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Eins, zwei, viele

Deutschland, das Land der präzisesten Behörden: Die Gemeindeverwaltung, das Finanzamt, die Kfz-Zulassungsstelle, die Krankenversicherung und andere – hier regiert die absolute Korrektheit. Beim Thema Asyl gibt es plötzlich ungeahnte Lockerheit.

Wer damit zu tun hat, weiß: Jede Zahl muss auf zwei Kommastellen stimmen, jedes Kreuzerl muss exakt im richtigen Kasterl sein. Dafür beneidet (und fürchtet) man uns ein bisschen.

Natürlich weiß jede Gemeinde, jeder Landkreis, jeder Regierungsbezirk auf den Kopf genau, wie viele „Flüchtlinge“ aktuell vorhanden sind. Die Zahlen werden ja täglich aktualisiert. Geht man aber einige Ebenen nach oben, kommt seltsamer Nebel auf. Und so erlebt man, dass Bundesminister in den Medien merkwürdig herumeiern. „Herr Minister, wie viele Flüchtlinge sind denn heute im Land?“ „Das dürften um die 650 000 sein, es gibt aber vielleicht noch etwa 300 000 mehr. Dazu kann man nichts Genaueres sagen, weil wir nicht wissen, wer diese sind und wo sie sind und was sie gerade machen. Aber ganz bestimmt ist es noch keine Million, da sind wir ganz sicher.“

„Und wie ist denn der Stand der Bearbeitung“. „Wir arbeiten zügig daran. Derzeit sind ungefähr 300 000 Anträge noch auf Halde (in sicheren Aktenschränken!). Das abzuarbeiten dauert selbstverständlich noch eine eher unbestimmte Zeit. Einige Hunderttausende Anträge konnten noch gar nicht entgegengenommen werden, aber es könnte durchaus sein, dass sich das in etwa einem Jahr entspannt. Eins ist jedoch sicher: Wir schaffen das!“ Präzise deutsche Verwaltung, effizient, kostenbewusst, von aller Welt beneidet.

Kleine amüsante Anmerkung: Früher haben wir unsere österreichischen Verwandten beim „Dischkriern“ gerne getratzt: „Ihr habt’s ja eine einfache Zählweise. Eins, zwei, viele.“ Wer hätte gedacht, dass diese Zählweise plötzlich in Berlin herrscht?

Hans Daxer Marquartstein

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