Die Corona-Krise und die positive Wirkung auf das Klima

Zur Meldung „Die gute Nachricht: Sie heben wieder ab“ (Titelseite):

Warum ist es eine „gute Nachricht“, wenn Lufthansa & Co ihren regulären Flugbetrieb wieder aufnehmen? Ich wüsste nicht, warum das gut sein sollte. Ganz im Gegenteil. Wir alle wissen: Der Flugbetrieb belastet die Umwelt besonders stark mit Schadstoffen und Lärm, und wird steuerlich noch begünstigt. Die letzten Wochen waren für sehr viele Menschen, die in Einflugschneisen oder in Flughafennähe leben, lebensbereichernde Wochen inklusive Vogelgezwitscher und blauem Himmel ohne Kondensstreifen. Wie schädlich ein Urlaubsflug auf die Kanaren für das Klima ist, wissen wir alle. Und dass die Alternative, das Auto, das aus ökologischer Sicht derzeit auch am Pranger steht, auch nicht viel besser ist, ist auch allen klar. Wir haben, und wenn ich die Einschätzung der OVB-Heimatzeitungen mit besagter Überschrift nehme, die Chance aus der Corona-Krise etwas zu lernen. Stichwort: sozialökologische Transformation. Es ist überfällig, konkrete Beispiele einer zukunftsfähigen Energie-, Mobilitäts- oder Agrarwende anzugehen. Und da gehört auch der gesamte Flugbetrieb dazu. Auch hier ist ein sozial-ökologischer Wandel unerlässlich, um zukunftsfähig zu bleiben. Aber hierzu bedarf es eben auch einen entsprechenden, zukunftsfähigen Journalismus in den Tageszeitungen. Aber mit solch einer Einschätzung, dass es gut ist, wenn Lufthansa & Co wieder ihren regulären Flugbetrieb aufnehmen, ist die Chance, auch journalistisch zukunftsfähige Akzente zu setzen, vertan. Mit solchen Meldungen sind wir ruckzuck wieder im alten wirtschaftlichen Denken und Handeln und haben die alten ungelösten Probleme.

Uwe Biermann

Bad Aibling

Sie heben wieder ab. Lufthansa und andere Gesellschaften wollen und dürfen wieder fliegen. Endlich!? Damit die Menschen wieder Urlaub machen und verreisen können. Und damit die doch sehr gebeutelte Tourismusbranche in Mallorca, Kenia, Österreich und anderswo nicht vollends kollabiert. Damit wieder „Autos“ und „Möbel“ gekauft werden können, wird schrittweise die Abschaltung der Republik rückgängig gemacht. (Das war natürlich zu erwarten – deshalb gleich vor das Verfassungsgericht zu rennen, war wohl etwas übertrieben.) Die Wirtschaft (und damit auch wir) kann wieder aufatmen. Allerdings sind Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Schulden und Insolvenzen geblieben. Aber: klimatisch sind wir eindeutig auf der Gewinnerschiene! Messergebnisse weisen anscheinend eine deutliche Luftverbesserung und weniger Feinstaub aus. Und es gab weniger Lärm. Kurz: eine lebenswerte Umwelt. Hier sollten wir kurz innehalten, uns die Karten legen und fragen: Wollen wir das? Arbeitsplätze futsch, aber die Luft ist gut. Klimaschutz ist nötig, aber der Preis ist hoch: Wir hatten nun einige Wochen Zeit, um zu erleben, was man tun muss, um kurzfristig, auch ohne CO2-Steuer, das Klima signifikant zu verbessern. Also, fliegen wir nicht und „Malle“ ist pleite.

Karsten Bonk

Rosenheim

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