Corona: Zwischen Frust und Hoffnung

Ein überklebtes Hinweisschild für die Maskenpflicht: Symbol der gespaltenen Meinung zur Corona-Pandemie.
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Ein überklebtes Hinweisschild für die Maskenpflicht: Symbol der gespaltenen Meinung zur Corona-Pandemie.

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie (Politik-, Bayern-, Regional- und Lokalteil):

Es gehört zum Wesen der Demokratie, seine Meinung zu äußern. Die kritischen Stimmen einiger Unternehmer und Unternehmerinnen sind daher wichtig und willkommen. Mich macht es betroffen, welche Not sich hier ausdrückt. Dies sind verantwortungsvolle Sichtweisen, die mich nachdenklich machen.

Wenn ich hingegen in diesem Zusammenhang lese, dass Bürger sich „Freiheit und Selbstbestimmung zurückholen“ sollen, muss ich innerlich protestieren. Wenn es schließlich heißt: „Die Demokratie ist begraben. Die Grundrechte sind abgeschafft“, muss ich laut dagegen sprechen. Gibt dies wirklich die Meinung der Unterzeichnenden wieder?

Die Krise führt doch gerade vor Augen, wie notwendig eine starke Zivilgesellschaft und ein handlungsfähiger Staat sind. Hier zeigt sich doch gerade eine lebendige Demokratie und die Kraft der Grundrechte!

Wir brauchen ein gemeinsames Gespräch darüber, wie wir mit der Verschiedenheit umgehen. Ich vertraue auf die Handlungsfähigkeit der Politik und auf aufrichtiges Handeln. Vereinfachungen und Appelle, „es“ selbst in die Hand zu nehmen, gehen hingegen in die Irre.

Markus Merz

Bad Aibling

Im OVB (23. März) liest man Schlagzeilen wie „Ärztliches Rätselraten“, „Lehrer stellen Söder Ultimatum“ und „Zwei Drittel unzufrieden“. Und warum? Unsere leider zurzeit so chaotischen Politiker sind immer noch nicht in der Lage, endlich genügend Impfstoffe herbeizuschaffen, da sie vor einem Jahr bereits alles verschlafen haben und nur wegen Preisdruck verhandelt haben, statt mit Impfstoffbeschaffung.

Da braucht Herr Söder gar nicht das Schlagwort vom „Schlafwagen Berlin“ benutzen, da er selbst drin liegt und nichts anderes als mit der sehr müde wirkenden Kanzlerin einen harten „Komplett-Lockdown“ als tolle Lösung präsentiert. Obwohl allen ganz klar ist, dass die Pandemie nur ihren Schrecken verliert, wenn viel mehr Menschen geimpft sind.

Am 1. April sollten die Hausärzte im Freistaat damit beginnen, ihre Patienten gegen das Coronavirus zu impfen. Aber wie denn, wenn der Impfstoff fehlt? Die Hausärzte hätten das gewiss viel besser über die Bühne gebracht, denn die jährlichen Grippeschutzimpfungen erledigen sie auch immer bestens – ohne Politiker einzuschalten.

Ist es da noch eine Frage, dass fast zwei Drittel der Deutschen unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung sind? Das im OVB vom 20. März zu lesende Interview mit dem Ökonom Hans-Werner Sinn über die Pandemie-Bekämpfung hat doch genau gezeigt, wo es bei dem ganzen Management unserer zuständigen Damen und Herren gefehlt hat, doch keiner lernt daraus. Mit gesunden Lösungen tun sich die Zuständigen so schwer, weil sie mehr mit den Landtagswahlen, der Bundestagswahl und der Kanzlerfrage beschäftigt sind. So werden sie uns wohl eben weiterhin in Lockdowns schicken.

Wolf Schulz

Aschau im Chiemgau

Immer häufiger hört man im Zusammenhang mit Anzeigen wegen der Verletzung der Corona-Regeln von Denunzianten. Unter diesem Begriff versteht man „die (Straf-)Anzeige eines Denunzianten aus persönlichen, niederen Beweggründen, wie zum Beispiel das Erlangen eines persönlichen Vorteils“ (Wikipedia).

Bemerkt man in der Nachbarschaft einen vermeintlichen Einbruch und ruft die Polizei, ist das nach allgemeiner Meinung vorbildlich, also kein denunzieren. Sachschaden und Verluste betreffen in der Regel eine Familie. Werden aber bei egoistischen diversen Treffen und Feierlichkeiten während des gesetzlich verordneten Lockdowns die Ordnungskräfte gerufen dann hört man immer öfter den Begriff der Denuntia tion. Der Lockdown soll aber die Gesundheit und das Leben der gesamten Bevölkerung schützen. Diese so verleumdeten Leute handeln weder aus persönlichem Vorteil noch aus niederen Beweggründen. Ihr Handeln ist vorbildlich und verantwortungsvoll für uns alle.

Günther Rother

Neubeuern

Zur Corona-Leserbriefseite vergangenen Samstag: Auf einer Seite insgesamt elf Leserbriefe, die zwischen 48 und 67 Zeilen lang waren (viel zu lang), das kann nicht gutgehen. Hier ein paar Auszüge: „Volksvertreter sind unfähig“; ein Friedrich-Schiller-Zitat; das Bundesverfassungsgericht soll prüfen; die Ministerpräsidenten behandeln uns wie Kinder; die Kanzlerin setzt die Krone auf; mittelalterlicher Lockdown; „Schluss mit der Sklaverei“. Und was die Schreiber noch alles „Gutes und Schlaues“ geschrieben haben. Ein einziger Leserbrief war lesenswert. Die 13 Zeilen von Herrn Herbert Häger. Zitat: „Eigentlich ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“

Michael Bothe

Traunwalchen

Ändern wir doch unseren Blickwinkel: weg von dem bösen Virus und den armen Menschen. Angenommen, die Erde wäre unser Körper. Parasiten würden in uns hineinbohren, an uns herumfressen, ihr Gift in und über uns spritzen, uns in schädliche Abgase hüllen, ihre Hinterlassenschaften in uns deponieren. Wir müssten Tag und Nacht sklavengleich funktionieren. Wie lange würden wir überleben?

Der Organismus Erde hat es in Milliarden Jahren der Evolution bis heute geschafft, Katastrophen zu überstehen. Frank Schätzing schreibt in „Grüße aus einem unbekannten Universum“ von den Menschen als „Wesen von beeindruckender Komplexität, allerdings auch von großer Anfälligkeit.“ Dadurch kommt es im Laufe der Zeit zur „Komplexitätskrise“; das heißt „die Natur kann sich diese Spezies nicht mehr leisten. Deren außergewöhnliche Fähigkeit besiegelt zugleich ihren Untergang. Je mächtiger ein Wesen wird, umso mehr verengt sich sein Überlebensspielraum.“ Er beschreibt auch, dass „die Umwelt nicht aus den Fugen gerät, es kein Gleichgewicht der Natur gibt“, sondern „die Geschichte unseres Universums die Geschichte wechselseitiger Anpassungsprozesse ist.“ Bei fast 8 Milliarden Menschen wird der „Überlebensspielraum“ immer enger. Die Erde wehrt sich gegen ihre Parasiten. Sie bildet einen Abwehrmechanismus in Form von Krankheitserregern. Diese treffen unsere anfällige Komplexität empfindlich, legen unsere rücksichtslose, ausbeuterische Art lahm und werfen unsere egoistischen Lebensgewohnheiten über den Haufen. Corona ist ein sehr ehrliches Virus, es zeigt uns haargenau, wo unsere Schwächen sind. Wir alle werden uns an ein Leben mit dem Virus anpassen und unsere Prioritäten überdenken müssen. Die Erde braucht uns nicht, aber wir die Erde.

Sabine Urgibl

Haag

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