Diskussion um „Nord Stream 2“

Das Verlegeschiff „Audacia“ verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline „Nord Stream 2“.
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Das Verlegeschiff „Audacia“ verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline „Nord Stream 2“.

Zu den Kommentaren von Georg Anastasiadis „Berlins teure Alleingänge“ und Friedmann Diederichs „Nord-Stream-2-Sanktionen: Jede Menge Heuchelei“:

Sehr geehrter Herr Diederichs, Sie stellen sich argumentativ eher auf die Seite der Amerikaner. Sie sehen dieses Thema aus rein politischen Aspekten und dies ist ihr Kardinalfehler. „Nord Stream“ ist für Deutschland ein wirtschaftliches Projekt, das langfristig unsere Energie sichert. Ihnen ist wohl nicht klar, dass nach dem Abschalten aller Kernkraftwerke Ende 2022 und dem stetigen Ausstieg aus der Kohle, das Gas aus Russland und aus Norwegen, die einzige Energiequelle ist, die unsere Stromversorgung über GUD-Gaskraftwerke zukünftig absichern wird.

Diese Pipeline ist in deutschem Interesse und schädigt faktisch kein einziges Land in der EU. Die Einsprüche, die von einigen Staaten gegen die Pipeline kommen, sind von egoistischen, innenpolitischen Interessen getrieben. Diese EU-Staaten vertreten ihre eigenen Inte ressen, nur wir sollen unsere eigenen Interessen nicht vertreten? Was in Ihrem Kommentar fehlt, ist die Kritik an der Methode, die die Amerikaner gegen Deutschland derzeit mit der Brechstange durchsetzen.

Was glauben Sie, wie die Amerikaner reagieren würden, wenn wir den Bau der kanadisch-amerikanischen Pipeline, die Öl aus den kanadischen Ölsand-Quellen transportiert, sanktionieren würden? Jeder, der bei Verstand ist, würde dies als absurde Einmischung betrachten. Aber genau das ist es, was die Amerikaner derzeit gegen Deutschland tun. Deutschland bestreitet ein Drittel des Budgets der EU und nach dem Brexit könnte es noch mehr werden. Aus ihrem Kommentar ist auch zu entnehmen, dass Sie wünschen, dass Deutschland einknickt und dann alternativ teures US-Fracking-Gas kauft. Dass sich hierdurch unsere Energiepreise für Strom und Heizgas für die Bürger weiter verteuern, ist Ihnen vermutlich nicht in den Sinn gekommen. US- Fracking-Gas ist deutlich umweltschädlicher als russisches Erdgas, das uns schon über 50 Jahre zuverlässig geliefert wird.

Herbert Sax

Großkarolinenfeld

Herr Anastasiadis, sind wir doch mal ganz ehrlich, wenn Sie und ich zuständig wären für die Gasversorgung Deutschlands und Wert auf zuverlässige Lieferung legen müssten, für wen würden wir uns entscheiden? Für Trump oder für Putin? Natürlich für Putin! Denn wir wissen, die Russen halten sich an Verträge.

Bei Trump weiß man, dass er sich nur an Verträge hält, die ihm nützlich sind. Er hat auch kein Problem, engste Kampfgenossen ans Messer zu liefern, siehe Kurden in Syrien. Wir sind mit den USA in der NATO, seit vielen Jahren engste Freunde und Verbündete, bis Trump kam.

Bei Trump heißt es, entweder ihr macht das, was ich will, oder „es gibt einen in die Fresse“ – siehe Ostsee-Pipeline oder auch Auto-Importe etc. Je nach Stimmungslage betrachtet uns Trump einmal als Freund und am nächsten Tag als Feind. Ich finde es traurig, dass es so ist. Was Trump natürlich will, ist, dass er sein teures Fracking-Gas an uns verkaufen will, die Demokraten natürlich auch. Wobei aber Trump kein Problem hätte, die Gasversorgung auch als Druckmittel gegen uns einzusetzen. Zu Polen und zur Ukraine ist zu sagen, denen ist die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas vollkommen gleichgültig, solange die Pipelines über ihr Staatsgebiet laufen, denn damit kann man viel Geld verdienen.

Wie singt doch Haindling: „Des Oanzige wos zählt auf dera Welt is a Geld“. Genau darum geht es. Es geht immer nur um Macht und Geld.

Alfred Burger

Mühldorf

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