Diskussion um Tests und Maßnahmen

Die Debatte über die Corona-Tests und die Aussagekraft der Zahlen reißt auch unter unseren Lesern nicht ab.
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Die Debatte über die Corona-Tests und die Aussagekraft der Zahlen reißt auch unter unseren Lesern nicht ab.

Zur Berichterstattung über das Corona-Virus und die Demonstration am 29. August in Berlin (Politik/Leserbriefe):

In den Medien wird oft sehr einseitig über das Thema Corona berichtet. Hier zwei Beispiele. In einem aktuellen Fernsehbericht wurde ein kleines, allein stehendes Haus mit heruntergelassenen Rollläden gezeigt: Schnitt. Danach wurde eine verdreckte unhygienische Toilette gezeigt: Schnitt. In der nächsten Einstellung war eine Wand im Dachgeschoss mit abgerissener Tapete zu sehen: Schnitt. In diesem rund zwei Minuten langen Bericht zum Thema Mitarbeiterunterkünfte wurden dreimal diese Toilette und zweimal die Wand gezeigt. Dieser Beitrag suggeriert: So sehen Wohnungen von Werksvertrags-Mitarbeitern aus. Von einem seriösen Journalisten hätte man erwartet, dass ein Beispiel einer sauberen und aufgeräumten Unterkunft folgt. Die gibt es auch.

Beispiel zwei: die Kronzeugen. Eine ehemalige Mitarbeiterin wird über ihre Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Arbeitszeiten interviewt. Sie erzählt, wie schwer ihr diese Arbeit gefallen ist. Im Hintergrund gehen Hunderte von Mitarbeitern zu ihrem Arbeitsplatz. Für diese Journalisten wäre es ein Leichtes gewesen, ein oder zwei dieser Mitarbeiter zu fragen, wie sie ihre Arbeitsverhältnisse darstellen. Beispiele dieser Art könnten ohne Probleme fortgeführt werden. Seriöse, ausgewogene und gut recherchierte Berichterstattung sieht anders aus. Hier wird gerade das gute Bild der deutschen Medien verspielt.

Franz Smeets

Bruckmühl

In Deutschland und Bayern konnte die Politik mit der einfachen Botschaft von der Ausweitung von Corona-Tests die Mehrheit hinter sich versammeln. Seit einigen Wochen werden nun wieder höhere Zahlen an täglichen Positiv-Tests gemeldet. Angesichts des staatlich ersonnenen Mechanismus muss man mit neuen/alten Einschränkungen oder wenigstens mit einem Stop weiterer Öffnungen rechnen, wenn der Trend anhält. Daher ist es wichtig, die Herkunft der höheren Zahlen zu kennen. In Deutschlands Laboren werden derzeit Kapazitäten für wöchentlich 1,4 Millionen PCR-Tests bereitgehalten. In der Kalenderwoche 34 hat man davon 987 000 in Anspruch genommen. Gegenüber der Woche 11, in der es rund 127 000 Tests gab, bedeutet das eine Steigerung um rund 670 Prozent. Im Frühjahr testete man ausschließlich Menschen mit Krankheitsanzeichen, heute testet man auch Tausende symptomfreie Kandidaten. Wenig überraschend sowie wie von vielen Experten erwartet, ist die Anzahl der Positiv-Tests angestiegen und hat nun wieder Dimensionen erreicht, die wir überwunden glaubten. Aber ist das noch vergleichbar?

Die prozentuale Trefferquote ist mit nur noch 0,9 Prozent gegenüber 9,0 Prozent in der 13. Woche dramatisch niedriger. Dabei haben die allseits verdächtigen Urlaubsrückkehrer mit ihrer Quote von nur 0,5 Prozent sogar noch verbessernd beigetragen. Wer in der Öffentlichkeit weiterhin nur mit der absoluten Zahl der täglichen Positiv-Tests argumentiert und sowohl die Test-Trefferquote als auch die Belegung der Krankenhausbetten und Intensivbetten nicht berücksichtigt, zeichnet ein falsches Bild. Wird das zur Grundlage der Politik, kann auch diese nicht richtig sein.

Ganz ausblenden muss man dabei sogar, dass viele Tests und der damit verbundene Aufwand einfach als Verschwendung gebucht werden müssen, weil Tests vor Ablauf von einigen Tagen bei Infizierten das Virus nicht nachweisen können.

Norbert Vogel

Schechen

Die „Pandemie“ als Totalblockierer der Grundrechte der Bevölkerung und des Wirtschaftslebens. Veranlasst werden die Maßnahmen durch Personen, die keinerlei Berufsrisiko tragen und mit einem festen Gehalt jeden Monat nach Hause gehen. Auf der anderen Seite sind Betriebe gefährdet, Existenzen gerade von solchen Personen bedroht, die sowieso jeden Cent umdrehen müssen oder vom Grundrecht auf Bildung ausgeschlossen werden. Dieser Pandemie-„Panikmache“ sollten einmal mehr Hintergrundinformationen zugefügt werden!

Wir bekommen täglich Panikmeldungen über Infektionszahlen übermittelt, jedoch keine Infos über Krankheitsverläufe. 1. Wer war positiv, hatte aber keine Symptome? 2. Wer war positiv und hatte nur leicht Symptome wie Halsschmerzen oder Reizhusten? 3. Wer war positiv mit Symptomen plus erhöhter Temperatur oder Fieber? 4. Wer zeigte keinerlei Folgesymptome? 5. Wer musste stationär behandelt werden? 6. Wer musste intensivmedizinisch behandelt werden? 7. Wer ist ausschließlich an den Folgen von Corona gestorben?

Wenn wir diese Zahlen übermittelt bekämen, käme auch mehr Licht in den Tunnel der Pandemie. Daraus könnte man die Gefährlichkeit realistisch einschätzen und manche Maßnahme könnte vernachlässigt werden. Hoffen wir auf die Schnelltests. Selbst wenn diese keine hundertprozentige Sicherheit darstellen sollten, so könnte das Risiko doch erheblich realistischer dargestellt werden. Vielleicht läuft die Panikmache dann ins Leere und wir können mit unseren Hilfsmitteln wie MNS-Masken und notfalls mit Abstand das normale Leben wieder in die Gänge kommen.

Dr. Rolf-Jürgen Löffler

Stephanskirchen

Angesichts der Leserbriefe von Martina Schmid und Dr. Richard Püchner zum Thema Corona könnte ich explodieren. Ich bin der Meinung, dass die beiden Schreiber bestimmt nicht selbst oder deren Familienangehörige an Corona erkrankt sind, denn dann würden sie anders denken. Wenn ich von Martina Schmid lese, dass Corona ein „vergleichsweiser harmloser“ Virus sei, der wieder für Ausgleich sorgt und eigentlich nur Schwache, Kranke und Alte in eine andere Welt gehen, sehe ich dies als Frechheit.

Und wenn Dr. Richard Püchner der Meinung ist, dass es eine zweite Welle nicht geben wird, da derartige Wellen nach etwa zwei bis drei Monaten zu Ende sind, hat er bestimmt nicht bei Betroffenen nachgefragt. Ich war selber an Corona erkrankt und zwei Wochen in stationärer Behandlung und habe an dieser „so harmlosen“ Krankheit auch nach fünf Monaten noch zu leiden. Ich bin zwar 68 Jahre alt, möchte aber noch nicht zu diesen von Frau Schmid genannten Personen gehören. Ich würde den beiden Leserbrief-Autoren raten, einmal zu einem Treffen von Corona-Erkrankten zu gehen und sich aufklären zu lassen.

Hans Fill

Taufkirchen

Als Politikwissenschaftler ist mir beim Studieren der zahlreichen Leserbiefe zu diesem Thema aufgefallen, dass sich die Schreiber in zwei Gruppen unterteilen lassen. In eine Gruppe, die sich unabhängig informiert oder selbst vor Ort war wie Leserbrief-Autorin Brigitte Lichtenau. Da die selbsternannten Qualitätsmedien rein gar nichts über die Rede von Robert Kennedy Jr. in Berlin berichtet haben, kann das nur wissen, wer gut informiert ist. Die andere Gruppe plappert unreflektiert nach, was ihnen das Staatsfernsehen auftischt. Im Leserbrief von Frau Brod lassen sich ganze Passagen finden, die fast wortgleich so vorgegeben wurden.

Aus eigenen Erfahrungen mit meinen Mitbürgern muss ich leider sagen, dass gerade solche Personen sich als unkritisch und als obrigkeitshörige Ja-Sager herausstellen, die bisher immer betont haben: „Sie hätten im Dritten Reich und unter Hitler natürlich (!) alles ganz anders gemacht.“

Bernhard Baron Boneberg

Rosenheim

Wie schon in vorangegangenen Berichten wird auch bei der Berichterstattung über die Demonstration am 29. August in Berlin vollkommen irreführend alles durcheinander geworfen. Ich war wieder vor Ort und habe es live miterlebt: Die große Menge der friedlichen Demonstranten war aufgrund der Corona-Maßnahmen hier – vollkommen unabhängig von den wenigen radikalen „Reichstagsstürmern“, die wohl der Gruppe der Reichsbürger und Rechtsextremen zuzuordnen sind.

Bundespräsident Steinmeier empört sich darüber, dass „Corona-Demonstranten“ zusammen mit Reichsbürgern auftreten. Das würde bedeuten, dass ich als Mittäter bezeichnet werde, wenn ich zufällig gleichzeitig mit einem Bankräuber in der Bank bin. Die Initiative Querdenken jedenfalls ist nicht verantwortlich für Krawallmacher. Die Behörden haben mit allen Mitteln versucht, die Corona-Demo zu verhindern. Alle Straßen-Zugänge zum Versammlungsort wurden von der Polizei abgeriegelt. Da einige Demonstranten mit der U-Bahn vor Ort ankamen und der geplante Umzug von den Behörden durch Absperrungen verhindert wurde, war ein Mindestabstand teilweise nicht möglich.

Letztendlich kamen die geplanten Redner, unter ihnen auch Robert Kennedy, doch zu Wort. Alles lief friedlich ab, auch die Mindestabstände wurden eingehalten, weil die Teilnehmer nicht mehr eingesperrt waren. Nach vielen Gesprächen mit den Anwesenden treibt alle die große Frage um: Was ist der Hintergrund für die Corona-Maßnahmen der Regierung bei momentan gerade einmal 230 in diesem Zusammenhang belegten Intensiv-Betten in ganz Deutschland? Das ist im Durchschnitt weniger als eine Person pro Landkreis. So schlimm das Einzel-Schicksal auch sein mag, die bisher Verstorbenen machen statistisch gesehen ein Prozent, Herz-Kreislauf-Erkrankungen dagegen 36 Prozent aller Todesfälle aus.

Cornelia Scheidl

Bruckmühl

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