Eine Rentenerhöhung zur Unzeit

Gute Nachrichtenvon der Rentenversicherung gibt es für alle, die Versorgungsbezüge erhalten. Es gibt ein sattes Rentenplus von 3,35 Prozent. dpa
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Gute Nachrichtenvon der Rentenversicherung gibt es für alle, die Versorgungsbezüge erhalten. Es gibt ein sattes Rentenplus von 3,35 Prozent. dpa

Zu Ihrem Artikel „3,45 Prozent mehr Rente – aber ab 2021 drohen Nullrunden“ (Politikteil):

Das Coronavirus hat unser aller Leben verändert, das persönliche und das wirtschaftliche. Ich selbst bin Rentnerin, habe also mein „gesichertes Auskommen“. Aber dass ich gerade in dem Jahr, wo die Wirtschaft total den Bach runter gehen wird, noch 3,45 Prozent Rentenerhöhung bekomme, kann mich nicht freuen. Denn wie viele Menschen gibt es, die in diesen schwierigen Zeiten von Kurzarbeitergeld oder sogar Arbeitslosengeld leben müssen – Zukunft ungewiss! Eher beschämt es mich. Warum hat man diese Erhöhung nicht ausgesetzt? Nächstes Jahr kann man dann wieder neu entscheiden. Es wird ständig neues Geld nachgeschoben. Wie wird die Endabrechnung aussehen? Was also denken sich Menschen, die von der Krise hart betroffen sind und von der 3,45-prozentigen Rentenerhöhung lesen? Für mich wäre also eine „Nullrunde“ – sogar auch im nächsten Jahr – keine Drohung, sondern eine vernünftige Entscheidung, das Geld etwa in die Forschung für das Virus zu investieren. Denn wir wollen doch alle Corona überleben. Aber dafür ist eine Erhöhung der Rente kein geeigneter Impfstoff. Nachdem das Ganze jetzt schon am Laufen ist, sollte zumindest mit der Formulierung sensibel umgegangen werden. Denn die Bedrohung heißt Corona und nicht Nullrunden ab 2021!

Gaby Seydel

Prien

Die Renten werden zum 1. Juli um 3,45 Prozent (neue Bundesländer 4,2 Prozent) erhöht. Was mich als Rentenbezieher eigentlich freuen sollte, stimmt mich in diesen Zeiten nachdenklich. Die Durchschnittseinkommen werden – getrieben durch Kurzarbeit, steigender Arbeitslosigkeit und den Konjunktureinbruch, in diesem Jahr deutlich sinken, vielleicht auch noch im nächsten Jahr.

Es wird voraussichtlich lange dauern, bis das Einkommensniveau von 2019 wieder erreicht wird. Auch wenn sich diese Rentenerhöhung aus den gestiegenen Einkommen des Vorjahres ermittelt, stehen die Rentner damit mittelfristig besser da als aktive Arbeitnehmer, denn eine Reduzierung der Renten, die es nach der gleichen Logik dann nächstes Jahr geben müsste, ist gesetzlich nicht zulässig. Die Gesellschaft unternimmt gerade riesige Anstrengungen, gerade auch, um die älteren Mitbürger zu schützen. Milliarden an Steuergeldern werden ausgegeben und auch an vielen Stellen dringend benötigt, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen.

Alles lobenswert, gut und richtig! Es wird auch noch einiges mehr zu finanzieren sein und dies bei gleichzeitig einbrechenden Steuereinnahmen, also durch staat liche Schulden und somit vor allem zulasten der jüngeren Generationen. Die kräftige Rentenerhöhung wird die Steuerzahler und die Rentenversicherung zusätzlich enorm belasten. Es wäre daher vorausschauend und klug gewesen, die Rentenanpassung zum 1. Juli zumindest für überdurchschnittlich hohe Renten auszusetzen oder auf einen Inflationsausgleich zu begrenzen.

Dies wäre ein fairer Beitrag zur Re finanzierung der corona- bedingten Kosten (gerne für die Sonderzahlungen an Pflegekräfte zu verwenden), den die ältere Generation sicherlich mitgetragen hätte.

Bernhard Krause

Kiefersfelden

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