Corona und der ÖPNV: Unsinnige Prozentangaben und Fensterplatz-Tipps

Zu den Berichten „Wie gefährlich sind volle Busse und Bahnen?“ und „Man sollte sich immer ans Fenster setzen“ (Blickpunkt):

Seit Anfang des Jahres hören wir, wie hochansteckend und lebensgefährlich Corona ist. Man liest im OVB, dass der Nahverkehr keine Rolle beim Infektionsgeschehen spielt. Bei 70 Prozent Auslastung sei Bahnfahren sicher. Soll heißen, dass bei einer hundertprozentigen Auslastung dann Bus und Bahn noch sicherer sind? Prozentangaben sind beliebt seit Corona, meistens fehlt die Gleichwertigkeit. Einfach ausgedrückt, prozentual werden Johannisbeeren mit Wassermelonen verglichen. In diesem Artikel erfährt der Leser, dass der sicherste Ort vor Corona demnach öffentliche, voll besetzte Busse und Bahnen sind. Je voller, desto besser – sozusagen. Für Leute, die Corona wollen, gibt es an Knotenbahnhöfen laut Ingo Wortmann „Infektionsspender“. Es steht leider nicht geschrieben, ob es sich hierbei um Menschen oder Säulen wie zur Fahrkartenentwertung handelt. Haben hier drei Autoren einen Schreibfehler übersehen?

Der zweite Artikel ist ähnlich schwachsinnig. Hier erklärt der Virologe Dieter Hoffmann, wie man sich in Bus und Bahn vor dem Virus schützt, indem man sich zum Beispiel ans Fenster setzt. Unmöglich ist der Akademiker jemals in seinem Leben mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln unterwegs gewesen, sonst wüsste er, dass es in voll besetzten Bussen und Zügen schwer ist bis zum freien Fensterplatz vorzudringen. Andere Fachleute, die ähnlich verharmlosend reden, verschwinden von der Bildfläche. Als denkender Mensch kann man nur glauben, dass es sich um einen Aprilscherz handelt oder wir von der Regierung in Bezug auf Corona doch nach Strich und Faden belogen werden.

Sabine Hansen

Bruckmühl

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