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Die Geschichte der Religion passt nicht zu den Aussagen des Theologen

Zum Interview mit dem Theologen Johannes Boldt „Brücken bauen zwischen Menschen“ (Lokalteil):

Der Theologe Johannes Boldt behauptet in seinem aktuellen OVB-Interview: „Religion ist ihrer Natur nach das Gegenteil von Gewalt und Krieg.“ Das wäre schön, wenn er recht hätte. Aber die Religionsgeschichte lehrt uns leider das genaue Gegenteil.

Die frommen Juden etwa führten in ihrer Frühzeit ständig Kriege gegen ihre Nachbarvölker, sie vollstreckten an ihnen den „Bann“ – laut (falscher) biblischer Überlieferung sogar an den Ägyptern, einer damaligen Großmacht. Und der jüdische Gott Jahwe bestraft sein Volk immer wieder für seine Sünden, zum Beispiel mit einer Sintflut, tat ihm also furchtbare Gewalt an.

Was nun das Christentum betrifft, so entsprang es aus einer abscheulichen Gewalttat an einer bestimmten Einzelperson, die zu einer weltumfassenden religiösen Erlösungstat uminterpretiert und hochstilisiert wurde. Und die frühen Christen hatten nichts Eiligeres zu tun, als den „Ungläubigen“ die ewige Verdammnis anzudrohen, eine Gewalt in höchster Potenz.

Auch die christliche Mission wurde früher oft gewaltsam betrieben, mit „Feuer und Schwert“. Wer nicht glauben wollte, der musste dran glauben. Für die Moslems gilt im Prinzip dasselbe wie für die Juden und Christen. Sie schafften es in knapp Hundert Jahren mit Hilfe von „Heiligen Kriegen“, die ganze nordafrikanische Küste und den Vorderen Orient für ihre Religion gewaltsam zu erobern.

Aber das reicht ihnen noch nicht, sie wollten mehr: Paris (8. Jahrhundert), Jerusalem (11. Jahrhundert), Konstantinopel (15. Jahrhundert) und Wien (16. und 17. Jahrhundert). Und es gelang ihnen tatsächlich, einen Teil dieser Städte zu erobern und den Islam nach Europa hinein gewaltsam auszudehnen.

Damit dürfte klargestellt sein, dass Religion und Krieg nur eine christliche Wunschvorstellung des gläubigen Theologen Johannes Boldt ist, die einer historischen Überprüfung nicht standhält. Der bayerische Philosoph Ludwig Feuerbach hat das verallgemeinert und kommt zu der Schlussfolgerung: „Das Wesen des Glaubens ist, dass das ist, was der Mensch wünscht.“ In diesem Sinne sei davor gewarnt, sich die Religionsgeschichte nach Wunsch zurechtzubiegen.

Ulrich Kretschmer

Prien

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