Leserbriefe

Debatte um Klimaschutz-Bewegung und ihre Galionsfigur Greta Thunberg hält an

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunbergbeim UN-Klimagipfel der Vereinten Nationen. dpa
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Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunbergbeim UN-Klimagipfel der Vereinten Nationen. dpa

Zur Berichterstattung über den Klimaschutz, Greta Thunberg und die „Fridays-for-Future“-Bewegung sowie zum Kommentar von Norbert Kotter „Der Klimaschutz braucht Einklang statt Parolen“ haben uns zahlreiche spannende Leserbriefe erreicht.

Greta Thunberg hat das "Recht so aufzutreten"

Leserbrief von Johann Huber, Feldolling

Ob der Auftritt von Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel wirklich so unverschämt beziehungsweise bizarr gewesen ist, wie es die Verfasserin aus Wasserburg beschrieb, wird sich die nächsten 20 Jahre zeigen. Und den Auftritt als „Showveranstaltung“ zu bezeichnen, ist schon unverschämt.

Greta Thunberg ist ein 16-jähriger Teenager, der sein Leben noch vor sich hat. Ich bin der Meinung, sie hat das Recht so aufzutreten, auch wenn es nicht in das politische Establishment passt. Fakt ist, das Zeitfenster, um das Steuer noch mal rumreißen zu können, wird immer kleiner, es kann nicht laut genug gebrüllt werden. Erderwärmung, Insektensterben, ganze Baumarten werden die nächsten Jahre verschwinden. Die Meere steigen schneller als vor ein paar Jahren noch vorausgesagt. Starkregen, Stürme, Waldbrände treten immer häufiger und in kürzeren Zeitabständen auf. Die Liste der Naturkatastrophen wird immer länger.

Ich weiß nicht was noch passieren muss, bis wir endlich die Tragweite der von uns verursachten CO2-Emission erkennen. Unser damaliger Ministerpräsident hat schon 1986 die Zeichen der Zeit erkannt und die CO2-Emissionen als eine der größten Gefahren für die Menschheit bezeichnet.

Ich bin froh, dass es einem jungen Menschen wie Greta gelungen ist, die Welt wenigstens ein bisschen aus ihrer Komfortzone zu holen und wachzurütteln. Denn der Luxuszug, in dem wir heute noch gemütlich sitzen, wird schneller an die Wand fahren, als viele denken.

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Lesen Sie auch unser Pro und Contra zu Fridays for Future:

Contra: Der Klimaschutz braucht Einklang statt Parolen

Pro: Dranbleiben, die Proteste zeigen endlich Wirkung

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Religion, angeführt von der heiligen Greta

Leserbrief von Hans Feller, Bad Feilnbach

Die Klimadiskussion hat sich zwischenzeitlich zu einer Religion entwickelt. Angeführt von der „heiligen Greta“. Da sitzt die globale Politprominenz in der UN-Vollversammlung und lässt sich von einer 16-jährigen Schülerin in gröbster Weise die Leviten lesen. Zum Dank für diese Abreibung überreicht man ihr den Alternativen Nobelpreis. Dieses ganze Theater ist an Komik kaum noch zu überbieten.

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Klimaschutz "wird nicht ohne Verzicht gehen"

Leserbrief von Lothar Schultz-Pernice, Rosenheim

Ein Klimaschutz (der sein Ziel erreicht) und eine nachhaltige Wirtschaft sind ohne einen grundlegenden Wandel unserer Lebensweise nicht zu erreichen.

Leider wird es nicht ohne Verzicht gehen, auch wenn es der political correctness widerspricht, dieses Wort zu verwenden. Verzichten müssen werden wir auf den boomenden Flugtourismus, auf unseren exzessiven Fleischkonsum und die damit einhergehende Massentierhaltung, überhaupt auf unsere Anspruchshaltung in Bezug auf Konsum, Mobilität, Wohnen. Schließlich muss durch die „Entschlackung“ unserer Lebensweise das Dasein nicht freudlos werden: Die Älteren werden sich erinnern, dass wir das Leben in den 60er- und 70er-Jahren durchaus genossen haben, ohne uns ausgeschlossen oder abgehängt zu fühlen!

Allerdings ist die große Frage, ob unsere Parteiendemokratie in der Lage ist, solche Probleme zu meistern, die uns nicht hier und heute existenziell bedrohen, sondern deren Auswirkungen erst in einer mehr oder minder entfernten Zukunft voll zu spüren sein werden. Der überwiegende Teil der Menschen ist nun einmal so beschaffen, dass er die düsteren Zukunftsprognosen möglichst ausblendet und erst alarmiert ist, wenn das Unheil greifbar gegenwärtig ist.

Eine nur auf Angebote und Förderung angelegte Politik geht meines Erachtens vom falschen Menschenbild des mündigen, einsichtigen Bürgers aus, den es zwar gibt, der aber leider in der Minderheit ist. In harten Zeiten wie heute, wenn dem Bürger zugemutet werden muss, auf Liebgewordenes zu verzichten, sind leider Ge- und Verbote und Einschränkungen nicht zu vermeiden. Unsere Volksvertreter wissen zwar um die Dringlichkeit, jetzt sofort tätig zu werden, fühlen sich aber von der Zustimmung der Masse abhängig.

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Niemand denkt an die Mehrbelastung der Menschen

Leserbrief von Volker Neufang, Prien

Wenn Jugendliche wie kürzlich in Prien, auf die Motorhaube von Autos springen, gegen die Windschutzscheibe schlagen und die Insassen als „Ökoschweine“ beschimpfen, hat das eher wenig mit friedlicher Demo zu tun. Auch solche Szenarien sollten in der Berichterstattung ihren Platz haben.

Effektiver als auf die Straße zu gehen, wäre die Zeit zu nutzen, um sich selbst zu spiegeln. Die Generation „Fridays for Future“ hat zum jetzigen Klima auch ihren Teil dazu beigetragen. Sie alle durften warm, satt und geborgen groß werden und haben alle Vorzüge ausgekostet. Nun auf die Straße zu gehen und zu sagen, dass alles schlecht ist, ist ein wenig zu einfach (mit vollem Magen ist leicht über Hunger zu sprechen), zumal die Gefühlsausbrüche genannter Generation die Eltern finanzieren müssen.

Die Demonstrationen gegen den Klimawandel sind ein Freibrief an die Politik für zukünftig steigende Energiepreise in jede Richtung. Dabei denkt niemand an die Menschen, die sich die Mehrbelastungen durch die nicht zu Ende gedachten Maßnahmen überhaupt nicht leisten können.

Wenn Deutschland die Welt retten soll, dann müssen wir vor allem auf die Menschen Acht geben, die das bezahlen müssen. Vor gut 500 Jahren konnten sich die Reichen von ihren Sünden, 500 Jahre später von ihren „CO2-Sünden“ freikaufen. Viel geändert hat sich in den Jahren nicht. Diese Art von Politik ist brandgefährlich, denn sie spaltet die Bevölkerung, weil Neid und Missgunst geschürt werden. So werden auch zukünftig Parteien viel Zuspruch bekommen, die wir alle lieber klein sehen wollen.

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Debatte um den Klimaschutz wird immer heftiger

Leserbrief von Wolfgang Maier, Bruckmühl

Die Debatten um den Klimaschutz werden immer heftiger, die Vorschläge dazu immer fragwürdiger und dubioser. Angefangen bei den Schulschwänzern, über diverse Umwelt-Aktivisten bis hin zu Horden von sogenannten Experten und überforderten Politikern: Es werden die absurdesten Ideen und Weisheiten verbreitet. Die Zufahrten und der Eingang der Frankfurter IAA werden von Demonstranten blockiert, Schilder mit „SUV’s töten“ werden hochgehalten, Aktivisten trampeln auf Dächern ausgestellter Fahrzeuge herum und beschädigen somit fremdes Eigentum. Die Hinterlassenschaften nach sogenannten Klimaschutz-Demos zeugen auch nicht gerade von Umweltbewusstsein.

Jetzt wirft das Bundeskabinett noch mal schnell 50 Milliarden Euro als Sofortmaßnahme in den Topf – für was bitte? Etwa für den Bau von Fahrwegen für E-Roller? Dabei wären äußerst wirksame Sofortmaßnahmen umgehend und kostengünstig realisierbar: Das sofortige Verbot von Feuerwerken zum Beispiel. Die Belastung durch CO2 und Feinpartikeln durch Feuerwerke ist unbestritten. Jedes „Kaff“, das ein Volksfest veranstaltet, glaubt, die Leute mit einem Feuerwerk beglücken zu müssen. Beim im Hamburger Hafen abgehaltenen Cruise Day wurden die fünf einlaufenden Riesen-Kreuzfahrtschiffe mit Monster-Feuerwerken begrüßt beziehungsweise haben diese auch selbst verfeuert. Die Unmengen von Partikeln konnte man schön ins Hafenbecken rieseln sehen. Gibt es bei Feuerwerken Demonstrationen dagegen? Ist mir nicht bekannt. Fehlt noch das Gegenargument: Was passiert dann mit der Pyro-Industrie? Die befindet sich zum Großteil in China.

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Schule ist kein Ort für Streiks

Leserbrief von Konrad Breitrainer sen., Rohrdorf

Zu „Fridays for Future“ kommt endlich die notwendige Klarstellung von Norbert Kotter. Ich persönlich verfolge die Bewegung von Anfang an. Die Zielsetzung der Greta Thunberg ist aller Ehren wert, aber der gewählte Zeitpunkt „Am Freitag zur Schulzeit“ ist falsch und hat fatale Folgen. Die Schule ist kein Ort des Streikens, sondern ein Ort des Lernens, und zwar des „Lernens fürs Leben“. In der Schule werden die Grundlagen gelegt, welche die junge Generation braucht, um später eine gute und brauchbare Ausbildung in den verschiedensten Berufen antreten zu können.

Der richtige Zeitpunkt für solche Aktionen wäre der freie Samstag gewesen. Aber die Freizeit dafür zu opfern, dafür waren die Jugendlichen wohl nicht bereit. Die Wahl des Kairos, des rechten Augenblicks und des rechten Zeitpunkts, einst bei den Griechen, den Vätern des Abendlandes, höchstes Ideal, ist unserer Zeit abhandengekommen. Den Freitag für den Schulstreik zu wählen, hat fatale Folgen; denn wer am Freitag streikt, hat wohl schon am Donnerstag alle Hände voll zu tun, damit die Aktion am Freitag erfolgreich abläuft. Es gehen also zwei Tage für die Schule verloren.

Noch ein Satz: Streik ist ein Mittel der Gewerkschaften, um Lohnforderungen oder Verbesserungen am Arbeitsplatz durchzusetzen. Ein Schulstreik dagegen ist wohl als Lernverweigerung zu beurteilen.

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"Von der sozialen Wirklichkeit abgehobene Schicht"

Leserbrief von Oskar Hennefarth, Haag

Ist denn das politische Wahrnehmungsgefühl unserer Zeit vollkommen aus den Fugen geraten? Anstatt sich mit den Folgen des erdgeschichtlich unumkehrbaren Klimawandels und dessen Folgen auseinanderzusetzen und vorsorglich Maßnahmen zu ergreifen, wird die Politik von unmündigen Schulschwänzern bestimmt, die überheblich und arrogant ihre Ansichten verbreiten. Ich habe bisher noch keinen Schüler in den Medien gesehen oder gehört, den man dem lohnabhängigen Kreisen zuordnen könnte.

Aufgrund dieser Thesen einer von der sozialen Wirklichkeit abgehobenen Schicht, lassen sich Politiker aller Couleur grün einfärben und der Normalbürger wird aufgrund fragwürdiger theoretischer Thesen über die menschliche Einwirkung auf das Klima geschröpft, gemaßregelt und mit Verboten überhäuft, deren Nutzen mehr als fragwürdig sind.

Es gibt in der Zeitung eine große Anzahl von Zuschriften (die nicht von Hinz und Kunz verfasst wurden), die bestätigen, dass die menschliche Einwirkung auf das Klima völlig überschätzt wird.

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Heute demonstrieren, morgen fliegen

Leserbrief von Marianne Madersbacher, Brannenburg

Trotz der aktuellen und wichtigen Debatte um unsere bedrohte Natur und den Klimaschutz geht es lustig weiter mit lauten Techno-Partys, Feuerwerken, Großveranstaltungen, nächtlichen Lichtershows in allen Farben und Festlichkeiten das ganze Jahr hindurch.

Ja, da passt doch nichts mehr zusammen und es stellt einem die Haare auf, wenn zum Beispiel Tausende beim Demonstrieren sind, aber am folgenden Tag ins Flugzeug steigen, weil sie dringendst einmal nach Neuseeland müssen.

Oh Herr, erbarme dich unser, wenn es dir noch möglich ist! Aber bitte möglichst schonend und energiesparend.

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