Die Bahn plagt Politik- und Systemversagen

Das Thema Deutsche Bahn beschäftigt unsere Leser – vom Verordnungswahn bis zum Missmanagement.
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Das Thema Deutsche Bahn beschäftigt unsere Leser – vom Verordnungswahn bis zum Missmanagement.

Zum Thema „Verordnungswahn im Bahnverkehr“ und „Die Bahn AG: Die unendliche Geschichte von Missmanagement und Missbrauch durch die Politik“ (Bayern/Politik):

Zum Bahn-Chef wurden seit 1991 dreimal Personen aus dem Daimler-Konzern ausgewählt – jeweils ohne Bahn- und Dienstleistungs-Erfahrung. So machte es Herrn Mehdorn nichts aus, Kunden vor laufender TV-Kamera abzukanzeln oder die geschäftsschädigende Aussage zu machen, länger als drei bis vier Stunden könne man nicht mit dem Zug fahren. (Einen Verweis des Verkehrsministers gab es übrigens nicht!) Nun ist ein „Bahner“ Chef – jedoch nur formell. Der Politiker Pofalla (Vorstand DB-Netz) ist der starke Mann. Er beschafft die Milliarden Steuergelder, sodass man ruhig weiterwursteln kann: Wie kann es sein, dass ein Politiker, der keinerlei Fachkenntnis (zum Beispiel im Bau-Management) hat und nie eine Leitungsfunktion in einem Großunternehmen hatte, Vorstand bei der Bahn spielen darf?

Schon 2017 traten die Schwächen des Herrn Pofalla im Bau-Management deutlichst auf bei der Rastatt-Havarie: Der volkswirtschaftliche Schaden lag bei zwei Milliarden Euro. Nur durch einen glücklichen Zufall gab es kein schweres Zugunglück. Bei der anschließenden Verkehrsumleitung gab es weder Notfallpläne noch praktikable Umleitungsstrecken.

Auch heute noch ist das Baustellen-Management chaotisch. Der Aufsichtsrat ist bestückt mit Politikern und Ministerialbeamten. Dieser politische Missbrauch begann schon unter Herrn Mehdorn: Ausgediente Politiker konnten noch drei Jahre lang obere Führungskraft bei der Bahn AG spielen, um ihre Finanzen zu vermehren. Das Chaos bei den Baustellen führt jetzt dazu, dass die privaten Bahnfirmen, die ja keine Massen an Staatsgeldern erhalten, in Schwierigkeiten geraten. So kann man sich im Management der Bahn AG wohlfühlen: Der Staat zahlt, und den Konkurrenten, die wesentlich produktiver als die Bahn AG arbeiten, geht es schlecht.

Jürgen Böhm

Kolbermoor

Verkrustete Bahnvorschriften wirken sich alltäglich vor unseren Windschutzscheiben aus: Warum müssen zum Beispiel die Schranken in Reitmehring bereits für gut vier Minuten die B 304 sperren, während der Zug aus Mühldorf erst einläuft, dann hält und die Passagiere komfortabel aus- und einsteigen, bevor er wieder anfährt? Andererseits wird in Rott-Lengdorf die ebenso stark befahrene B15 schon nach nur 20 Sekunden Sperre wieder frei gegeben, in denen der Zug durchrauscht?

Im Straßenverkehr warnen grell blitzende Gelbleuchten vor Gefahr. Die Bahn aber funzelt seit undenklichen Zeiten mit trüber Rotlichtbestrahlung! Wieso bejammert die Bahn händeringend Hunderttausende an Kosten, um einen bereits tödlichen Übergang Edling-Viehhausen zu beschranken? Es gilt doch nicht, Panzersperren zu errichten! Jeder halbwegs geschickte Heimwerker fände im Baumarkt solide Plastikrohre, Warnfarben, Seilzug, E-Motor, Kleinteile und Elektronik, um eine unübersehbare, optisch wirksame Schranke am Signal zu installieren und dem gedankenverlorenen Autofahrer vor die Nase zu senken!

Zu guter Letzt: Jeder Bergwanderer in Not kann heutzutage mit dem Handy Hilfe rufen. Aber ein schockstarrer Fahrdienstleiter in Bad Aibling musste 2016 hilflos zwei Personenzüge in die Katastrophe fahren lassen: Bahntechnisch ein zweites Mal irrend, waren die Kollegen nicht mehr zu warnen, Leben zu retten und seine Unachtsamkeit eines Lidschlags auf ewig zu heilen!

Menschliches Versagen? Nein, Politik- und Systemversagen nenne ich das !

Berndt Schönwald

Ramerberg

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