Ein harmloses Missverständnis?

Zum Kommentar „Münster macht Mut – Paris macht Angst“ (Sportteil):

Der Kommentar hat mich doch sehr verwundert. Was ist passiert beim Championsleague-Spiel in Paris? Der rumänische vierte Offizielle will den aus Kamerun stammenden türkischen Ersatzcoach wegen unsportlichen Verhaltens auf die Tribüne schicken. Dazu braucht er den Schiedsrichter, seinen Landsmann.

Offensichtlich kannte er den Namen des Assistenztrainers nicht und deutete auf ihn mit den Worten „Da, der Schwarze.“ Unglücklicherweise kannten die beteiligten Spieler das rumänische Wort für Schwarzer (negru) nicht und deuteten es als rassistisch. Alles in allem ein kleines, völlig harmloses Missverständnis, das unter zivilisierten erwachsenen Menschen mit einer Entschuldigung aus der Welt geschafft worden wäre. Und daraus wird eine Riesenaffäre gemacht.

Mich stört daran zweierlei. Erstens: Ich finde es völlig daneben, Fußballprofis wie die Pariser Multimillionäre Neymar und Mbappe, die in jeder Hinsicht privilegiert sind, als Helden und Vorkämpfer gegen Rassismus zu feiern. Zweitens: Ich halte den inflationären Gebrauch des Begriffs „Rassismus“ für sehr problematisch.

Auf diese Weise wird echter, tödlicher Rassismus, wie es ihn in Deutschland vor 1945 gab und der leider immer noch nicht ausgestorben ist, verharmlost. Mir scheint, wir bauschen völlig harmlose Ungeschicklichkeiten zu Riesenskandalen auf, um uns mit den echten Skandalen, von denen es in dieser Welt sehr viele gibt, nicht beschäftigen zu müssen.

Wilfried Rahe

Mühldorf

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