Demokratie muss „Querdenken“ aushalten

An mehreren Orten in der Region – wie hier in Mühldorf – demonstrieren immer wieder Menschen gegen die ihrer Meinung nach unangemessenen Maßnahmen im Kampf gegen Corona.
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An mehreren Orten in der Region – wie hier in Mühldorf – demonstrieren immer wieder Menschen gegen die ihrer Meinung nach unangemessenen Maßnahmen im Kampf gegen Corona.

Zur Berichterstattung über die „Querdenken“-Demonstrationen (Politik/Regionalteil/Lokalteil):

Diese Demonstrationen muss unsere Demokratie aushalten, sonst sind wir keinen Deut besser als Polen, Ungarn oder Belarus. Das Fatale ist, dass hier die Demonstranten Teil des Problems werden, denn sie stecken sich an. Die Corona- Werte bleiben dadurch hoch und die Maßnahmen müssen verlängert werden. Also Dinge, die sie bekämpfen.

„Querdenker“ müssten – wenn sie konsequent sind – eine Patientenverfügung abgeben, in der sie erklären, auf keinen Fall wegen Covid-19 in ein Krankenhaus zu gehen. Das wäre konsequent gegenüber den Pflegekräften, den Krankenkassen und der größeren Allgemeinheit. Und das wäre dann quasi aus ihrer Position weitergedacht – oder kommt da dann noch mal quer?

Eine große, weitere Bitte und den Wunsch auf soziale Vernunft habe ich an die Demonstranten noch: Bitte lassen Sie Kinder als aktive Demonstranten und Botschafter persönlicher Meinungen von Erwachsenen aus dem Spiel. Damit werden Grenzen überschritten!

Manfred Strattner

Feldkirchen-Westerham

Ich möchte meinen Beitrag mit einem Spruch von Bertrand Russel beginnen: „Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel“. In erster Linie sind damit die hochgelobten „Querdenker“ gemeint, die offensichtlich unfähig sind vorauszudenken oder nachzudenken, daher müssen sie querdenken. Der zweite Teil des Ausspruchs bezieht sich in diesem Fall auf die Virologen, die mit den noch unvollständigen Erfahrungen optimale Lösungen vorausdenken und hinterher nachdenken und auch prüfen, ob die Maßnahmen wirklich optimal sind. Sie als „Allesverhinderer“ zu titulieren ist eine Missachtung dieser derzeit involvierten Wissenschaftler und Politiker.

Und warum „Nicht auch noch das Lachen verbieten“ (Leserbrief von Theo Auer) erübrigt sich spätestens, wenn nicht mehr ausreichend freie Intensivbetten und nicht ausreichend Pflegepersonal verfügbar sind, wo dann Ärzte und Sanitäter entscheiden müssen, wer die Atemmaske bekommt. Spätestens dann vergeht uns allen das Lachen, ein Verbot erübrigt sich dann.

Lesen diese „Querdenker“ keine Berichte oder Statistiken? Man könnte meinen, sie sind Analphabeten. Ich habe über längere Zeit die Statistiken verfolgt und kann nachfolgende Zahlen nennen. Am 28. Oktober gab es noch 8184 freie Intensivbetten: Heute – rund einen Monat später – sind es nur noch 5318, also 2866 und damit 95 pro Tag weniger. Ohne die „Allesverhinderer“ gäbe es bis Ende Dezember nur noch 2452 freie Intensivbetten und Ende Januar wäre Schluss. Wer später erkrankt, der hat Pech gehabt.

Viktor Noszko

Eiselfing

Dass auch andere Demos von Teilnehmern, die nicht unbedingt aus rechten Ecken kommen, aus verschiedensten Gründen gestört werden, weiß man. Und ein paar Menschen mit einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung gibt es immer. Sie werden dann den Medien als „Die Demonstranten“ zur Verallgemeinerung dienen.

Trotzdem muss Demokratie das aushalten, um unlogische und willkürliche Maßnahmen zu hinterfragen. Und gerade im Hinblick auf die Vergangenheit und viele Skandale in der politischen Szene (parteiübergreifend) ist es sogar eine Bürgerpflicht. Nur als Befehlsempfänger zu fungieren und alles über sich ergehen zu lassen, ist nicht mein Verständnis eines denkenden, mündigen Bürgers, zumal es genug Andersdenkende mit wissenschaftlichem Hintergrund gibt, die sich mit Vernunft und Augenmaß ebenso gegen die politischen Machtdemonstrationen und das Possenspiel stellen.

Wie viele unlogische und unsinnige Verbote unter Androhung von Bußgeldern wir grade zu bedienen haben, sieht doch nun wirklich jeder. Oder denkt man lieber einfach nicht mehr nach, um ja nicht aus der bequemen Komfortzone zu müssen? Ich finde es ehrlich traurig, wie mit uns Bürgern umgegangen wird. Mein Vertrauen in die Politik ist erschöpft. Aber vielleicht ist auch das gewollt.

Martina Schmid

Neubeuern

So einfach ist das! Mit einer anderen Meinung bin ich ein „Querdenker“, damit nicht vernünftig, also ein Verschwörungstheoretiker! Ich bin kein höriger und angepasster Bürger! Ich erlaube mir, eine eigene Meinung zu vertreten, verlasse mich auf einen gesunden Menschenverstand und informiere mich umfassend und engagiere mich. Insofern bin ich all den mit-„quer- denkenden“ Menschen sehr dankbar.

Ich habe keine Angst vor dem Coronavirus (das ich nicht leugne), sehr wohl aber vor den höchst zweifelhaften und zum Teil unsinnigen Maßnahmen unserer Regierung. Nein, ein Krieg gegen Corona ist durch keine dieser Maßnahmen zu gewinnen, schon gar nicht mittels einer äußerst zweifelhaften und mit Nebenwirkungen behafteten Impfung! Wir wollen um jeden Preis verhindern, dass auch nur irgendjemand an Corona stirbt! Eins ist mir wichtig: Als alter Mann, der als Risikoperson „gehandelt“ wird, will und erwarte ich nicht, dass aus Rücksicht auf mich durch diese massiven Einschränkungen unserer Grundrechte Millionen von Menschen – besonders Kinder, Alte und Kranke – traumatisiert werden; dass so viele Menschen wirtschaftlich in den Ruin getrieben werden. Und an Hunger, Armut und Krankheiten infolge dieser Maßnahmen könnten in den armen Ländern am Ende mehr Menschen sterben als an dem Virus selbst.

Dieter Bauer

Brannenburg

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