Die Frage nach der Streckenwahl

In wenigen Jahren sollen die ersten Züge durch den Brennerbasistunnel fahren. Damit sind auch die Zulaufstrecken auszubauen. dpa
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In wenigen Jahren sollen die ersten Züge durch den Brennerbasistunnel fahren. Damit sind auch die Zulaufstrecken auszubauen. dpa

Zur Berichterstattung über den Brenner-Nordzulauf (Titelseite, Bayern- und Regionalteil):

Kolbermoor ist lebenswert. Noch. Im Auftrag der Bundesregierung plant die Deutsche Bahn eine Verbindung zwischen München und dem Brenner auf neuen Bahntrassen.

Drei der fünf Vorschläge gehen durch Kolbermoor: Lohholz, Schlarbhofen, Autobahn. Aufgrund der Topografie und notwendiger Kreuzungen über den Werkskanal, die Mangfall, die Staatsstraße und die Autobahn würde ein massives, oberirdisches Brückenbauwerk auf Stelzen entstehen. Der Baubeginn erfolgt schon in etwa zehn Jahren mit einer Bauzeit von mindestens zehn Jahren.

Kolbermoor wird durch den Bau des Brennerzulaufs dauerhaft von Hauptverkehrsadern umzingelt und durchschnitten: Im Süden die Autobahn, im Osten die Westtangente, der immense Verkehr auf der Staatsstraße und jetzt zusätzlich im Westen der Brennerzulauf. Das Verkehrschaos durch eine zusätzliche Monsterbaustelle ist vorprogrammiert (ich erinnere an die Sperrung der Staatsstraße für den Bau der Westtangente). Die kilometerlange Schuttbaustelle in Franzensfeste ist jetzt schon erschütternde Realität, die uns auch blühen könnte.

Jede Bürger-Reaktion „Bis dahin bin ich tot – interessiert mich nicht“ verbietet sich! Und wenn es sie selbst möglicherweise aus Altersgründen nicht mehr betreffen würde: Warum sollten sie sich nicht im Namen der jüngeren Generation, im Namen ihrer Kinder und Enkel einsetzen? Und die jüngeren Kolbermoorer, die von den Trassen „weit weg“ in der Siedlung, in Stadtmitte, im Süden wohnen: Sie sind ganz nah dran. An der Landschaftszerstörung, am Baustellenverkehr, am Schicksal befreundeter Familien entlang der Trasse. Jeden Tag. Kolbermoor ist meine Heimat und ebenfalls die von weiteren 19 000 Menschen. Es lohnt sich, gemeinsam für ein sinnvolles Verkehrskonzept zu kämpfen.

Hedwig Fuchs

Kolbermoor

Ja, ich bin direkt Betroffener und ich habe eine klare Meinung dazu, ob und in welchem Ausmaß eine Neubaustrecke notwendig ist, oder nicht. Meine Meinung dazu hat aber für diesen Leserbrief nur eine nebensächliche Bedeutung. Ich wurde von Forsa kürzlich befragt und ich habe auch an der Umfrage der Bürgerinitiative teilgenommen. Ja, die Fragestellung der Umfrage der Bürgerinitiative ist suggestiv, das kann ich als Reaktion auf die Umfrage der Deutschen Bahn über Forsa auch verstehen.

Denn die Fragen in der Forsa-Umfrage sind subtiler aber nicht minder suggestiv formuliert und führten auch mich dazu, dass ich bei vielen Fragen und den zur Verfügung stehenden Antworten gar nicht anders konnte, als zuzustimmen, obwohl ich wusste, dass die Antwort eigentlich meine Gesamtmeinung konterkariert und weil sie mich eben in den folgenden Fragen genau zur „gewünschten“ Antwort führt.

200 Personen wurden in Österreich befragt – immerhin knapp 15 Prozent der Befragten. Ich frage mich: Warum? Sie sind vom Bau der Trasse im Bayerischen Inntal überhaupt nicht betroffen und die Forsa-Fragen waren in Teilen gezielt da rauf ausgerichtet. Unabhängig von Fragestellung und Auslegungen.

Die Worte von Herrn Köllner von Forsa sind eine Frechheit gegenüber allen, die sich Gedanken zu diesem Projekt machen und ihre Meinung zum Ausdruck bringen. Ein wenig Unabhängigkeit und Empathie denjenigen gegenüber, die nicht der Meinung des Auftraggebers folgen, wären dringend angebracht!

Peter Staier

Nußdorf

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