Corona-Maßnahmen: Zu viel oder zu wenig?

Nicht hinsetzen, nur Speisen zum Mitnehmen: Die Corona-Maßnahmen treffen unter anderem die Gastronomie hart. Dafür gibt es Kritik von unseren Lesern. Andere plädieren, die Regeln ernst zu nehmen.
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Nicht hinsetzen, nur Speisen zum Mitnehmen: Die Corona-Maßnahmen treffen unter anderem die Gastronomie hart. Dafür gibt es Kritik von unseren Lesern. Andere plädieren, die Regeln ernst zu nehmen.

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie:. Der bayerische Liedermacher Konstantin Wecker veröffentlichte vor rund 50 Jahren ein Lied, in dem er die staatlichen Einschränkungen der damaligen konservativen Regierung und der Polizei gegenüber der Bevölkerung mit den Worten „Es herrscht Frieden im Lande“ brandmarkte.

Heute herrscht wieder „Frieden im Lande“. Diesmal ausgelöst durch eine eher linksgerichtete Regierung unter Führung von Frau Merkel mit weitaus gravierenderen Einschränkungen als damals. Einschränkungen, die eher Repressalien gleichen. Zu Weihnachten will Frau Merkel die bestehenden Einschränkungen etwas lockern, will laut Bild-Zeitung den Menschen „wieder ein gewisses Maß an Freiheit geben“. Verdient diese herzerwärmende Geste nicht tiefe Dankbarkeit von uns allen Bürgern?

Denn ab Januar gelangen wir in den vollen Genuss des demokratischen Verständnisses von Freiheit dieser ehemaligen SED-Funktionärin. Merkels Handlanger fordern bereits heute in einem vorauseilenden Gehorsam „konsequentes Durchgreifen“ und stärkere Polizeikontrollen.

Soll unter Merkels Führung der Freiheitsbegriff des Menschen an das demokratische Verständnis von Freiheit in der damaligen DDR angepasst werden? Nähern wir uns gar in kleinen Schritten einem von langer Hand geplanten neuen Gesellschaftsmodell? Alle freiheitsliebenden Menschen sollten sehr wachsam sein, um nicht eines Tages feststellen zu müssen, dass sie in einem Land leben, dessen demokratisches Verständnis sich nicht mit ihrem eigenen Verständnis von Freiheit und Lebensqualität deckt.

Henrik Serwach

Rohrdorf

Schön, dass es trotz Corona im OVB noch etwas zum Lachen gibt: Leserbriefautor Karl G. Valentin vom Schloß- berg zitiert einen Spruch des bayerischen Originals Karl Valentin: „Hoffentlich wird’s nicht so schlimm wie’s jetzt schon ist.“ Danke, Karl G. Valentin.

Volkart Rothweiler

Bad Aibling

Nun also das Skifahren. Angela Merkel und allen voran der bayerische Ministerpräsident stellen die lautstarke Forderung, alle europäischen Skigebiete bis in den Januar 2021 hinein, noch besser für die gesamte Saison, zu schließen. „Wir wollen kein zweites Ischgl“, sagt Markus Söder und erlässt schnell eine zehntägige Quarantäne auch für (Ski-) Tagestouristen, die aus Österreich nach Bayern zurückkehren. Dieser pure Populismus passt gut in das Konzept Söders, der schon seit mehreren Wochen diverse, oft unverhältnismäßige Maßnahmen fordert. Niemand auf dieser Welt möchte Corona-Hotspots. Die entscheidende Frage dabei bleibt aber, wie eine vernünftige Vermeidungsstrategie aussieht. Die von Herrn Söder gerne genutzte Holzhammermethode des Totalverbots – unabhängig von den bestehenden Rahmenbedingungen – hinterlässt deutlich mehr Schaden, als sie nutzt. Folgt man der Argumentation der Schließungsbefürworter, dann dürften Gottesdienste genauso wenig stattfinden wie Großdemonstrationen – und schon gar nicht öffentliche Verkehrsmittel mit gedrängt stehenden Passagieren betrieben werden.

Nein, es kommt auf die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen an. Reduzierung der erlaubten Besucherzahlen, Maskenpflicht in Lift/Gondel, Abstandsgebote und übliche Hygiene-Maßnahmen sowie das Verbot von Apres-Ski-Veranstaltungen: es bleibt die sportliche Betätigung unter freiem Himmel sowie eine Branche, der ansatzweise die Chance zum wirtschaftlichen Überleben gegeben wird. Herr Söder hingegen bleibt seinem vereinfachenden Ansatz treu und gefährdet damit immer mehr die Akzeptanz für staatlich gelenkte Maßnahmen. Und stellt nebenbei andere Ministerpräsidenten sowie europäische Staatschefs durch belehrende und maßregelnde Ratschläge bloß.

Jörg Meyrich

Breitbrunn

Bedauerlicherweise hat der von der Regierung angeordnete „Lockdown light“ keinerlei Verringerung der Corona-Fallzahlen gebracht. Vielleicht ist das Abwürgen der Gastronomie doch nicht die allerbeste Weisheit! Wenn Politiker keinen Erfolg in ihren Maßnahmen erkennen, ist ein Umdenken ausgeschlossen! Dann sucht man stattdessen weitere Maßnahmen in Bayern, sich diesem Wählervolk als Macher zu präsentieren. Jetzt werden auch Volkshochschulen und Bibliotheken als Corona-Hotspots entlarvt.

Der Abstand der Teilnehmer stimmt alle durch ständiges Lüften auf die neue Eiszeit ein und besonders die Fremdsprachenkurse sind mit Maske kein Hörgenuss. An die schnelle Schließung der Fitnessstudios hat man sich schon gewöhnt, trotz deren aufwendige Maßnahmen alle Hygienevorschriften umzusetzen.

Alle diese Maßnahmen bestrafen besonders die ältere Generation, der ich angehöre. Wir haben das Berufsleben hinter uns, wollen aber unseren Geist weiterhin entfalten, ebenso unsere körperliche Fitness, um die altersbedingten Wehwehchen zu minimieren. Theaterbesuche sind für uns ein weiterer wichtiger Baustein. Das Hygienekonzept der Kulturtempel war beispiellos aufwendig: keinerlei Kontakt zu den weiteren Gästen, zwei Plätze frei nach links und rechts, die Reihe vor und hinter einem unbesetzt, was will man noch verbessern?

Geradezu paradox erscheint dann die Schilderung der Buskunden, speziell der Schulkinder, wenn sie dicht an dicht stehen und sicher nicht schweigend transportiert werden! Es sind hier Bürger betroffen, die meist nicht auf die Straße gehen, um ihren Unmut zu zeigen. Dieser Leserbrief wird ganz sicher keinen Politiker beeinflussen, aber vielleicht dem Wähler die Freude nehmen, bei der nächsten Wahl ein Kreuz bei der C-Partei zu setzen.

Michael Bernrieder

Stephanskirchen

Ein Vorschlag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie für Ministerpräsident Söder und alle anderen Entscheidungsträger: Die gesamte Bevölkerung wird ins künstliche Koma versetzt. Auf solche utopischen Ideen kommt man, wenn man die krampfhaften Versuche der Entscheidungsträger beobachtet, die Pandemie einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Mir kommt das vor wie ein Kampf gegen Windmühlen, die trotz immer härterer Maßnahmen immer noch relativ unbeschadet dastehen, wogegen sich im Umfeld Zerstörung und Chaos ausbreiten: ganze Wirtschaftszweige sind lahmgelegt oder stehen kurz vor der Ausrottung. Für einige Berufsgruppen herrscht de facto Berufsverbot, pures Chaos auf dem Ausbildungssektor, ganz zu schweigen von den noch nicht erkennbaren Schäden für das gesellschaftliche Leben insgesamt.

Neben dem Dauerbombardement mit Horrorzahlen und anderen sachbezogenen Katastrophenmeldungen werden wir wiederholt zum Zusammenhalten aufgefordert. Aber wie bitte soll das erfolgen, wenn die meines Erachtens wichtigste Komponente für den Zusammenhalt, nämlich persönlicher Kontakt und Gedankenaustausch, derzeit verboten ist? Videokonferenzen und Computer-Chats sind ein unzureichender Ersatz für diese Komponente.

Ich frage mich, ob es richtig und sinnvoll ist, die erreichbare, aber nicht nachhaltige Verbesserung der relevanten Indikatoren aufzuwiegen gegen die enormen wirtschaftlichen, finanziellen und gesellschaftlichen „Kollateralschäden“. Denn das Virus wird immer wieder einen nächsten Angriff starten, so lange, bis es durch einen Impfstoff (hoffentlich) bekämpft werden kann.

Eberhard Sohn

Gars

Unser bayerischer Ministerpräsident Markus Söder vergleicht 400 Corona-Tote pro Tag mit einem Flugzeugabsturz über Deutschland. Nachdem in Deutschland täglich im Schnitt rund 2700 Menschen sterben, hat er wohl vergessen, die zusätzlichen fünf bis sechs Flugzeugabstürze „ohne Corona“ zu erwähnen. Am 5. März 2018 starben 3932 Menschen in Deutschland (destatis.de), wurde damals ein Vergleich mit zehn Flugzeugabstürzen gebracht?

Der Vergleich Corona-Tote – Absturztote ist völlig fehl am Platz und unerträglich. Ich erinnere an den Germanwings-Absturz 2015 in den französischen Alpen, damals waren die Menschen dem Tod machtlos ausgeliefert. Mit dieser Art von Propaganda schürt Herr Söder ausschließlich Angst und Panik, anstatt Optimismus und sachliche Aufklärung in dieser Krisenzeit zu verbreiten. Solche Vergleiche schaden dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit der Politik immens und erzeugen zwangsläufig eine stetig wachsende Zahl von Protestwählern.

Petra Obermüller

Bad Feilnbach

Es ist unbegreiflich, wie viele Menschen es in unserer Gesellschaft gibt, die immer noch nicht kapiert haben, wie ernst die Corona-Pandemielage ist. Und welcher der schnellstmögliche Weg wäre, aus dieser endlich herauszukommen. Da werden bei Protestversammlungen Tafeln mit absurden Sprüchen geschwenkt, empört gejammert, von Einschränkungen der Grundrechte grundlos gefaselt. In unserer Wohlstands- und Spaßgesellschaft wird es als eine Katastrophe betrachtet, für absehbare Zeit leichte bis sehr harte Einschränkungen des Alltags und eigener Gewohnheiten zu akzeptieren.

Natürlich tun diese vielen zielgerichteten Maßnahmen in vieler Hinsicht sehr weh und viele sind sogar existenzgefährdend. Aber je umfassender und konsequenter diese von allen (!) befolgt werden, umso schneller kommen alle (!) aus dieser grausamen Corona-Pandemie endlich heraus.

Zu viele den Protestlern zugebilligten „Light“-Beschränkungen in etlichen von oben verordneten Maßnahmen ziehen den Kampf gegen das tückische Virus in Lockdown-Wellen in die in jeder Hinsicht teuerste Länge. Wenn aber alle unsere lieben Mitbürger jeden Alters (und auch die selbsternannten Querdenker) bedingungslos, ohne Wenn und Aber, die empfohlene oder verordnete Disziplin konsequent einhalten, kommen wir alle unterstützt von der jetzt folgenden Schutzimpf-Kampagne bei Minimierung des Restschadens aus der Corona-Pandemie möglichst rasch im Jahr 2021 heraus. Anderenfalls wird das eine endlose, umso teurere Leidensgeschichte für alle.

Gerd Höglinger

Rosenheim

Ich habe mich seit Beginn der Corona-Pandemie gefragt, warum gerade Toilettenpapier so gehamstert wird. Man kann es nicht essen, man kann es nicht trinken, man kann damit nicht bezahlen; es dient hauptsächlich einem Zweck, nämlich dem Toilettengang. Inzwischen habe ich meine eigene Theorie zu diesem Phänomen: Wie ich im Lauf der vergangenen Jahre mitbekommen habe, grausen beziehungsweise fürchten sich inzwischen viele Menschen vor ihren eigenen Ausscheidungen.

Daraus resultierend vermute ich, dass solche Leute bei jedem Toilettengang geschätzt mindestens eine halbe Klopapierrolle verbrauchen, um den Vorgang so abzusichern, dass ihre Hände in jedem Moment vor jeglicher Verunreinigung geschützt sind. Und dann ist eine Packung Toilettenpapier natürlich ganz schnell aufgebraucht, sodass eine Vorratshaltung von mehreren Paketen erforderlich ist, um wenigstens eine Woche durchzuhalten, in der man vielleicht mal kein neues kaufen kann.

Manfred Altmann

Rosenheim

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