Deutsche Vorliebe für Fremdwörter

Zu „Zu viele Anglizismen“ (Leserbrief von Rudolf Neumeier):

Herr Neumeier beklagt sich darüber, dass Medien und Politik in Deutschland zu viele Anglizismen verwenden würden. Er hat damit vollkommen recht und spricht mir sowie vielen älteren Deutschen sicherlich aus der Seele. Die Deutschen waren immer schon anfällig, was ihre Vorliebe für Fremdwörter betrifft. In der Barockzeit war fast jedes dritte Wort „à la mode“ französisch. Und nach dem Zweiten Weltkrieg schwappte eine erste Welle von Anglizismen über Deutschland hinweg. Vokabeln wie Baby, Party oder sexy wurden nun wie selbstverständlich verwendet. Inzwischen sind weitere Wellen gefolgt und haben die deutsche Sprache sich selber so entfremdet, dass man schon von Denglisch spricht. Besonders ärgerlich ist, dass heute oft gedankenlos englische Wörter gebraucht werden, für die es gleichwertige oder sogar bessere deutsche Ausdrücke gibt. Das gilt zum Beispiel für relaxen statt entspannen, Hotspot statt Brennpunkt oder Sale statt Ausverkauf. Leider hat unser nationales Selbstbewusstsein durch historische Umbrüche so gelitten, dass viele Deutsche dieser Entwicklung ohnmächtig gegenüberstehen und nicht wagen, dagegen etwas zu unternehmen. Da verhalten sich unsere Nachbarn, die Franzosen, ganz anders. In Frankreich können sogar Bußgelder verhängt werden, wenn Autoren in ihren Texten zu viele Fremdwörter verwenden. So versuchen die Franzosen, ihre Sprache rein und unverfälscht zu erhalten.

Ulrich Kretzschmar

Prien

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