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Das Versagen des Westens in Afghanistan

Verzweifelte Szenen spielten sich in dieser Woche auf dem Flughafen in Kabul ab. Hunderte Menschen, die sich in Sicherheit bringen wollten, stürmten das Rollfeld, um in eines der Flugzeuge zu gelangen.
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Verzweifelte Szenen spielten sich in dieser Woche auf dem Flughafen in Kabul ab. Hunderte Menschen, die sich in Sicherheit bringen wollten, stürmten das Rollfeld, um in eines der Flugzeuge zu gelangen.

Zum Bericht „Für viele Helfer schwindet die Hoffnung“ (Blick- punkt-Seite) sowie zur Berichterstattung über Afghanistan (Politikteil):

Skandalös ist der Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan nach 20 Jahren letztlich erfolglosem Kampf gegen die Taliban. Das afghanische Volk wird damit gnadenlos seinem Schicksal überlassen. Wie ist es nur möglich, dass die bestgerüstetsten Soldaten unserer Zeit gegen schlecht bewaffnete islamistische Milizen den Kürzeren ziehen? Das ist nach Vietnam die zweite große Schlappe der Weltmacht USA. Die in jeder Hinsicht weit überlegene westliche Welt muss vor einem wilden Haufen barbarischer Krieger kapitulieren. Das ist sehr beschämend und kratzt heftig am Selbstbewusstsein der amerikanisch-europäischen Allianz.

Ulrich Kretzschmar

Prien

Die Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan war voraussehbar. Es war auch bekannt, dass die afghanischen Helfer der Bundeswehr und der anderen NATO-Truppen dadurch in Lebensgefahr geraten und ebenso zahlreiche Afghanen der Kultur- und Demokratiebewegung. Trotz aller frühzeitigen Warnungen von Hilfsorganisationen und auch der deutschen Botschaft bestand die Bundesregierung darauf, dass die bürokratischen Pass- und Visabestimmungen genau eingehalten werden. Auf einer Pressekonferenz des Bundesinnenministeriums wenige Tage vor dem politischen Zusammenbruch wurde nach Fragen von Pressevertretern noch darauf hingewiesen, dass nur diejenigen afghanischen Helfer nach Deutschland einreisen dürfen, die sich zuvor bei der deutschen Botschaft ein Visum besorgt hätten. Verschwiegen wurde, dass die deutsche Botschaft in Kabul bereits seit Wochen geschlossen war. Vom Militärstützpunkt der Bundeswehr wurden noch kurz vor dem Abzug der letzten Soldaten mit einem Transportflugzeug die Spirituosen verladen, anstatt besonders gefährdete afghanische Helfer auszufliegen. Durch diese verspäteten Evakuierungen dürften viele dieser Helfer dem Terror der Taliban zum Opfer fallen. Ich bin der Ansicht, dass die hierfür verantwortlichen Mitglieder der Bundesregierung wegen der unterlassenen Hilfe gegenüber den afghanischen Schutzbefohlenen strafrechtlich belangt werden sollten. Das ist in Paragraf 221 StGB geregelt: „Wer einen Menschen in eine hilflose Lage versetzt oder in einer hilflosen Lage im Stich lässt, obwohl er ihn in seiner Obhut hat oder ihm sonst beizustehen verpflichtet ist, und ihn dadurch der Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung aussetzt, wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

Michael Arends

Rimsting

Herr Maas droht den Taliban mit Geldverweigerung: Warum nicht auch mit einem Liebesentzug? Nach zwei Jahrzehnten Krieg in Afghanistan „flüchten“ – politisch gewollt – die eingesetzten Truppen vieler Staaten. Die nationalen Truppen des verlassenen Staates verloren Provinz um Provinz. Sind die Taliban auf Geld angewiesen? Sicher nein. Wie sonst könnten sie so viele Kämpfer und Waffen finanzieren? Ich schlage vor, dass der demokratische Westen sofort Notärzte-Teams schickt: Vermutlich schweben die Taliban in Lebensgefahr durch „Sich-Totlachen“. Die alte Bitte „Gott, schütze uns vor unseren Freunden (Politikern), vor den Feinden wollen wir es selber tun!“, scheint auch umsonst geseufzt worden zu sein!

Wolfgang Pawliczek

Übersee

Die Bilder der chaotischen Zustände nach der Blitzeroberung Kabuls durch die Taliban, insbesondere vom Flugplatz in Kabul, sind schwer auszuhalten und besonders den Afghanistan-Veteranen schwer zu vermitteln. Wofür sind 59 unserer deutschen Soldaten in Afghanistan gefallen oder tödlich verunglückt? Viele andere benötigen weiter physische Betreuung. Die Milliarden Euro an Hilfen sind einfach verpufft. Es war eine desaströse Fehleinschätzung des Bundesaußen- und Verteidigungsministeriums. Botschaftsangehörige in Kabul wiesen das Bundesaußenministerium mehrfach auf die sich zuspitzende Lage hin, um sofort Evakuierungsmaßnahmen für die afghanischen Helfer und Dolmetscher der Bundeswehr mit deren Familien einzuleiten. Das wertvolle Zeitfenster, als der Flugplatz von Kabul noch offen war, wurde sträflich verbummelt. Die Taliban schafften schnell militärische Fakten. Mit aller Hast und Eile wird nun versucht, eine Blitzevakuierung mit US-amerikanischen und deutschen Spezialkräften mit unkalkulierbarem Risiko für die nun eingesetzten Soldaten auf die Beine zu stellen. Der Westen, insbesondere die seit 20 Jahren in Afghanistan kriegsführenden NATO-Verbündeten mit ihrem überhasteten Truppenabzug, haben sich vor der ganzen Welt, besonders vor der arabisch-islamischen Welt, bis auf die Knochen blamiert. Man kann von einem Totalversagen der NATO in Afghanistan sprechen, in deren Bresche sofort China und Russland einspringen werden. Nach meinem normalen demokratischen Verständnis müssten die verantwortlichen Politiker der Bundesregierung mit sofortiger Wirkung zurücktreten.

Adelbert Schömer

Rosenheim

Die Vorgänge in diesem Land machen sprachlos. Reflexartig taucht sofort die Frage auf: „Wer ist schuld?“ Und die Schuldigen sind schnell bei Politikern unseres Landes ausgemacht. Ganz sicher, man hätte vieles besser machen können. Schuld aber tragen in aller erster Linie die Berserker, die das Land nun ohne Wenn und Aber ins Mittelalter zurückkatapultieren werden. Mitmenschlichkeit oder auch nur annäherungsweise unserem Rechtsverständnis entsprechende Normen fehlen vollständig. Die Gedanken von Humanismus, Recht, Gewaltentrennung, all das hat sich in Europa während der Renaissance, der Reformation und der Säkularisation gebildet. Wer immer es versuchen mag, dies durch militärische Gewalt von außen durchzusetzen, wird in Afghanistan, und nicht nur dort, scheitern. Der Wille zu Veränderungen und Reformen muss aus den islamischen Völkern selbst kommen und erstritten werden. Es wird früher oder später geschehen. Bis dahin müssen wir dem grausamen Treiben absolut machtlos zusehen. Bis dahin könnten wir unsere Verachtung für die Täter etwa dadurch ausdrücken, dass täglich auf allen Radiosendern des Landes „Nicht in meinem Namen“ von Bodo Wartke ausgestrahlt wird.

Nikolaus Oppenrieder

Rosenheim

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