Echte Heldinnen der 50er-Jahre

Zu „Die Mütter von damals“ (Leserbrief von Bodo Schulz):

Danke, Herr Schulz, für Ihren Beitrag. Wir Nachkriegsgeneration wissen nur zu gut, unter welch unglaublich harten Gegebenheiten unsere Mütter den Haushalt bewältigt und ihre Kinder großgezogen haben. In den meisten Haushalten gab es keine Zentralheizung, kein fließendes Warmwasser, keinen Geschirrspüler, keine Kaffeemaschine, noch nicht mal eine Waschmaschine oder einen Wäschetrockner! Man musste erst Holz und Kohlen aus Keller oder Schuppen heranschleppen, bevor man ans Einheizen und somit an eine warme Stube und an heißes Wasser denken konnte, das zum Kochen, Geschirrspülen, Putzen, zur Körperhygiene nötig war. Wäschewaschen war tagesfüllende Schwerstarbeit: In der Waschküche Kessel einheizen, die Wäsche auf dem Waschtisch schrubben, mit den Händen auswringen, auf die Leine hängen, abnehmen, in die Wohnung schleppen und später die damals keineswegs mit bügelfreien und pflegeleichten Fasern ausgestattete Wäsche bügeln. Kleidung wurde genäht, geflickt, gestopft. Fertiggerichte und Mikrowelle existierten nicht – Mutter hat täglich frisch gekocht. Und trotzdem hatte sie neben all der mühseligen Hausarbeit Zeit, mit uns zu spielen, zu singen, zu basteln, Hausaufgaben zu überwachen, für uns Kinder da zu sein. Unsere wunderbaren Mütter haben uns Höflichkeit, Rücksichtnahme, Gerechtigkeit, Maßhalten, Dankbarkeit, Respekt vor den Mitmenschen gelehrt und uns zu frohen, lebensbejahenden Mitgliedern der Gesellschaft gemacht. Wenn sich nun heute so manche junge Mutter entrüstet: „Jetzt muss ich mich selber um meine Kinder kümmern“, dann wünschte ich mir, diese sogenannten „Heldinnen der Corona-Krise auf eine kleine Zeitreise“ in die 50er-Jahre schicken zu können.

Irene Ullrich

Bruckmühl

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