Das denken Leser über das diesjährige Rosenheimer Starkbierfest

Zur Berichterstattung über das diesjährige Rosenheimer Starkbierfest (Lokalteil):

In unglaublich fahrlässiger und ignoranter Weise versucht die Auerbräu AG, der Festwirt und augenscheinlich das Ordnungsamt der Stadt Rosenheim, das Rosenheimer Starkbierfest im Nachhinein zu rechtfertigen. Angesichts der bereits Anfang März stark steigenden Infektionen im Rheinland, hätte es nur der Beachtung der Empfehlung zur Absage des Gesundheitsamtes Rosenheim bedurft, um dieses „Großereignis“ nicht stattfinden zu lassen. Als ob die Erkenntnislage nach drei Tagen intensiver Starkbierfestivität eine andere gewesen ist als zu Beginn, am 9. März 2020. Welch eine fatale Botschaft der Auerbräu-Verantwortlichen, von einem „mutigen und starken Zeichen der Stadt Rosenheim und von OB Bauer“ zu sprechen angesichts der heutigen Situation. Und die Unfähigkeit zur Reflexion steigert sich, wenn die Herrschaften von Auerbräu weiterhin behaupten, sie hätten alle Vorgaben und Vorschriften für Großveranstaltungen umgesetzt, wie die Abstände der Tische. Ein Blick auf diverse Fotos zeigt das Gegenteil. Scheinbar leben die Verantwortlichen von Auerbräu in einer anderen Welt, wenn sie davon sprechen, dass sich niemand von Auerbräu und den Gästen mit dem Virus angesteckt habe. Selbst Virologen können heute die Ansteckungskette nicht mehr nachverfolgen.

Werner Madsack

Bad Endorf

Der Amtsleiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, sieht die Ursache, weshalb sich der Raum Rosenheim zum Corona-Hot-Spot entwickelt hat, im Skitourismus mit Tirol und Südtirol. Anhaltspunkte, dass auch das Starkbierfest in Rosenheim dazu beigetragen haben könnte, gibt es seiner Aussage nach nicht, „das wäre rein hypothetisch.“ Demgegenüber sieht der Virologe Professor Hendrik Streeck Großveranstaltungen als die schlimmsten Infektionsherde. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Dr. Hierl seinerzeit davon abgeraten hat, das Starkbierfest zu eröffnen, das Ordnungsamt der Stadt diese Empfehlung aber gemäß OVB vom 31. März nicht angenommen hat, weil das Gesundheitsamt nicht formuliert habe, dass eine Absage zwingend erforderlich sei. Zumindest so wie es im OVB zu lesen war, sehe ich die Aussage von Dr. Hierl hinsichtlich der vermuteten Ursache Skitourismus als eine nicht auf Zahlen basierende, rein persönliche Einschätzung. Meines Wissens sind die Infizierten in Stadt und Landkreis dem Gesundheitsamt namentlich bekannt. Wäre es für das Gesundheitsamt so schwierig, von diesen Personen zu erfahren, ob sie beim Skifahren in besagten Gebieten oder beim Starkbierfest waren beziehungsweise Kontakt mit Leuten hatten, von denen ihnen entsprechende Besuche bekannt sind und dann anonymisiert entsprechende Zahlen zu nennen? Dann wäre es möglich, einen mit Worten alleine nicht ganz von der Hand zu weisenden möglichen Zusammenhang mit dem Starkbierfest, zu dem sich auch Ministerpräsident Söder geäußert hat, zu entkräften.

Dr. Walter Bergbauer

Rosenheim

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