Corona, Höschen und das sechste Gebot

In der mittelalterlichen Vorstellungsweltwar die Pest eine Strafe Gottes. Das Passionstheater Oberammergau hat 2019 mit dem Stück „Die Pest“ an die historischen Geschehnisse erinnert.dpa
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In der mittelalterlichen Vorstellungsweltwar die Pest eine Strafe Gottes. Das Passionstheater Oberammergau hat 2019 mit dem Stück „Die Pest“ an die historischen Geschehnisse erinnert.dpa

Zum Artikel „Pandemie ist keine Strafe Gottes“ (Bayernteil) und „Strafender Gott und sündige Welt“ (Leserbriefe):

Therese Purreiters Meinung hat mich erstaunt. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen Pantys oder Damenunterwäsche einerseits und dem Corona-Geschehen andererseits. Ich möchte kurz zur Aufklärung beitragen, aber der Reihe nach: Die Autorin unterstellt, Corona sei eine Gottesstrafe, beruhe unter anderem auf „unsittlicher“ Damenbekleidung und damit auf der Missachtung des sechsten Gebotes (Bibel, Altes Testament, 5. Buch Moses). Wow, ein Knaller! Gottesstrafe? Hat er uns nicht die Freiheit geschenkt? Wer sich nicht mehr einmischt, hat es nicht nötig, Strafen zu verteilen. Zum sechsten Gebot: Es betrifft Eheleute. Im Prinzip geht es um das Thema „Scheidung“, nicht um Höschen. Ein Mann hat die Sache klargestellt und das auf seine ganz eigene liberale Art, ein gewisser Jesus nämlich (zum Eigenstudium: vgl. Lukas 16.18 und Matthäus-Evangelium). Damit ist die intervenierende Variable schon eliminiert. Sie erinnern sich: Höschen verletzt das sechsten Gebot und dies wiederum führt zu Corona. Seit Jahrtausenden sind Damen auf ihr Äußeres bedacht. Dazu gehören auch Höschen, in allen Farben, Formen und Größen. Das dient der Aufmerksamkeitslenkung – auch im Sinne der Arterhaltung. Wurden wir nicht aufgefordert, fruchtbar zu sein und uns zu mehren? Heute ernten wir Bevölkerungsexplosionen in China, Indien, Bangladesch, Indonesien – die meisten ohne Perspektive. Aggression pur, Nahrung, Energie, Rohstoffe knapp. Das sind die Probleme. Ich plädiere für Höschen, für in Intensität und Lautstärke rücksichtsvollen, allgemeinverträglichen Sex und Verhütung selbstredend. Weltweit! Wer braucht dann noch Corona? Niemand.

Hans Pingel

Bad Aibling

Zu Frau Purreiters Leserbrief fällt mir Folgendes ein: Brave Mädchen (züchtig bekleidet) kommen in den Himmel, böse Mädchen (weniger züchtig bekleidet) kommen überall hin, sogar ins Paradies! Leser Grandl möchte doch bitte mal erklären, weshalb alle Menschen bestraft werden müssen, egal ob gut oder böse! Sein allmächtiger Herrgott sollte doch wissen, wer gut und wer böse ist. Nach Grandls Ansicht sind wohl „sehr glaubenstreue und gottesfürchtige Christenmenschen“ gute Menschen, nur „glaubenstreue Menschen“ – naja? – und nicht an Gott glaubende Menschen sind durchwegs böse! Was lernen Kinder heute in der Schule? Zu Grandls Schulzeit wurde ihnen als Grundeinschüchterung die Mär von Hölle und Fegefeuer eingetrichtert, später dann bedingungsloser Gehorsam gegenüber Geistlichen (dadurch lässt sich auch erklären, dass Missbrauch von Ministranten und Schutzbefohlenen jahrzehntelang verborgen blieben). Über den Schwund an „Betern“ braucht sich Herr Grandl nicht wundern: Da ran dürfte ein emeritierter Papst namens Benedikt XVI. mit seinen mittelalterlichen Ansichten bezüglich Zölibat Mitschuld haben. Jetzt wird mir wohl von einigen sehr Gläubigen Gotteslästerung vorgeworfen, Herr Grandl verunglimpft aber Milliarden von Menschen, die nicht an einen katholischen/ christlichen Gott glauben, aber mit Sicherheit nicht alle „böse“ sind.

Wolfgang Maier

Bruckmühl

Ich finde es höchst amüsant, wenn Hobby-Theologen uns Laien erklären, wie christlicher Glaube und christliches Leben zu sein hat. Was soll ich jetzt tun? Der Bischof sagt mir: Du kannst das. Ich trau dir das zu. Also: Mach es! Teile die Kommunion aus! Halte Wortgottesdienste! Wem soll ich also folgen? Dem Profi oder dem Nicht-Profi? Wenn der Personalplan des Ordinariats für einen Landkreis nur noch zehn Priester vorsieht, dann hilft kein Beten, da heißt es: Tut was! Packt mit an! Was helfen Fürbitten zur Rettung des Amazonas-Regenwaldes oder für mehr Priester? Das gehört doch in den ausschließlichen Aufgabenbereich von uns Menschen. Früher die Pest und heute Covid-19 – Strafe Gottes? Für was? Weil wir nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen? Weil wir die Kommunion in die Hand nehmen? Wenn ich an Covid-19 erkranke, bin ich selber schuld, weil ich mich nicht an die Hygienevorschriften gehalten habe. Warum wird uns immer Angst gemacht? Wer nur mit der Angst vor der Hölle glücklich ist, soll so leben. Für mich ist das Masochismus. Ich vertraue auf einen liebenden Gott, der da ist, wenn ich ihn brauche. Er heißt ja so: Jahwe, ich bin da.

Arnold Dietl

Polling

Als Christ macht es mich nachdenklich, wenn Gott als Verursacher der Corona-Krise bezeichnet wird. Die Seuche sei seine Strafe für Verfehlungen der Menschen. Wer ist sich da so sicher? Kann das nicht auch eine Verleumdung Gottes sein? Wenn es aber stimmte, hätte es überraschende Konsequenzen. Wenn Gott mit der Erkrankung wirklich Menschen strafen wollte, müssten gläubige Menschen jede Fürsorge für die Erkrankten unterlassen. Denn jede medizinische Behandlung wäre ja der Versuch, dem strafenden Gott ins Handwerk zu pfuschen. Und jede Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen wäre dann der sündige Versuch, den zürnenden Gott auszutricksen. Und das gälte sicher nicht nur für Corona, sondern genauso für Krebs, Herzinfarkt und Knochenbruch: Wer den Betroffenen hülfe, stellte sich gegen Gottes Willen. Wer glaubt denn das?

Prof. Dr. Johannes Schroeter

Großkarolinenfeld

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