Debatte um Hähnchenmaststall in Schnaitsee – das sagen unsere Leser

Geflügelmast
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Geflügelmast

Der Schnaitseer Gemeinderat hat den Bau eines Betriebs mit 38.000 Mastgeflügelplätzen und 230 Plätzen für Mastrinder genehmigt. Dazu haben uns 3 Leserbriefe erreicht – und die Meinung ist einhellig: Sachzwänge dürfen demnach die Bedenken nicht überwiegen. 

Zum Artikel: 38.000 Mastgeflügelplätze in Schnaitsee – Gemeinderatsmitglied warnt vor „Nitratproblem“

In einer Gemeinderatssitzung am 4. November berieten die Räte über den geplanten Bau eines Hähnchenmaststalls mit 38 000 Plätzen und einer Bullenmastanlage für 230 Rinder in Schmidham. Ein Hähnchenmaststall mit 38 000 Masthähnchen und 230 Bullenmastplätzen sei noch lange kein Großbetrieb, äußerte in dieser Sitzung ein Schnaitseer Gemeinderat – der beginne ja erst bei 40 000 Geflügelmastplätzen. Selbiger Gemeinderat äußerte auch in dieser Sitzung, der Landwirt produziere ja auch regional Mastgeflügel – kein Widerspruch hierzu. Schade. Futterzukauf und der Einsatz von Antibiotika, der leider bei dieser Größe unumgänglich sein wird, scheinen ebenfalls nicht der Rede wert. 

Immerhin fünf Gemeinderäte von 17 stimmten mit guten Argumenten gegen das Projekt: Da wäre einmal das Trinkwasser der Harpfinger Gruppe, dessen Einzugsgebiet nachweislich im Bereich des Mastbetriebs liegt und dessen Nitratbelastung problematisch ist und sich dadurch noch verschlimmern könnte. Schließlich brachte es Gemeinderat Dr. Theo Danzl mit seinem Hinweis auf den Punkt, man erweise der Landwirtschaft mit so einem industriellen Agrarbetrieb einen Bärendienst – wie wahr! 

Schließlich zeigten sich weit über 100 Schnaitseer Bürgerinnen und Bürger innerhalb weniger Stunden bereit, mit ihrer Unterschrift gegen eine industrielle Landwirtschaft Stellung zu beziehen. 

Müssen Gemeinderäte stets alles, was rechtens ist auch gut heißen und dem zustimmen? Wohl eher nicht. Doch zeigt es wieder einmal, wie leicht man sich von diversen Meinungen und scheinbaren Sachzwängen beeinflussen lässt. Im Interesse der Mehrheit der Gemeindebürger und insbesondere in der Sorge um das Trinkwasser hätte diese Abstimmung genau andersrum ausgehen müssen. 

Alois Dirnaichner, Schnaitsee 

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Mit großem Bedauern und Enttäuschung habe ich die mehrheitliche Zustimmung zu den Geflügel- und Rindermastanlagen in Schnaitsee zur Kenntnis genommen. Meines Erachtens gibt es keine Berechtigung für derlei Vorhaben: 

Es geht auch noch eine Nummer größer: In diesem Hähnchenstall sind etwas 59.000 Masthähnchen untergebracht. 

Erstens: Es gibt in Deutschland ein Überangebot an Lebensmitteln, weshalb schon jetzt jährlich über zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet oder weggeworfen werden. Zweitens: Jede Überproduktion führt zu einem Preisrutsch nach unten, was letztlich auch für den Betreiber schlimme Folgen haben könnte. Drittens: Die von besorgten Gemeinderäten angesprochene Trinkwassergefährdung ist äußerst ernst zu nehmen, da bereits ohne Massentierhaltung schon eine Nitraterhöhung festzustellen ist. Viertens: Wir bewegen uns in einem christlich geprägten Umfeld, deshalb ist auch deswegen ein großes Fragezeichen hinter solche Entscheidungen zu setzen. Fünftens: Für die Anwohner sind Geruchsbelästigung und Verkehrsaufkommen auch nicht außer Acht zu lassen. Sechstens: Dem Ansehen des Bauernstandes wird dadurch weiter geschadet, wie auch Gemeinderat Dr. Danzl zu bedenken gab. 

Leider haben die mutigen Einwände mancher Gemeinderäte nicht ausreichend Beachtung gefunden. 

Ulrike Grundherr, Schnaitsee 

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In Schnaitsee soll also ein Hühnchenmaststall mit 38 000 Mastgeflügelplätzen und dazu noch 230 Plätzen für Mastrinder gebaut werden. 

In einer Zeit, in der man täglich erfährt, wie schlimm es mit unserer Umwelt aussieht, müsste eigentlich dem Letzten klar geworden sein, dass wir nicht so weitermachen können. Einschränkungen in unserem bisherigen Lebensstil sind dringend nötig. Gilt das nicht auch für die Massentierhaltung? Natürlich erweisen wir damit der verbleibenden Landwirtschaft einen Bärendienst, aber nicht nur den ohnehin kaum noch vorhandenen normalen Bauern, sondern auch den Anwohnern. 

Aus der Berechnung der Düngemittel gehe hervor, „dass die Vorgaben der Düngemittelverordnung weit unterschritten würden“. Haben wir Ähnliches nicht schon zu oft gehört? Und was machen die Harpfinger Anwohner, wenn sich nach Jahren herausstellt, dass es vielleicht doch ein bisschen mehr war? Die Einhaltung der Düngeverordnung werde nur stichprobenartig überprüft, heißt es. Wird hier vielleicht darauf spekuliert, dass wir es einfach nicht rechtzeitig merken, wenn uns das Nitratproblem überrollt? Da macht es mich betroffen und traurig, dass unsere Gemeinderäte den Genehmigungsbeschluss mit der überwältigenden Mehrheit von zwölf zu fünf Stimmen gefasst haben – ob mit oder ohne „Bauchweh“. 

Für mich bleiben viele Fragen, die mich ratlos machen: Sieht so eine verantwortungsvolle Interessenvertretung aus? Soll für die nachfolgenden Generationen nichts mehr übrig bleiben? Sind wir das unseren Kindern und Enkelkindern nicht schuldig? Hat die grenzenlose Gier, der die natürlichen Lebensgrundlagen geopfert werden, wirklich schon so viele Menschen erfasst? Wie gehen wir mit der Schöpfung um? Haben wir vor nichts mehr Ehrfurcht? 

Philomena Wagner, Schnaitsee

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