Energiepolitik unter der Lupe

Energiebörse Leipzig: Zeitweise bezahlen die Stromproduzenten dafür, dass ihnen jemand den Strom abnimmt und verbraucht. Foto dpa
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Energiebörse Leipzig: Zeitweise bezahlen die Stromproduzenten dafür, dass ihnen jemand den Strom abnimmt und verbraucht. Foto dpa

Zu "Die gute Nachricht: Ökostrom-Rekord" (Titelseite) und "Traum von der Bürger-Windkraftanlage" (Bayernteil):

Sie schreiben, dass Wind-und Solaranlagen so viel Strom produzierten wie nie zuvor. Die angegebenen Zahlen berichten von über 30000 Megawatt Einspeisung in das deutsche Netz zwischen 13 und 14 Uhr. Dies ist aber kein Grund zum Frohlocken, eher zum Ärger über das verkorkste Subventionssystem, das die Politik aufgebaut hat. 30000 Megawatt über eine Stunde, das entspricht einer elektrischen Energie von 30 Millionen Kilowattstunden (kWh), die per Gesetz eingespeist werden dürfen und mit Einspeisungsvergütungen von bis zu 50 Cent pro kWh belohnt werden. Grund für Betreiber der Fotovoltaik- und Windenergieanlagen, zu frohlocken; Grund für den Stromkunden, zu schimpfen, denn er zahlt die Rechnung. In der Zeit von 13 bis 14 Uhr liegt ein mittlerer bis hoher Strombedarf, aber keine Spitzenlast vor. Ein Teil des hohen Angebots aus Solar- und Windanlagen kann ausgeglichen werden, indem konventionelle Kraftwerke kurzfristig heruntergefahren werden. Das geht technisch bedingt nur beschränkt und ist teuer, denn das Kraftwerk muss weiter bereit stehen. Gleichzeitig sinkt der Strompreis an der Strombörse; Strom wird zum Dumpingpreis abgegeben: Zu manchen Tages- oder Nachtzeiten bekommen Sie an der Leipziger Strombörse sogar Geld dafür, dass Sie große Mengen Strom abnehmen. Österreich und die Schweiz, die über Energiespeicher in Form von Pumpspeicherwerken verfügen, können den hoch subventionierten Wind- und Solarstrom weit unter dem (subventionierten) Herstellungspreis erwerben. Sie verkaufen ihn später, in Spitzenlastzeiten, zu Höchstpreisen an uns zurück. Eine derart absurde Energiepolitik darf so nicht weitergehen. Firmen und Privatleute, die Windenergie- oder Fotovoltaikanlagen betreiben, verdienen mit der Stromeinspeisung unabhängig davon, ob die elektrische Energie benötigt wird oder nicht. Die Rechnung zahlt der Stromkunde.

Prof. Dr. Werner Mäntele

Kiefersfelden

Strom aus Kohle und Atom ist nicht nur dreckig und gefährlich, sondern insgesamt auch teurer als Strom aus Erneuerbaren Energien. Die veralteten Energieträger werden seit Jahrzehnten mit Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und bevorzugten Rahmenbedingungen subventioniert. Außerdem verursachen sie extreme Folgekosten. Diese Kosten werden zwar nicht über den Strompreis transparent gemacht, müssen aber durch den Steuerzahler ebenso gezahlt werden. Den konventionell gewonnenen Strom macht das für uns etwa doppelt so teuer, wie es der aus regenerativen Quellen ist. Das Märchen von der unwirtschaftlichen Förderung der Erneuerbaren Energien ist endgültig widerlegt. Eine Studie kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass die privaten Stromkunden über drei Milliarden Euro zuviel an die allmächtigen Energiekonzerne bezahlt haben. Den Umweltminister Altmeier stört das nicht, im Gegenteil! Er kündigt gleich mal eine weitere Preiserhöhung an. So viel Unverschämtheit ist nur mit einer fast religiösen Hörigkeit gegenüber der Industrie und der monopolistischen Energiewirtschaft zu erklären. Es wird Zeit, diese überholten Strukturen mutig zu zerschlagen und die Energiewende gesellschaftlich fair und günstig zu organisieren. Man kann nur hoffen, dass dies ein zentrales Wahlkampfthema wird.

Günter Ott

Waldkraiburg

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