Chinas brutale Dynamik

Zum Bericht „Coronavirus: Mehr als 900 Todesfälle in China“ auf der Weltspiegel-Seite:

Ich kann nicht bewerten, ob China rechtzeitig und richtig genug auf die Corona-Virus-Epidemie reagiert hat. Aber nach unseren deutschen behäbigen Maßstäben unfassbar schnell ist die Errichtung der ersten Not-Klinik für 1000 Patienten in knapp zwei Wochen abgelaufen. Und laut Pressenmeldungen soll sie aufnahmebereit sein. Die zweite Not-Klinik folgt in wenigen Tagen. Wie würde dieses Groß-Projekt bei uns ablaufen? Die Hürden wären riesig: Suche nach Baugrund, Planfeststellungsverfahren, Einbeziehung der Bürger, Einsprüche des BUND, Proteste, Klagen, Architekten-Wettbewerb, Bauplan-Entscheidung, EU-weite Ausschreibung, Bauvertrag, Errichtungszeit, problematische Personalbeschaffung, Nachbesserung wegen Verstöße gegen Brandschutzverordnung etc., – endlich Eröffnung. Alles in allem nicht unter 18 Monaten- eher viel länger. Die Elf-Millionen-Stadt Wuhan und weitere Gebiete sind als Sperrzonen abgeriegelt worden. Man stelle sich vor, dass eine viel kleinere Großstadt bei uns so in Quarantäne käme – wenn überhaupt denkbar. Die örtlichen Gerichte würden überschüttet mit Klagen wegen der Verletzung der Persönlichkeitsrechte und Bewegungsfreiheit. Was Chinas Regime hier mit diesem Beispiel demonstriert, wäre niemals in der hochkomplexen Demokratie des „alten“ Europas möglich, sondern nur in der erfolgreichen chinesischen Ein-Parteien-Demokratur. Es ist ein Vorgeschmack auf die brutale Dynamik bei der Errichtung der Neuen Seidenstraße von China nach Europa. Mit lautlosem Erwerb und Beteiligungen an dutzenden Seehäfen und Flughäfen in Europa (und Afrika) sichert sich China langfristig den dominanten Zugang nach Europa (und Afrika) und wird die schwächelnde EU voraussichtlich in jeder Beziehung an die Wand drücken.

Gerd Höglinger

Rosenheim

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