CSU-Events auf „Insel der Ruhe“

Zum Artikel „Eisiger Neujahrsgruß aus Seeon“ (Politikteil):

Mit erfreulich wenig Außenwerbung ging heuer die Tagung der CSU-Bundestagsfraktion in Kloster Seeon über die Bühne. Dobrindt und Söder, von der Leyen und Kramp-Karrenbauer konnten auch ohne Plakatierung des Baudenkmals aufs Fernsehbild gebracht werden. Der Geschäftsführer des Kultur- und Bildungszentrums, Gerald Schölzel, hatte ja schon zuvor gesagt, dass das Kloster nicht mehr so viel CSU-Werbung machen dürfe. Heuer hat man dann auf Großplakatierung verzichtet, zumal die Bauerndemonstration mit den 300-PS-Traktoren neben dem Polizeiaufgebot für ausreichende Aufmerksamkeit gesorgt hat. Nun tagt aber auch erstmals die CSU-Landtagsfraktion im Kloster. Eine Klausurtagung in klösterlicher Abgeschiedenheit, damit man zur Besinnung kommt – das will aber auch die Landtagsfraktion nicht. Ein werbewirksames Event mit Party-Stimmung und Fernsehauftritten vor einer aufgepeppten Kulisse muss es schon sein. Und deshalb wird der Kloster-Vorhof großflächig in CSU-Blau beleuchtet. Schon Tage zuvor und 24 Stunden am Tag. Eine Lichtverschmutzung ist doch der „Insel der Ruhe und Gelassenheit“ (wie der Bezirk Oberbayern sein „Kultur und Bildungszentrum“ nennt) nicht abträglich. Und ob die CSU-Werbung nun vom Bezirk oder der CSU durchgeführt und bezahlt wird, bleibt letztlich sowieso gleich: Beides sind Steuergelder. Dass die Grundsätze der Parteienfinanzierung einst anders gedacht waren, hat man vergessen und auch, dass es ein Bayerisches Denkmalschutzgesetz gibt. Schließlich handelt es sich bei den CSU-Events jedenfalls um Elemente der bayerischen Kultur und Bildung auf einer Insel der Ruhe und Gelassenheit.

Gerd Raepple

Seeon

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