Corona-Hotspot: Ischgl als Begründung zu kurz gegriffen?

Zum Artikel „Corona fordert viele Todesopfer“ am 21. August (Regionalteil):

Wurde in der OVB-Grafik der Quotient (Corona-Opfer LKR RO + Stadt RO pro 100 000 Einwohner) schon eindrucksvoll dargestellt, wird es noch interessanter, wenn Werte von Landkreis und Stadt Rosenheim getrennt dargestellt werden. Wer hat denn noch einen Wert von 77,29 Corona-Toten pro 100 000 Einwohner wie der Landkreis und 69,20 für Stadt und Landkreis? (Quelle für die Zahlen ist das OVB).

Der Quotient für die Stadt Rosenheim erreicht mit 36,32 weniger als die Hälfte des Landkreiswertes. Normalerweise verbindet man mit dichterer Bevölkerung (Stadt) höhere Infektionszahlen und damit auch höhere Opferzahlen. Aber merkwürdigerweise ist es in Stadt und Landkreis Rosenheim nicht so. Der Landkreis platziert sich mit 77,29 in der internationalen Tabelle zwischen drittem und viertem Platz und lässt Großbritannien (62,48), Spanien (61,75), Italien (58,79), Brasilien (54,83) und die Vereinigten Staaten (53,59) deutlich hinter sich (Quelle: www.poehm.com).

Was könnte die Ursache für den Spitzenwert im Landkreis Rosenheim sein? Könnte es sein, dass die Begründung Ischgl zu kurz gesprungen ist? Sollten wirklich mehr Rückkehrer aus Ischgl in den Landkreis zurückgekehrt sein, als in die Stadt Rosenheim? Sollte in der Ischgl-Hypothese noch einmal geprüft werden, ob tatsächlich Ischgl-Urlauber die Infektionskette ausgelöst haben? Was haben die Nachbar-Landkreise Miesbach (0,11) und Traunstein (0,49) richtig gemacht? Hatten sie keine Rückkehrer aus Ischgl?

Ich bin auch ohne Straf-Androhung total motiviert die Maske zu tragen, weil sich unter den ersten zehn Ländern der internationalen Corona-Tabelle mindestens drei Staaten mit Premierministern und Präsidenten befinden, die lange als „Vorbilder“ das Maskentragen verweigert haben.

Prof. Dr. Günther Lössl

Nußdorf am Inn

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