und Ziviljuristen sein. Obdachlose haben wir schon genügend. Ein Grundrecht auf menschenwürdiges Wohnen sollte endlich in das Grundgesetz aufgenommen werden.

Dagmar Schön

München

Von etlichen Politikern wird beklagt, dass viele Bürger sich unsolidarisch verhalten, weil sie Hamsterkäufe tätigen und Tiefkühlware und Klopapier horten. Kommt denn keiner auf die Idee, dass dann, wenn von einem Tag auf den anderen die Hälfte der Deutschen zu Hause bleibt, hier dann auch mehr Nahrungsmittel zu Hause gebraucht werden und – mit Verlaub – auch zu Hause mehr auf die Toilette gegangen wird? Was sonst in den Firmen und Schulen unter tags erledigt wird.

Und wenn man dann einmal vor einem leeren Regal steht, verwundert es nicht, dass dann beim nächsten Mal die doppelte Menge gekauft wird, um nicht wieder mehrere Geschäfte abklappern zu müssen, um das benötigte Produkt zu erhalten.

Dieselben Politiker winken jetzt Gesetze durch, die unsere Freiheit enorm einschränken. Was in einer Ausnahmesituation vielleicht richtig sein kann, könnte aber auch schnell ausgenutzt werden. Es gäbe Beispiele aus der Vergangenheit wie die Ermächtigungsgesetze unter Hitler oder in der Gegenwart das Vorgehen von Erdogan in der Türkei. Der Notstand ist schnell ausgerufen und das Parlament nur mehr zum Zuschauen verdammt. Sowohl das schnelle Durchpeitschen von Gesetzen mit dem Hinweis, es wäre dringend, als auch jede Verschiebung von Länderrechten auf den Bund ist äußerst verdächtig, die Rechte der Bürger Stück für Stück einzuschränken, bis es kein Zurück mehr gibt.

Hans Aicher

Halfing

Glücklich, wer sich in dieser Zeit die Liebe in seinem häuslichen Umfeld bewahren konnte. Diese Liebe ist durch Wort und Tat und ständiger Bereitschaft zur Vergebung immer wieder zu pflegen. Doch der Tod stellt immer eine Bedrohung dar, da er die Liebe jederzeit in Schmerz verwandeln kann. Darum ist es äußerst wertvoll, neben der menschlichen Liebe auch die himmlische Liebe zu pflegen. Diese verleiht dem Leben ein zweites Standbein, das Halt und Sicherheit gibt. Gerade jetzt, ohne Termin- und Zeitdruck, kann die Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf diese himmlischen Liebe gerichtet werden. Notwendige Voraussetzung dafür ist das regelmäßige Gebet.

Der Rosenkranz eignet sich hervorragend, die Seele zunächst häppchenweise, und dann mit immer größeren Portionen zu nähren. Die tägliche heilige Messe, die zum Glück dank der Medien mitgefeiert werden kann, vertieft auch die Beziehung zu Jesus ganz wesentlich. Dann kann es passieren, dass beim Segen von Urbi et Orbi während der Anbetung des Allerheiligsten die Liebe von Jesus in so intensiver Weise gespürt werden darf, dass das Herz und die Augen vor Freude überfließen. Diese Freude ist so großartig, dass sie sogar dem Tod die Macht nimmt, übergroßen Schrecken zu verbreiten. Erwartet sie doch von Jesus, mit offenen Armen empfangen zu werden, um ewig bei ihm glücklich zu sein. Tod, wo ist dein Sieg, Tod wo ist dein Stachel? Möge die Corona-Krise dazu beitragen, diese hoffnungsvollen Schätze des Glaubens wieder vermehrt zu entdecken und intensiver zu leben.

Hildegard Sochatzy

Kirchdorf

Das Rad der Welt steht still, das gestern noch so rasend rollte. Obwohl es niemand will, dass es zur Ruhe kommen sollte. Alles was uns so bewegte, wartet nun im Hintergrund. Weil eines uns zutiefst erregte: Der Tod hält Ernte jede Stund. Gesundheit ist das höchste Gut. Das ist nun keine Floskel mehr. Vorsicht ist wichtiger als Mut. Und fegt die vollen Straßen leer. Wer findet endlich ein Rezept, den Wettlauf zu gewinnen? Gibt es kein anderes Konzept, als eingesperrt uns zu besinnen? Es kommen Werte wieder, die längst verloren schienen. Die Menschen singen Lieder. Und das mit hellen Mienen. In schweren Zeiten rücken wir Menschen doch zusammen. Auf Dauer wirds nicht glücken. Man darf uns nicht verdammen. Denn leider haben wir zwar hohen Intellekt, sind letztlich nur ein Säugetier. Und wirklich nicht perfekt.

Edith Maier-Mannhart

Halfing

Als Adam und Eva wie Gott sein wollten, hat er sie kurzerhand aus dem Paradies geschmissen. Wahrscheinlich hat er gesagt: „Ihr seid wohl verrückt, dafür seid ihr viel zu blöd, weil ihr das Gleichgewicht dieser Erde mit eurer Blödheit und Gier kaputtmachen würdet. Macht dass ihr rauskommt aus dem Paradies, wachset und mehret euch und macht euch die Erde untertan“. Mit einem Grinsen hat Gott dann die Raubtiere, die Zecken, die Bakterien und die Viren erschaffen. Dabei hat er sich wohl gedacht: „Damit werde ich euch wohl in Zaum halten“. Wahrscheinlich hat er uns aber den Fortschritt in der Medizin nicht zugetraut – und was macht er jetzt? Mit Bären und Wölfen fängt er ja gerade wieder an…. Und zur Not hat er sicher auch noch einen großen Meteoriten auf Lager.

Hans Fritz

Bad Endorf

Jede Krise birgt neben den negativen Auswirkungen eine große Möglichkeit zu positiven Veränderungen. Dazu ist ein Loslassen von alten Glaubenssätzen unerlässlich. Leider steht das Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten über allem anderen und wird durch falsche Subventionen einiger Regierungen und falsches Konsumverhalten vieler Bürger gestützt, unter deren Auswirkung eine Mehrheit der Bürger zu leiden hat. Die jetzige Situation zeigt, dass von heute auf morgen durch Verzicht, Rücksichtnahme und Solidarität jedes Einzelnen viel bewegt werden kann. Damit die Macht der Demokratie zur vollen Geltung kommt, sind wir gefordert, möglichst viel aktiv zu gestalten und uns gegen ungerechtes Handeln zu wehren, um das Heft des Handelns selbst zu übernehmen.

Manfred Kress

Rott

Danke, Herr Ministerpräsident für Ihren Einsatz für Bayern in dieser Krise! Dass Bayern mit seiner Nähe zu Italien und Österreich mit seinen Beschränkungen in der Corona-Krise vorangeht, ist wichtig und richtig. Aber hätte sich Herr Söder als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz nicht auch um mehr gemeinsame Abstimmung bemühen müssen? Bei dem vereinbarten Ansammlungsverbot im Freien macht Bayern wieder eine Ausnahme. Die CSU feiert sich, „Bayern first“, man habe sich praktisch durchweg an den bayerischen Regelungen orientiert. Jetzt ist allerdings nicht die Zeit der Populisten und der parteipolitischen Kämpfe!

Therese Hofer

Mühldorf

Ich (Beruf: Pflegekraft), wohnhaft in Bad Aibling, war heute in der Stadt unterwegs. Auf meinem Weg habe ich viele Menschen mit Mundschutz gesehen und musste feststellen, dass viele davon einen medizinischen Mundschutz getragen haben. Ich habe Verständnis dafür, dass sich Menschen schützen wollen, aber doch bitte nicht mit Produkten, welche wir derzeit in den Kliniken, Heimen, Arztpraxen etc. dringendst benötigen. Bindet Euch einen Schal oder ein Nickituch um, näht Euch einen und wenn Ihr nicht nähen könnt, dann kauft einen genähten.

Vorteil 1: Die genähten kann man waschen und wiederverwenden, Vorteil 2: Man unterstützt einen Unternehmer in dieser harten Zeit, Vorteil 3: Man vermeidet Müll. Wir, das Pflegepersonal, Ärzte und Arzthelfer stehen zurzeit an vorderster Front, und das können wir nur, wenn wir uns selbst ausreichend schützen können. Um das auch für die Zukunft sicherstellen zu können, meine Bitte an alle Privatpersonen: Mundschutz ja, aber bitte mit Hirn und Verstand.

Angelika Völkl,

Bad Aibling

Ich bekenne: Ich habe gesündigt, in Gedanken, Worten und Werken. Ich habe gehamstert. Man muss dabei einiges aushalten. Als ich mit vier Packungen Klopapier an der Kasse stand, hat mich eine jüngere Frau einen Wohlstandfaschisten genannt. Wer hamstere, meinte die Frau noch, der lasse auch gerne auf Flüchtlinge schießen, das sei ein und dasselbe. Ich habe irgendwo gelesen, dass sich der Mensch in der Krise entmenscht. Das scheint hier der Fall zu sein.

Es waren einige Unverschämtheiten, die ich mir anhören musste, bevor ich den Laden verließ. Auch als Sozialschädling wurde ich beschimpft. Inzwischen habe ich mir ein dickes Fell zugelegt. Zwei Tage später: Ich verkleide mich nun vor jedem Einkauf, damit mich niemand mehr erkennt. Mit Wollhaube – tief ins Gesicht gezogen – Sonnenbrille und Mundtuch betrete ich letztens den Laden in Ampfing. Niemand erkennt mich. Ich komme mir vor wie ein Außerirdischer. Ich schleiche durch die Regale zum Toilettenpapier und kralle mir wieder vier Packungen. Keiner stört sich daran.

Josef Mosner

Ampfing

Ich frage mich, wie viel oder wie wenig es beim nächsten Mal bedarf, um unsere Grundrechte derart massiv einzuschränken? Das Grundrecht auf Freizügigkeit, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit, das Grundrecht auf Bildung, die Freiheit von Lehre und Forschung, die Freiheit der Berufsausübung, die Gewerbefreiheit, der Schutz des Eigentums, die Religionsfreiheit und letztendlich die Meinungsfreiheit.

Ruth Neumann

Bruckmühl

Meine Idee zum Dank an die Helden: Das Restgeld an der Supermarktkasse könnten wir doch mit einem Lächeln „Der Rest ist für Sie…“ als Dank schenken. Auch der Postbote freut sich über eine Kleinigkeit, oder die Müllmänner, und vor allem die Nachbarn, welche im Krankendienst arbeiten. Ein kleines Geschenk und unser dankbares Lächeln. Ich hab’s schon gemacht und war total überrascht über die Freude, die ich bereitet habe.

Hannelore Schmitz

Riedering

Zum Kommentar „Gier über Gesundheit“ von Christian Deutschländer (überregionaler Teil):

Zum Thema „Gier über Gesundheit“ brauchen wir nicht bis nach Österreich schauen, das gab es kürzlich auch in Rosenheim und niemand regte sich darüber auf. Als überall bereits Versammlungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt worden waren und wir außerdem den Verlauf von Corona bei unseren Nachbarländern mitbekamen, erdreisteten sich die Rosenheimer Stadträte und Politiker, das Starkbierfest in der Inntalhalle trotzdem abzuhalten, auch wenn es nach drei Tagen abgebrochen wurde.

Die Begründungen hierzu sind für alle Normalbürger eine Lachnummer: „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“ Das funktioniert bei Attentaten, hier wurden anschließend Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Aber bei Covid-19? Einfach nur dumm und lachhaft, wenn es nicht gleichzeitig so tragisch wäre. Ich möchte nicht wissen, wie viele Neuinfektionen aus diesen drei Tagen Starkbierfest resultieren. Und bei uns im Klinikum laufen jetzt die Intensivstationen voll. Mit Sicherheit hätten wir jetzt auch ohne das Starkbierfest unsere Corona-Fälle, aber muss man es noch forcieren? Noch dazu aus verantwortlichen Positionen? Auch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass hierbei im Vorfeld viele Gelder geflossen sind, um der Gier nachzugeben. Aber dies nur als Randbemerkung. Und wer weiß? Wenn Covid-19 vielleicht einmal bestimmte Personen betrifft, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es einmal eine Sammelklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung gibt.

Gertraud Hofbauer

Prutting

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