Debatte um das Impfen hält an

Impfungenkönnen vor Krankheiten schützen – aber auch Nebenwirkungen haben. dpa
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Impfungenkönnen vor Krankheiten schützen – aber auch Nebenwirkungen haben. dpa

Zum Artikel „Impfpflicht war längst überfällig“ (Regionalteil), zum Artikel „Hohe Strafen für Impfmuffel“ (Abendausgabe) sowie zum Kommentar von Klaus Rimpel „Schutz gegen Masern im Bundestag: Die Impfpflicht und die Freiheit“:

Klaus Rimpel beschreibt die Impfgegner als Egoisten, die gut 93 Prozent der Bürger, die sich schützen wollen, in Gefahr bringen würden. Meine Frage an Sie, Herr Rimpel: Die Geimpften sind doch geschützt, oder nicht? Glauben Sie selber nicht an den Impfschutz? Ich glaube, jeder Impfgegner hat so viel Toleranz, dem „Impfwillen“ seines Mitbürgers nicht im Wege zu stehen.

Sind Impfgegner diejenigen, die sich nicht informiert haben, oder gerade das Gegenteil? Dazu muss ich mich mit allem Wissen, das zur Verfügung steht, informieren und die Quellen überprüfen, woher diese Aussagen stammen. Und glauben Sie mir, das ist bei Weitem schwieriger als einfach nur „Ja“ zu Impfungen zu sagen! Wissen Sie gerade ihren Antikörpertiter? Es wird bei keinem von uns überprüft, ob auf die Impfung genügend Antikörper gebildet werden und wie lange der sogenannte „Schutz“ nun anhält. Mit Sicherheit haben Sie der Pharmaindustrie einen guten Dienst erwiesen.

Rosmarie Maier

Schonstett

Eine Impfpflicht ist unnötig und steigert sicherlich nicht das Vertrauen der Menschen in Impfungen oder politische Entscheidungen. Dazu kommt, dass das Gesetz großteils auf Behauptungen beruht, die sehr leicht als falsch erkannt werden können, sieht man sich offizielle Zahlen an.

Meiner Meinung nach gibt es keinen Anstieg der Masernzahlen in Deutschland, die Impfquoten stiegen in den vergangenen Jahren an oder sind auf hohem Niveau, die meisten Neuerkrankungen in Deutschland sind Erwachsene und ganz sicher keine Kinder.

Mit dem Impfpflicht-Gesetz soll die Elimination der Masern in Deutschland erreicht werden und die gesetzliche Impfpflicht dann wieder aufgehoben werden, wenn die Weltgesundheitsorganisation die Masernelimination für Deutschland bestätigt hat. Es stellt sich also für mich die Frage, warum hat Deutschland das noch nicht geschafft? Oft wird betont, dass für die Elimination mindestens 95 Prozent der zwei Masernimpfungen benötigt werden. Diese Vorgabe erreichen nur wenige Länder. Viele der Länder mit weniger als 95 Prozent Impfquote haben dennoch die Masern seit Jahren eliminiert.

Ein Hauptgrund für das Verfehlen der Elimination ist die schlechte Erfassung der Masern in Deutschland – die Impfquoten sind dafür ausreichend! Die WHO hat Deutschland bereits in 2018 aufgefordert, die Masern überwachung zu verbessern. Es liegt der begründete Verdacht nahe, dass Deutschland die Masern längst eliminiert hätte, wenn die lokalen Gesundheitsbehörden die nötigen Daten in ausreichender Menge und Qualität liefern würden. Gesundheitsminister Spahn wäre gut beraten, statt einer Impfpflicht eine Analyse der Ursachen für die Datenproblematik in Auftrag zu geben!

Doris Resch

Rechtmehrin g

Was haben wir nur für eine Regierung! Am 14. November 2019 hat der Bundestag das sogenannte „Masernschutzgesetz“ in Deutschland verabschiedet – gegen den Rat zahlreicher namhafter Experten und die von mehr als 140 000 Menschen unterschriebene Petition des Vereins „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ ignorierend.

Was spricht gegen dieses Gesetz? Hier einige Argumente: Die hochoffiziellen Masernzahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass es keine akute Bedrohungslage oder dramatische Zunahme von Masernfällen gibt, die ein solches Gesetz rechtfertigen würde, zumal die Impfquote in Deutschland ohnehin sehr hoch ist. Durch das Gesetz werden zudem zentrale Grundrechte verletzt (unter anderem das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Elternrecht). Es kann nicht sein, dass Eltern durch massive Nachteile (Verlust des Anspruchs auf Kinderbetreuung ohne Immunität) zur Impfung ihrer Kinder gezwungen werden.

Außerdem sieht das Gesetz Zweitimpfungen vor, obwohl in den allermeisten Fällen eine Impfung ausreicht und eine Antikörperbestimmung nach der ersten Impfung über die Immunität Sicherheit geben würde. Und: Obwohl das Gesetz nur mit dem Schutz vor Masern argumentiert, sieht es ausdrücklich die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen vor. Damit entscheidet quasi die Pharmaindustrie, in welchen Kombinationen die Masernimpfung durchgeführt wird, und daraus ergibt sich eine Impfpflicht gegen andere Erkrankungen als Masern.

Dass dieses Gesetz so nicht hingenommen werden kann, liegt für viele auf der Hand. Deshalb werden Verfassungsbeschwerden vorbereitet und das Urteil der Richter des BVG in Karlsruhe darf mit Spannung erwartet werden.

Edith Geisreiter

Wasserburg

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