Engagement aus Überzeugung

Zum Kommentar „Angst vor neuen Schulschließungen“ (Bayern):

Das Schuljahr war technisch schwierig, aber leistungsmäßig erfolgreich. Meine zehnte Klasse Realschule hat die Leistungen gezeigt, die sie auch ohne Corona an den Tag gelegt hätte. Bei Kollegen kamen sogar exzellente Ergebnisse heraus. Denn Lehrer begnügen sich nicht mit „holprigen Lernvideos und Lernplattformen“, wie in diesem Artikel dargestellt. Mebis war für mich auch vor Corona nie ein ernstzunehmendes Medium. Mein Unterricht lief während Corona zu 100 Prozent über E-Mails: von Aufgaben über das Korrigieren erledigter Schülerarbeiten bis zu Kommentaren zum Lernen/Nicht-Gelernten. Mit Erfolg.

Freilich: Der Aufwand digital ist für den Lehrer viermal so groß wie analog. Als Risikopatient konnte ich fast nur Homeschooling machen. Und fürs Mündliche (mein Fach ist Französisch) haben acht Einheiten, die ein Kollege in Präsenz für mich mit den Schülern gemacht hat, für perfekte Prüfungsvorbereitung gereicht. Es hängt immer an den Lehrern. Die engagieren sich, weil sie den Beruf nämlich aus Überzeugung machen. Und da ist digital oder analog egal.

Außerdem kann ich das Argument nicht nachvollziehen, warum das Schema Woche A School-Schooling, Woche B Home-Schooling für Eltern nicht planbar sein soll. Natürlich ist alles in Präsenz viel einfacher und schneller, für alle, Lehrer und Schüler. Aber die Forderung, alle Schüler unbedingt im September wieder in die Schule zu schicken, bedeutet in der Konsequenz, dass sie bei Infektionsrisiko ohne Abstand (das bedeutet nämlich Regelbetrieb), das Erkranken und Sterben von Lehrkräften und Schülern billigend in Kauf nehmen – zugunsten der „Normalität“.

Stephan Kunze

Breitbrunn

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