Dem Amateurtheater droht das Aus

Zu „Kulturpolitik lässt Maske fallen“ (Kommentar von Markus Thiel im Politikteil):

Der Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn Unterstützung für die Kunst aufgrund der Corona-Krise an letzter Stelle genannt wird, bei allen verständlichen anderweitigen Maßnahmen, so zeigt das die Missachtung oder das Unverständnis aller Verantwortlichen in Politik und Administration. Es drängt sich die Frage auf, warum der Freistaat überhaupt als Kulturstaat deklariert wird. Besonders wirkt sich das bei den ach so hoch gelobten Hilfsprogrammen aus. Die Regularien sind unzureichend gestaltet oder gar nur stotternd angekommen. Noch schlimmer ist es, wenn sich bei Hilfsprogrammen, mit viel Selbstlob seitens der Politik hinausposaunt, so viele Hürden auftun, dass die meisten unserer Antragsteller davon ausgeschlossen sind. Es werden Bedingungen angeführt, die nur dem professionellen Theaterbetrieb zugeordnet werden können. Dass dies vermutlich sogar gewollt ist, zeigt die ablehnende Haltung verantwortlicher Stellen, wenn der Wunsch auf Berichtigung oder Änderung angesprochen wird.

Doch auch das Amateurtheater muss mit hohen Kosten bei jedem neuen Projekt rechnen. Es braucht langfristige Investitionen und verbindliche Zusagen gegenüber Dritten. Dies wird häufig übersehen. Die Zuschüsse, um die wir bitten, gelten dem Erhalt der Vereine. Wenn diese durch die Corona-Krise auseinanderbrechen, geht ein Stück Kultur in Bayern verloren.

Seit nahezu einem Jahr versuchen wir, diesen Missstand zu ändern, doch ohne Erfolg. Andererseits werden Amateurgruppen wie Chöre, Faschingsgruppen sowie Vereine der Heimat- und Brauchtumspflege reichlich mit Hilfsgeldern unterstützt. Bei unserem Verband handelt es sich um 700 Vereine mit rund 60 000 Spielern. Das unausgewogene Handeln zeigt eine Überforderung der Politik, die glaubt, alles im Griff zu haben. Schade!

Horst Rankl

Präsident des VerbandsBayerischer Amateurtheater

Rosenheim

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