Die Kirche zwischen Bewahrung und Aufbruch

Zu „Zweifelhafte Verdienste der katholischen Kirche“ (Leserbriefe) und zum Bericht „Hunderte feiern Messe auf Latein“ (Bayern):

Was bewegt Menschen, für alle Übel in der Welt die Schuld der „Kirche“ zu geben? Bei der Aufzählung kirchlicher Sünden wird kein Klischee ausgelassen. Von den vielen möglichen Gründen seien zwei angeführt. Erstens: Der Abfall vom Glauben führt zu Formen der Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit. Der grollende Christ oder Ungläubige fühlt sich wegen seiner religiösen Einstellung ausgegrenzt, während er sich doch weit bessere Verdienste zuschreiben kann als bestimmte bigotte Personen. Zweitens: Der Blick auf Menschen, die ihrem Glauben treu geblieben sind, erzeugt Neid und schlägt um in Ressentiment und allmähliche Abwertung von allem, was andere für gut und richtig halten. Glaubensabfall bedeutet Geschichts- und Sinnverlust: Eine 2000-jährige Geschichte europäischen Christentums, deren Erbe wir alle sind, bleibt unverstanden. An ihre Stelle treten Utopien, Selbsterlösungslehren und religiöser Relativismus.

Viele Kirchenkritiker legen sich ihr eigenes Evangelium zurecht. Dennoch sei den Kritikern einiges zurechtgerückt: Aufgabe der Kirche ist, die Menschen zu ihrem ewigen Heil zu führen, indem sie die Lehren und ethischen Verhaltensweisen vermittelt, die in den Schriften des Neuen Testaments grundgelegt sind. Der Getaufte behält bei all dem jedoch seinen freien Willen, sei er Laie oder Kleriker. Hält er sich nicht an die göttlichen Gebote, ist er vielen Versuchungen von Begierden und Leidenschaften ausgesetzt. Weiterhin hat Jesus selbst im Beispiel der Steuermünze zwischen Ordnungen weltlicher und geistlicher Autorität unterschieden. Über die Heiligen gibt es genügend Publikationen, die bestehende Vorurteile ausräumen können.

Armin Rieble

Stephanskirchen

Leserbriefschreiber Jakob Grandl ist wohl gegen jede Reform! Er besteht auf Gebetsformen aus dem 16. Jahrhundert (!), in denen es heißt: „…du bist gebenedeit unter den Weibern…“. Das ist wirklich tiefstes Mittelalter! Meines Wissens wird doch schon einige Jahre „…gebenedeit unter den Frauen...“ gebetet. Wobei den meisten Gläubigen wohl nicht mal geläufig ist, was „gebenedeit“ bedeutet (laut Wikipedia „gesegnet“).

Kein Wunder, dass jährlich an die 500 000 Gläubige aus der katholischen Kirche austreten!“

Wolfgang Maier

Bruckmühl

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