Elektromobilität: Zukunft oder Recycling-Problem?

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Zur Berichterstattung über die E-Mobilität (Politik- und Wirtschaftsteil/Leserbriefe von Prof.

B. Liesenkötter und Ulrich Huber):

Herzlichen Dank an Prof. Liesenkötter für seinen korrigierenden Leserbrief zur E-Mobilität! Die E-Autos, die mehr und mehr auf den Straßen auftauchen, lösen nicht alle Probleme der Energiewende, aber sie sind sinnvoll und machen (Fahr-) Spaß! Die Nörgler an der E-Mobilität lade ich gerne ein, mit einer Probefahrt die Vorzüge der fast lautlosen Fortbewegung kennenzulernen!

In unserer Familie haben wir einen Mercedes und einen Golf. Sie werden es nicht glauben, aber der E-Golf ist zum Liebling aller geworden und der Benz steht meist herum. Interessant ist der Verbrauch: im Sommer fahre ich 300 Kilometer problemlos und verbrauche dabei im Langzeitversuch rund 12 kW pro 100 Kilometer. Für Ingenieure und Techniker: zum Vergleich wären das in etwa 1,2 Liter Diesel/100 km. Wie kann das gehen? Durch Rekuperation gewinne ich bei jedem Bremsvorgang die kinetische Energie weitestgehend zurück und lade damit die Batterie. Dies hat neben der energetischen Wirkung auch positive Auswirkungen auf die Feinstaubbelastung: es gibt kaum Abrieb bei den Bremsbelägen.

So bleiben die Alufelgen blank und unsere Lungen bedanken sich für weniger Schadstoffe in der Luft. Wenn man dazu noch die Möglichkeiten nutzt, auf dem Dach Solarstrom zu erzeugen und in das E-Auto einzuspeisen, dann brauche ich kein Kohlekraftwerk und keinen Ölscheich für die ach so schöne Möglichkeit der komfortablen Mobilität.

Thomas Stacheter

Feldkirchen-Westerham

Es ist hochinteressant, die beiden Leserbriefe von Professor Liesenkötter und Ulrich Huber zu vergleichen. Professor Liesenkötter stellt die 160 000 Kilometer in Frage und begründet es im Wesentlichen durch Fortschritte in der Herstellung und Recycling der Batterien. Fakt ist, dass für die Batterie auch eine Anzahl seltener Metalle und bis zu 80 Kilo Kupfer verbaut werden. Man sollte auch nicht verschweigen, dass bei einem der größten Kupferproduzenten pro Sekunde bis zu 2000 Liter Wasser verbraucht werden in einem Gebiet, in dem kein Wasser vorkommt und aufwendig antransportiert wird. Für den Betrieb der E-Autos werden für die Nachhaltigkeit immer die erneuerbaren Energien angeführt. Für den Bau eines Windrades werden im Schnitt 20 Tonnen Alu und 500 Tonnen Stahl, Neodyn und Kupfer benötigt, für die Produktion von Fotovoltaik-Modulen benötigt man wieder seltene Metalle und eine Menge Energie. Die Energiegewinnung durch Wind und Sonne ist immer abhängig von den Wetterbedingungen. Offshore-Anlagen sind weniger betroffen, aber erfordern einen enormen Aufwand an Leitungen und daher hohen Bedarf an Rohstoffen. Schon jetzt ist der Trend für E-Autos mit höherer Leistung und Geschwindigkeit zu beobachten. Bei der Zielvorstellung der Zulassungen werden die Versorgungsnetze an ihre Grenzen kommen. Bei Betrachtung aller Fakten liegen die 160000 Kilometer wohl deutlich näher an der Realität. Auch ist es mir zu einfach, dass man unerträgliche Produktionsbedingungen einfach in Kauf nimmt. Für die Bilanz des Weltklimas ändert sich wenig, wenn man die Lasten nicht behebt, sondern nur verschiebt.

Franz Heigl

Edling

Herr Professor Liesenkötter schreibt in seinem Leserbrief unter anderem, dass nur der Elektroantrieb die nötige Energieeinsparung bei gleichzeitiger CO2-Vermeidung sicherstellen könne. Es stimmt, ein Tesla-E-Antrieb benötigt (nur) circa 25 kWh/100 km, während ein Dieselantrieb dafür circa 54 kWh braucht. Und natürlich kann man bedauern, dass die Energie beim Diesel aus nicht nachhaltigem Erdöl stammt und bei ihrer Erzeugung auch noch CO2 entsteht. Dass bei E-Autos im Betrieb kein CO2 erzeugt wird (von der Gewinnung der Rohstoffe und der Fertigung des Akkus ganz abgesehen), ist allerdings die Unwahrheit, solange der Strom hierfür nicht zu 100 Prozent aus umweltneutralen Energien stammt.

Zudem gibt es Experten wie Professor Lesch, die vorrechnen, dass bei gleichzeitigem (!) Laden einer künftig (2030) realistischen Anzahl von E-Autos die Stromversorgung nicht ausreicht. Prof. Liesenkötter schreibt auch, dass Kobalt (Co) für E-Auto-Akkus nicht das große Problem sei. Hier hat er ebenfalls recht. Das meiste Kobalt wird nicht in Auto-Akkus verwendet. Auch hat Tesla einen Akku entwickelt, der nur 2,8 Prozent Co enthält. (Herkömmliche Akkus: 12-14 Prozent Co).

Über Lithium (Li) in E-Auto-Akkus spricht Professor Liesenkötter nicht. Bei dessen Gewinnung wird das Ökosystem vor Ort ruiniert. Pro Tonne Li verdunsten 2000 Tonnen Grundwasser, dessen Spiegel sinkt. Diesen Schaden muss die Bevölkerung vor Ort ertragen. Auch ist das Li-Recycling aufwendig und nicht wirtschaftlich. Solange nicht gezielt einfach zu recycelnde Akkus entwickelt, eine Sammel-Logistik und ausreichende Recycling-Kapazitäten geschaffen werden sowie der Strom-Mix nicht in Richtung 100 Prozent umweltneutrale Energien verändert wird, bleiben Herstellung und Betrieb von E-Autos mindestens (!) so problematisch wie Verbrennungsantriebe.

Dr. Klaus Carsten

Bernau

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