Eine Tragödie und ihre Folgen

Zum Artikel „Waffennarr erschoss Familie“ (Bayernteil) sowie zum Artikel „Familiendrama war Dreifachmord“ (Titelseite):

Bei der Überschrift „Waffennarr erschoss Familie“ müssen wir uns nicht wundern, dass es fast schon als „normal“ empfunden wird, wenn Menschen ermordet werden. Das liegt nicht nur an der erhöhten Zahl der Vorkommnisse, sondern auch an den Medien. Für mich ist das Wort „Narr“ positiv besetzt. Ein Narr macht Späße, foppt die Menschen. Aber im Zusammenhang mit der Tat in Starnberg ist dieser Begriff total deplatziert. Es war kein Waffennarr, der die Tat beging, sondern – um es klar auszusprechen – ein Mörder! Alles andere ist eine Bagatellisierung einer unmenschlichen, brutalen Tat. Warum werden seitens der öffentlichen Medien immer wieder solche Täter mit Samthandschuhen angefasst? Die Presse sollte diese Ereignisse beim Namen nennen und nicht aus einem Mörder einen Narren machen. Leider werden hier die Angehörigen und die Opfer vergessen und indirekt verhöhnt.

Jürgen Zeppernick

Rosenheim

Da im Fernsehen, im Internet oder in Computerspielen Gewalt, Familiendramen oder Beleidigungen rund um die Uhr, zumeist freizugänglich, zu konsumieren sind, sollte man sich über Gewalt in der Gesellschaft nicht wundern. Statt Kinder gegenüber Gewalt zu sensibilisieren, wird weggesehen, nur über die „anderen“ geschimpft und der schlechten Erziehung heutzutage die Schuld zugewiesen. Kinder und Jugendliche lernen viel durch Nachahmung, je öfter man Gewalt sieht, desto weniger Ekel oder Angst hat man vor ihr. Jugendliche, die die Meinung der Eltern ablehnen (da sie sich „Peergroups“, die Zugehörigkeit vermitteln, suchen), als Kinder schon gemobbt oder durch Misserfolge geprägt wurden oder werden, sind besonders empfänglich für Gewaltfantasien. Gewalt wird in den Familien und der Politik als Machtdemonstration gegenüber Menschen benutzt. Medien und Extremisten tragen mit Behauptungen zusätzlich zur „Verrohung und Stimmungsmache“ bei. Gewalt, Lügen, Beschimpfungen, Erniedrigungen, Mobbing, Betrug und Egoismus als Mittel, sich zu profilieren oder dem anderen bewusst oder unbewusst wehzutun, ohne Rücksicht auf die Gefühle und dem Schaden des Gegenübers.

Martin Friedlhuber

Unterreit

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