Eine Kirche der Männer

Zum Artikel „Ein Papst zum Anfassen“ auf der „Weltspiegel-Seite“ und zu Leserbriefen:

In dem Leserbrief von Frau Sixt hat diese wieder ihre große Not mit dem Zölibat zum Ausdruck gebracht. Natürlich ist das zölibatäre Leben und die Einsamkeit eine große Herausforderung und oft auch Not. Aber ist das Eheleben für viele nicht genauso eine große Herausforderung und Not? Ständig erfährt man von schrecklichen Ehedramen! Wo gäbe es Frauen, die bereit wären, immer die zweite Geige zu spielen, wenn dem Priester-Ehemann wirklich die Sorge um seine Seelen in der Gemeinde sein wichtigstes Anliegen wäre? Welch eine Not für ihn, die Seelsorge immer im Zeitraffer betreiben zu müssen. Viele neue Probleme würden mit der Lösung des einen Problems auftauchen. Die Priester brauchen eine tiefe Liebe zu Christus, um das Opfer bringen zu können, auf Frau und Familie zu verzichten. Wenn früher Buben ins Priesterseminar gesteckt wurden, weil sie Grips hatten, aber keine wirkliche Beziehung zu Jesus und dann Priester wurden, weil das ganze Dorf darauf gewartet hatte, war oft die Not riesengroß. Heutige junge Männer, oft Spätberufene, sind sich der ganzen Tragweite durchaus bewusst und treffen eine bewusste Entscheidung. Frauen dürfen dankbar sein, dass ihnen die radikale Christusnachfolge neben der Mutterschaft nicht auch noch aufgelastet wird. Denn diese ist oft ein mühsamer Kreuzweg und wird sicher in Zukunft noch viel schwerer. Frauen haben doch so viele Möglichkeiten zur Glaubensweitergabe und waren in all den Jahrhunderten meist der Motor in den Familien und Gemeinden. Möge der Heilige Geist uns helfen, im Einklang mit der Kirche zu leben, sodass der Glaube für uns und die anderen zu einer Quelle der Freude und Lebensbereicherung wird.

Hildegard Sochatzy Kirchdorf

Die vatikanisch-katholische Kirche ist eine Männerkirche mit einseitiger Patriarchalstruktur. Diese Fehlentwicklung, die die Kirche aus der Antike mitschleppt, macht sie unglaubwürdig. Für den Erhalt ihrer einseitigen Männerstruktur haben sich verschiedene Wege herausgebildet. Eines ist das Pflicht- oder Zwangszölibat, das Männer daran hindern soll, sich auf Frauen einzulassen. Damit wird aber gleichzeitig die Frau zutiefst diskriminiert, die schöpfungsgemäß als Partnerin mit dem Mann verbunden ist. Der Stand des geweihten, zölibatären Priesters genießt innerhalb des Religionsgefüges der Kirche ein weit höheres Ansehen als die Mitgliedschaft durch die Taufe. Dadurch ist das ganze Gefüge verzerrt. Mit dieser unchristlichen Entwicklung zur geschlechtlichen Einseitigkeit hat sie sich von der Grundlage der Offenbarung Jesu entfernt. Was ist mit den katholischen Frauen, der schweigsamen Mehrheit, der weitaus größeren Gruppe der Gläubigen als der der Priester? Wann erscheinen sie in der Öffentlichkeit? Was ist mit katholischen Professorinnen, die an entsprechenden Stellen im Lehrkörper dieser Institution sitzen und ihre Kompetenzen nicht wahrnehmen? Was ist mit dem mitgliederstarken Katholischen Frauenbund, der sich nicht traut, der von Männern gehaltenen schlechten Entwicklung entgegenzutreten? Sie alle verharren in einer falschen Gehorsamserstarrung diesen rückwärtsgewandten Kräften in der Kurie gegenüber, anstatt ihrer Verpflichtung nachzukommen, für einen neuen christlichen Schub zu sorgen. Und das sei jetzt schon gesagt, es geht nicht ohne Maria, die Mutter Gottes. Nicht in der alten Weise der üblichen Marienfrömmigkeit (die ihre Berechtigung hatte). Maria war und ist Frau mit den Frauen. Sie leiht der Gottesvorstellung das fehlende weibliche Gottesbild.

Liselotte Heilmeier-Beerheide Feldkirchen-Westerham

Kommentare