Darum geht es im Krieg um Bergkarabach

Zur Berichterstattung über den Krieg um Bergkarabach (Politik):

Als studierter Historiker möchte ich ein wenig Hintergrundwissen zum Krieg um Bergkarabach liefern. Bergkarabach gehört zu Aserbeidschan und ist seit 30 Jahren von Armenien besetzt: so die offizielle Lesart. Der Grund wird selten genannt. In Bergkarabach leben seit Jahrhunderten fast ausschließlich Armenier. Diese waren von Seiten der Aserbeidschaner regelmäßig Progromen ausgesetzt.

So wurden zum Beispiel im März 1920 die armenischen Einwohner von Suscha durch aserisches und türkisches Militär massakriert. Bergkarabach wurde in Folge der Sowjetisierung gegen den Willen der dort lebenden Bevölkerung Aserbeidschan zugeschlagen. Versuche, auf friedlichem Wege die Angliederung an die armenische SSR zu erreichen, schlugen fehl. Es folgten Ende der 80er- und Anfang der 1990er-Jahre die von Aseris durchgeführten Progrome von Baku, Ganja und anderen aserbeidschanischen Städten. Die sowjetische Armee marschierte ein. Hunderte, wenn nicht Tausende Armenier starben.

In Folge der Progrome erklärte deshalb Bergkarabach am 2. September 1991 seine Unabhängigkeit. Der uns allen bekannte Krieg folgte. Unterstützt vom Mutterland Armenien konnten die Einwohner Bergkarabachs ihre Vertreibung vorläufig verhindern. Diese soll nun offensichtlich durch aserisches und türkisches Militär nachgeholt werden. Oder warum wollen die Despoten Erdogan und Aliew mit Gewalt ein Territorium zurückholen, dessen Einwohner sich am 10. Dezember 1991 in einem demokratischen Referendum mit absoluter Mehrheit gegen einen Verbleib bei Aserbeidschan entschieden haben?

Teilweise haben die beiden Diktatoren ihr Ziel bereits erreicht – rund 75 000 Armenier sollen bereits aus Karabach geflohen sein.

Christian Schröder

Rosenheim

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