Ein grausamer Täter

Zum Bericht „Meine Ferien beim KZ-Arzt“ (Blickpunkt/Seite 3):

Der Auschwitzer KZ-Arzt Dr. Hans Muench war ein sadistischer Schlächter, der bei grausamen Menschenversuchen unzählige Juden bestialisch ermordete. Da ran gibt es entsprechend der heute vorliegenden Quellen keinen Zweifel mehr. In einem Gespräch mit dem Journalisten Bruno Schirra bezeichnete er seine Zeit in Auschwitz als „die beste Zeit meines Lebens“ („Die Welt“, veröffentlicht 25. Januar 2005). Über das Un geheuer Dr. Mengele, den Mörder der Kinder, äußerte er im selben Gespräch: „…der sympathischste aller Kollegen. Ein wunderbarer Mensch!“

Die Häftlingsärztin Slavka Kleinová schildert Muench als einen, der „sich amüsierte, Einspritzungen in die Haut mit Lösungen zu machen, die Streptokokken-Toxine enthielten“ (Archiv des International Trade Service, Bad Arolsen, Sachdokumente, Ordner 1/34, S. 53).

Im OVB wird Muenchs Äußerung zitiert: „Ich konnte an Menschen Versuche machen, die sonst nur an Kaninchen möglich sind.“ Der Satz (aus einem „Spiegel“-Interview von Bruno Schirra aus dem Jahr 1998, Heft Nr. 40, S. 90 bis 100) bleibt leider unkommentiert. Genauso der Zusatz, dass es sich um eine „wichtige wissenschaftliche Arbeit“ gehandelt habe. Muench zeigt keine Spur von Reue, keine von Scham – im Gegenteil, Stolz und Bedauern, dass so etwas heute nicht mehr machbar ist, werden sichtbar. Dass Muench Jahrzehnte lang „den guten Menschen von Auschwitz“ geben konnte und nicht wie seine Mit angeklagten am 22. Dezember 1947 im Krakauer Au schwitzprozess zum Tode verurteilt wurde, zeigt, dass seine Verbrechen damals noch nicht hinreichend ans Tageslicht traten. Dass so jemand aber ungeschoren davon kam und in der Bundesrepublik „jahrzehntelang erfolgreich als Landarzt“ wieder praktizierte, lässt einen schon schaudern. Leider war dies aber bei Weitem kein Einzelfall, sondern bei Nazitätern eher die Regel. Darüber wäre zu berichten.

Andreas Salomon

Rosenheim

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