Evangelien über Jesu Geburt: Legenden oder Fakten?

Zu „Biblische Geschichten ein Fortsetzungsroman“ (Leserbrief von Ulrich Kretschmar):

Der von mir sehr geschätzte Herr Kretzschmar „schimpft“ mich, weil ich seiner Meinung nach das Matthäus-Evangelium nicht richtig auslege. Warum Leute das Weihnachts-Evangelium nach Matthäus als das kürzere bezeichnen, rührt daher, denke ich, weil in den verschiedenen Konfessionen der von zweifelhafter Historizität umgebenen Ereignisse des Kindermordes in Bethlehem und der Flucht nach Ägypten separat an anderen Tagen gedacht wird und nicht unbedingt am 25. Dezember. Und darüber wird nach Matthäus in der Weihnachtsgeschichte berichtet. Ich habe auch noch kein Krippenspiel gesehen, das zu diesen Themen eine Aufführung gestaltet. Unser aller „Schöpfer“ hielt es halt für spannender, seine eigene Geburt in zwei verschiedenen Legenden aufschreiben zu lassen.

Gudrun Baumann-Sturm

Raubling

Wem einleuchtende Argumente lieber sind als Ulrich Kretzschmars Tendenz, die Evangelien seien „erfundene religiöse Legenden“, lese beispielsweise Charles Foster. Er ist Gastprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, einer der bekanntesten Juristen Großbritanniens und lehrt Medizinrecht und Ethik an der Universität Oxford. Sein Lebenswerk: „Die Akte Jesus – Ein Jurist ermittelt in Sachen Auferstehung“. Foster macht glaubhaft, dass die Evangelien nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts geschrieben wurden. Er zerlegt und widerlegt Behauptungen, die Evangelien seien erfunden. Bedenken wir: In der Entstehungszeit der Evangelien lebten noch viele Zeitzeugen, die von Jesus, seinem Wort und Tun, von seinem aus grenzenloser Liebe ertragenen Leiden und von seiner Auferstehung berichtet haben. Für sein Buch zur Auferstehung Jesu las Foster sowohl „ganze Koffer mit Büchern von den wichtigsten Gegnern des Christentums“ als auch Bücher anderer Autoren. Danach bekannte Foster: „Ich bin noch immer Christ und dazu ein sehr viel überzeugterer als zuvor. Und ich bin auch weitaus ehrfürchtiger als zuvor.“ Besonders würdigt er das Buch des Leben-Jesu-Forschers Nicholas Thomas Wright. Dessen Titel: „Die Auferstehung des Sohnes Gottes“. Mit seinem dreibändigen Werk „Jesus von Nazareth“ überzeugt uns Autor Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. – „den Jesus der Evangelien als den wirklichen Jesus, als den ‚historischen Jesus‘ im eigentlichen Sinn“ zu sehen, als historisch stimmig und sinnvoll. Somit auf festem Boden stehend, danken wir Jesus für unsere Erlösung und unsere realistische Möglichkeit auf ein Wiedersehen mit unseren vorausgegangenen Lieben in ewiger Freude!

Hans Schnitzlbaumer

Bruckmühl

Sie haben mich an einer Stelle nicht nur falsch, sondern sinnentstellend zitiert. In meinem Originalbrief heißt es: „Welche die wahre Geschichte ist oder ob beide gleichermaßen unwahr sind, bleibt offen.“ Sie lassen die Vorsilbe „un“ weg und drucken kurzerhand „wahr“ ab. Das könnte bestimmten Katholiken gerade so passen, dass beide einander vielfach widersprechenden Geschichten wahr sind.

Ulrich Kretzschmar

Prien

(Anmerkung der Redaktion: Herr Kretzschmar hat recht. Wir bitten, das Versehen zu

entschuldigen.)

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